Vor allem kleinen Firmen fehlt Kapital für längere Durststrecken
Reichlich Futter für den Pleitegeier

Die Insolvenzwelle wird mit über 40 000 Pleiten in diesem Jahr eine Rekordmarke erreichen. Zu den Hauptursachen zählen Eigenkapitalmangel, Managementdefizite sowie eine weiter sinkende Zahlungsmoral.

HB DÜSSELDORF. Das Label "Öko" ist vielleicht eine Weltanschauung, aber allein kein Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Dies wurde auch den Initiatoren der "Ökoland Aktiengesellschaft" klar - allerdings zu spät. Der Vorstand des in Düsseldorf ansässigen Unternehmens musste Ende April den Gang zum Insolvenzgericht antreten. Der Vertrieb von Naturkostprodukten in Bio-Fachmärkten führte vier Jahre nach der Gründung in die Illiquidität. Insolvenzverwalter Winfried Andres betreut das Insolvenzverfahren, nimmt Forderungen der Gläubiger entgegen und ermittelt die noch zu erwartende Abwicklungsmasse.

Dazu kommt es allerdings nur noch in den seltensten Fällen, denn meistens gibt es nichts mehr zu verteilen. Immer mehr Konkurse müssen mangels Masse eingestellt werden, berichtet die Düsseldorfer Auskunftei Creditreform. Dass es insbesondere dem Mittelstand ausgesprochen schlecht geht, zeigt eine Umfrage der Organisation. So berichteten 53,8 % der befragten Betriebe von gesunkenen Erträgen. Höhere Gewinne konnten nur 14,8 % vorweisen. Für Creditreform-Chef Helmut Rödl ist ein Siberstreif am dunklen Horizont längst noch nicht in Sicht. "Die Ertragslage bleibt desolat". Dadurch wächst die Konkursanfälligkeit drastisch, denn sinkende Gewinne schwächen die Selbstfinanzierungskraft, die Reserven schrumpfen. Mit einer Eigenkapitalquote, die einer Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zu Folge im Schnitt gerade einmal 7 % beträgt, sind Mittelständler für die Wechselfälle des Geschäftslebens ausgesprochen schlecht gerüstet.

Besonders bei Familienunternehmen klammern sich die Besitzer bis zuletzt an den letzten Strohhalm, anstatt rechtzeitig Alarm zu schlagen, weiß Peter Kranzusch vom Institut für Mittelstandsforschung. Da kann es auch ehemals gut situierte Handwerksbetriebe erwischen, wie die Bego GmbH. Der Düsseldorfer Malermeisterbetrieb musste nach dem Ausscheiden eines Mitgesellschafters, der aus dem Fach kam, dessen Arbeitskraft teuer ersetzen. Jetzt ist die Firma pleite. Eine vorausschauende Planung hätte dies möglicherweise verhindern können.

Management-Defizite bei kleineren Gesellschaften

Management-Defizite sind bei kleineren Gesellschaften häufiger zu beobachten als bei Großunternehmen, berichtet Mittelstandsexperte Kranzusch. "Gerade Mini-Betriebe verfügen in Sachen Kontrolle und Risiko-Früherkennung kaum über Konzepte." Dies liege auch an der nur beschränkten Pflicht zur Buchführung. In der Regel würden externe Dienstleister wie der Steuerberater dies erledigen. Zur Auswertung und Interpretation der Zahlen fehlten den meisten Inhabern die Fachkenntnisse.

Sind die Eigenmittel erst einmal verbraucht, drohen bald auch die Quellen für fremdes Geld zu versiegen. Ohnehin wird die Aufnahme von Fremdkapital - bei Mittelständlern stellt dies in der Regel die Hausbank - demnächst schwieriger. Die geplanten strengeren Regelungen durch "Basel II" lassen die Institute bereits jetzt restriktiver bei der Kreditvergabe agieren. Notleidende Unternehmen werden durch höhere Zinszahlungen zusätzlich belastet oder bekommen erst gar keinen Kredit.

Sinkende Zahlungsmoral

Auch zunehmend schleppende Zahlungen von Kunden führen immer öfter in die Pleite. Nach Auffassung des Bundesverbandes Deutscher Inkasso e.V. -Unternehmen (BDIU) ist dies inzwischen zu einem gewichtigen Ursachenfaktor für Insolvenzen geworden. "Seit Jahren beobachten wir in Deutschland eine kontinuierlich sinkende Zahlungsmoral", berichtet BDIU-Präsident Ulf Giebel. Die Gründe seien neben Überschuldung und Arbeitslosigkeit in zunehmendem Maße das vorsätzliche Nichtbezahlen von fälligen Rechnungen.

Die größte Pleitewelle , die die Bundesrepublik je erlebt hat, hinterlässt derweil ihre Spuren: Rund 134 000 Arbeitsplätze wurden bereits vernichtet, allein in ersten sechs Monaten dieses Jahres mussten 18 500 Unternehmen Insolvenz anmelden, berichtet das Statistische Bundesamt. Über 40 000 Pleiten werden es Ende des Jahres sein.

Quelle: Handelsblatt

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