Vor allem politische Diskussionen locken Besucher auf die Frankfurter Buchmesse
Die Brücken des Islam

Bunte, kräftige Farben tauchen das Arabische Zelt auf der Frankfurter Buchmesse in ein freundliches Licht. Künstler aus der Region stellen ihre Werke dort vor und vermitteln ein optimistisches Bild aus einer Region, die in den vergangenen Jahren sehr häufig mit düsteren Nachrichten in Verbindung gebracht wurde.

HB FRANKFURT.Das Bemühen ist klar erkennbar: Die Länder der Arabischen Liga, die in Frankfurt vertreten sind, wollen die Messe als diplomatische Brücke zum Westen nutzen. Literaturnobelpreisträger Nagib Machfus fand dafür eindringliche Worte: "Musste es tatsächlich erst zu dieser bedauerlichen Konfrontation des Okzidents mit dem arabisch-islamischen Orient kommen, damit wir uns bewusst werden, wie wichtig es ist, unsere Beziehungen zu pflegen?"

Die Rede des alten Mannes, bei der Eröffnungsfeier vorgetragen von seinem Freund Mohamad Salmawy, fand viel Beifall. Das Messepublikum nimmt sehr aufmerksam die politischen Veranstaltungen auf dem Messegelände wahr. Wann immer diskutiert und informiert wird, sind die Räume gut gefüllt. Beim Rahmenprogramm dagegen halten sich die Besucher zurück. Die Stände der meisten arabischen Verlage sprechen nicht die Massen an. Auch die Lesungen arabischer Autoren sind dünn besucht.

In Frankfurt findet Gedankenaustausch sein Publikum. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" nutzt das Forum für den Hinweis, dass die arabischen Staaten die Pressefreiheit immer stärker einschränkten.

Ein Höhepunkt war eine Diskussionsveranstaltung mit dem Schweizer Theologen Hans Küng und dem ägyptischen Rechtswissenschaftler Ahmad Kamal Abu-?l-Magd. Die beiden Professoren, die sich seit Jahren kennen und ein freundschaftliches Verhältnis zueinander pflegen, sprachen über den "Islam und die Herausforderungen unserer Zeit". Besonderer Reiz der Veranstaltung: Küng hat pünktlich zur Buchmesse ein fast 1 000-seitiges Monumentalwerk über den Islam veröffentlicht.

"Wir leben in einer Phase der Hysterie", sagte Küng, der dabei vor allem die USA im Blick hatte. "Amerikas Demokratie ist stark genug, um wieder zur Vernunft zu kommen. Ich hoffe, schon bei der nächsten Wahl." Ohne einen Dialog mit dem Islam werde es keinen dauerhaften Weltfrieden geben.

Sein ägyptischer Kollege warnte vor kriegerischen Auseinandersetzungen - auch innerhalb Arabiens: "Wir haben keine Zeit zu verlieren, damit es nicht zu einem Bürgerkrieg in der arabisch-islamischen Welt kommt."

Am Ende dieser Buchmesse werden den Besuchern wohl vor allem die politischen Botschaften im Gedächtnis haften bleiben - weniger die bunten Bilder aus dem Arabischen Zelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%