Vor allem internationale Konzerne
Großaktionäre setzen Kleinanleger vor die Tür

Seit drei Tagen ist die so genannte „Squeeze-out-Regel“, mit der Mehrheitsaktionäre Kleinanleger zwangsabfinden können, in Kraft, und schon gibt es den ersten Fall: Brainpool.

HB DÜSSELDORF. Das Medienunternehmen Brainpool, das zu 96 % im Besitz der Viva Media AG ist, hat kurz vor Jahresende angekündigt, die freien Aktionäre abfinden zu wollen.

Experten erwarten nach Informationen des Handelsblatts schnell weitere Zwangsmaßnahmen. "Ich rechne damit, dass einige Firmen ab Mitte Januar zu der erforderlichen Hauptversammlung einladen werden. Ab Anfang März können dann die ersten Zwangsabfindungen vollzogen werden", erklärt Hans-Ulrich Wilsing, Partner der Anwaltskanzlei Linklaters Oppenhoff & Rädler, gegenüber dem Handelsblatt.

Zu den ersten Kandidaten, die von dem neuen Gesetz Gebrauch machen werden, gehört nach Recherchen der Wirtschaftszeitung voraussichtlich die Systematics AG, mehrheitlich im Besitz des US-IT-Dienstleisters EDS. Auch die irische Waterford-Wedgwood-Gruppe will den deutschen Porzellan-Hersteller Rosenthal komplett übernehmen. Ganz ähnlich sieht es beim Kugellager-Spezialisten FAG Kugelfischer aus, der seit einigen Wochen zum Familienunternehmen INA gehört.

Voraussetzung sind mind. 95% der Anteile

Die "Squeeze-out-Regel" ("Ausquetschen") ist Teil des Übernahmegesetzes, das den Bundesrat im November vergangenen Jahres passiert hat. Es sieht vor, dass Gesellschafter, die mindestens 95 % der Anteile eines Unternehmens besitzen, die restlichen Kleinaktionäre per Zwangsabfindung aus dem Unternehmen drängen können.

Ob Linklaters Oppenhoff & Rädler, Baker & McKenzie oder Clifford Chance Pünder - nahezu alle großen Wirtschaftskanzleien bereiten bereits für mehrere Mandanten Squeeze- out-Maßnahmen vor. "Vor allem internationale Konzerne mit einer Mehrheit an einer deutschen AG werden die neue Regel rasch nutzen", glaubt Wilsing von Linklaters Oppenhoff & Rädler. Viele Verfahren zur Bewertung der Abfindung liefen bereits.

Die Liste der Kandidaten ist lang. Die Deutsche Bank hat in einer Studie 42 Firmen gefunden, die zu mindestens 95 % von einem Großaktionär dominiert werden. So hat der Handelskonzern Metro mit Massa, Horten, Praktiker und Kaufhalle gleich vier noch an der Börse notierte Töchter mit marginalem Streubesitz. Daneben schmücken Namen wie Aachener und Münchener Leben (Großaktionär Generali), Schmalbach Lubeca (Allianz) oder die Deutsche ABB (ABB) die Liste.

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