Vor allem US-Fondsmanager ziehen in Krisenzeiten Geld aus dem Ausland ab
Investoren bevorzugen heimischen Markt

Home Bias nennen Kapitalmarktexperten den Effekt, dass Investoren gerne im eigenen Land Geld anlegen. Vor dem Irak-Krieg schichteten gerade US-Investoren gewaltig um. Sie haben inzwischen mehr Geld in US-Aktien angelegt als nach den Anschlägen vom September 2001. Ein Ende dieser Entwicklung scheint aber in Sicht.

FRANKFURT/M. Die Zahlen sind eindeutig: Hatten US-Investoren im Januar noch 50,3 % ihres Aktienportfolios in US-Werten angelegt, so waren es im Februar bereits 55,8 %. Der Trend zur Anlage im eigenen Land erreichte damit einen neue Dimension, lag doch der Schnitt von Inlandsanlagen in den letzten beiden Jahren bei 46,7 %. Selbst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 stieg er lediglich auf 50 %. Home Bias nennen Kapitalmarktexperten diesen Effekt, dass Investoren ihr Geld am liebsten im eigenen Land und damit im vermeintlich sicheren Hafen anlegen. Dies ist bereits in Friedenszeiten spürbar, in Krisenzeiten verstärkt sich der Effekt umso mehr.

Müssen die Aktienmärkte nach dem Ausbruch des Irak-Kriegs deshalb mit weiteren Verschiebungen in institutionellen Portfolios in Richtung US-Aktien rechnen, wie sie bereits seit den Anschlägen vom September 2001 zu erkennen sind? "Die Investoren haben sich vorher bereits positioniert und warten nun erstmal ab", sagt Hendrik Garz von West LB Panmure. Der Home-Bias-Effekt könnte sich seiner Ansicht nach in den nächsten Tagen und Wochen höchstens verstärken, wenn es zu Anschlägen in der westlichen Welt käme, oder wenn der Krieg länger dauern würde als erwartet. Erst dann erscheint es möglich, dass US-Investoren, die traditionell besonders gerne im eigenen Land anlegen, noch einmal in Richtung Heimat aufstocken. Generell gilt jedoch weiterhin, dass der Trend der letzten anderthalb Jahre bei Investoren aus USA, Europa und Japan hin zu US-Aktien und weg von kontinentaleuropäischen Werten geht. Strategen interpretieren dies so, dass den US-Aktienmärkten der Status als sicherer Hafen zugebilligt wird.

Einen nachhaltigen Schaden für den Aktienmarkt in Deutschland oder im Euroraum sehen sie aber noch nicht. "Das ist im Moment bestenfalls ein kurzfristiger Effekt", sagt Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Generell werden Fondsmanager auch in Zukunft dort investieren, wo sie die beste Performance erzielen können. Für den deutschen Aktienmarkt ist ihm deshalb auch bei einem anhaltenden Krieg in den kommenden Wochen nicht bange. "Die US-Investoren spielen hier zu Lande nicht die Rolle, die ihnen gerne zugebilligt wird", sagt auch Hendrik Garz. Eine größere Gefahr besteht umgekehrt für die USS-Börse, wenn es zu einem exzessiven weltweiten Home Bias kommt, und zwar wegen des hohen Leistungsbilanzdefizits, sind sich die meisten Strategen sicher. Dass sich Investoren aus Deutschland oder dem Euroraum wegen des Irak-Kriegs hingegen in eigene Gefilde zurückziehen, erscheint ihnen unwahrscheinlich.

Die teilweise angespannten politischen Beziehungen in den letzten Monaten zwischen Deutschland und den USA betrachten die Strategen indes nicht als Indiz für den Rückzug der US-Investoren. Im Gegenteil: Diese haben im Februar sogar ihren Anteil an deutschen Aktien erhöht, die Quote an Papieren des treuen Bündnispartners Großbritannien hingegen verringert. "Es kann sich kein US-Kollege leisten, in Europa nur noch auf Großbritannien, Spanien und Italien zu setzen, und Deutschland und Frankreich einfach außen vor zu lassen", heißt es von einer großen deutschen Fondsgesellschaft. Eine Daimler-Aktie sei nun einmal international angesehener als Fiat-Papiere. Nur bei Bauwerten sei die Präferierung einiger Länder möglich.

Schon jetzt befassen sich Strategen indes damit, ob sich die Verhältnisse in Anlageverhalten zwischen den USA und Euroland nach dem Irak-Krieg wieder verschieben werden. Dann nämlich werden sich institutionelle Investoren wieder verstärkt innenpolitischen und konjunkturellen Problemen zuwenden, die derzeit nur eine Nebenrolle spielen. Deswegen kommt es für die einzelnen Volkswirtschaften im Moment darauf an, trotz des Irak-Kriegs weiter an der Lösung ihrer Hausaufgaben zu arbeiten. "Die fundamentalen Probleme sind in den USA und in Deutschland im Moment gleich groß", sagt Garz. Wer von beiden anschließend besser aufgestellt sein wird, dazu will sich unter Strategen aber niemand festlegen.

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