Vor Beginn der Playoffs schließt die DEL zwei Klubs aus
Wenn Gesellschafter mit Bodychecks arbeiten

Gelassenheit ist in diesen Tagen in der Stadt Köln eine eher seltene Tugend - Klüngel und Korruption grummeln in den Mägen der Domstädter. Abseits davon behält Gernot Tripcke die Ruhe: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer der beiden klagt", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga DEL.

HB DÜSSELDORF. Kurz vor den Playoffs muss sich das deutsche Eishockey wieder einmal mit den Feinheiten des Rechts plagen. "Die beiden" sind die Berlin Capitals und die Moskitos Essen, beide wurden nach dem Ende der Normalrunde von der DEL ausgeschlossen. Das hat zwar nichts mit Kölschem Klüngel zu tun, ist aber nicht weniger kompliziert - und könnte womöglich der Modellfall sein für andere Sportarten.

Denn die DEL war die erste Liga, die sich als GmbH vom Verband abnabelte. Ähnliche Modelle existieren heute auch im Basketball und mit der Deutschen Fußball-Liga DFL auch in der Deutschen liebsten Sportart. "Im Fußball ist die DFL aber das Geschäftsführungsorgan des Ligaverbandes, in dem die Vereine Mitglied sind", beschreibt Peter Heermann, Professor für Sportrecht an der Uni Bayreuth, die Unterschiede zum Eishockey. Dort sind die Teams, allesamt GmbHs, direkt Anteilseigner der DEL GmbH.

Mit dieser Konstellation sind die Liga-Gesellschaften keine normalen Unternehmen. Das weiß auch DEL-Chef Tripcke, der zu dem Schluss kommt: "Die Gesellschafter stehen im sportlichen Wettstreit gegeneinander. Das ist eine zwiespältige Situation."

Und was, wenn die Liga-GmbH Gesellschafter aus wirtschaftlichen Gründen ausschließen will? Dann drohen die mit den Gerichten, wie nun die Moskitos und die Capitals. Gegen die Essener wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet, angeblich fehlt ihnen eine halbe Million Euro. Sportlich hätten sie mit Platz 14 den Klassenerhalt aber geschafft, doch ist in den DEL-Verträgen ein Ligaausschluss bei Insolvenz enthalten. Ihre Chance: Die Verträge wurden nach altem Insolvenzrecht entworfen. "Das neue sieht aber vor, dass insolvente Unternehmen am Leben gehalten werden sollen", erklärt Sportrechtler Heermann. Ein Ligaausschluss würde dem zuwider laufen.

In Berlin gibt es zwar noch kein Insolvenzverfahren, aber "Hauptgesellschafter Egon Banghard hat seine Patronatserklärung in sechsstelliger Euro-Höhe trotz mehrfacher Aufforderung nicht erfüllt", bestätigt DEL-Chef Tripcke. Die Capitals prüfen, ob sie klagen. Auch sportlich könnten sie aus der Liga fallen: Als Vorletzter spielen sie gegen Schwenningen den Absteiger aus der DEL aus. Somit könnte die Liga kommendes Jahr auch mit nur noch 15 Klubs spielen, sagt Tripcke. Für die Aufnahme von Ingolstadt, Aufstiegskandidat Nummer eins, "sehe ich durchaus eine Chance".

Sollten die Ausgeschlossenen klagen, würde der Prozess auch von anderen Sportarten beobachtet. Denn immer klarer wird, dass "die gesamten rechtlichen Auswirkungen solcher Konstruktionen nicht abgesehen wurden", befindet Sportrechtler Heermann. "Vor allem Haftungsfragen hat man vernachlässigt."

Bei der DEL gibt man sich zuversichtlich, einen Rechtsstreit zu gewinnen. Tripcke: "Wir glauben, materiell und formell alles Nötige getan zu haben. Bis kein gegenteiliges Urteil kommt, sind die beiden nicht in der Liga mit dabei." Und fast klingt es, als wünsche sich der gelernte Rechtsanwalt den Gang vors Gericht: "Dann wäre dieses Problem ein für alle mal geklärt."

Kölschen Klüngel kann man ihm dabei gewiss nicht vorwerfen - Tripcke ist Düsseldorfer.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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