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Vor Brasilien-Hit: Neue Testerwerte von Ballack und Co.

Mit ungewohnten Fitness-Tests, einer neuen Sympathie-Offensive und mit der Hilfe von erfahrenen Olympia-Kämpfern ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in die Vorbereitung auf den Länderspiel-Schlager gegen Brasilien gestartet.

dpa BERLIN. Mit ungewohnten Fitness-Tests, einer neuen Sympathie-Offensive und mit der Hilfe von erfahrenen Olympia-Kämpfern ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in die Vorbereitung auf den Länderspiel-Schlager gegen Brasilien gestartet.

Schon am frühen Morgen bat Bundestrainer Jürgen Klinsmann seine 20 auserwählten Spieler im Amateur-Stadion von Hertha BSC zu einem 90-minütigen Programm mit Sprint- und Sprungkraftübungen sowie Beweglichkeits- und Geschicklichkeitstests.

"Für uns sind das zusätzliche Informationen, woran die Spieler arbeiten müssen", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff nach den schon im Vorfeld viel diskutierten Testreihen, die zum Teil von amerikanischen Spezialisten des Trainingszentrums Athletes Performance geleitet wurden. "Wir werden herausziehen, was nützlich für uns ist", meinte Klinsmann.

Auch beim Abendtraining demonstrierten die US-Fitness-Spezialisten eine besondere Form der Erwärmung. Dabei fehlte allerdings Ex-Kapitän Oliver Kahn, der an Halswirbelproblemen laboriert. Der Münchner Torhüter absolvierte nur ein leichtes Lauftraining, sein Einsatz gegen Brasilien soll nach Auskunft der medizinischen Abteilung des DFB allerdings nicht gefährdet sein.

Vier Tage vor der WM-Final-Revanche eröffnete Bierhoff zudem den Kampf um höhere Sympathiewerte für die DFB-Auswahl, die nicht zuletzt durch die schwachen Auftritte und die Abschottung bei der Europameisterschaft in Portugal in den Keller gerutscht sind. Der ehemalige Kapitän möchte nicht nur eine neue "Offenheit" bei den Nationalspielern erreichen, sondern zugleich das Bewusstsein stärken, dass sie als Vertreter ihres Landes auch "gewisse Verpflichtungen" haben.

Dass dies eine langfristige Aufgabe ist, verdeutlichten schon die ersten Stunden in Berlin: Das Mannschaftshotel am Potsdamer Platz wurde für Fußball-Anhänger abgeriegelt. Nur eine von sechs Trainingseinheiten ist für Fans geöffnet. Die Olympioniken Robert Bartko, Patrick Weissinger und Tibor Weißenborn hatte die sportliche Leitung zu einem gemeinsamen Essen im Hyatt-Hotel im Herzen der Hauptstadt eingeladen. "Ich hoffe auf die eine oder andere Initialzündung für unsere Spieler. Dass sie erkennen, diese Athleten sind keine Amateure und leisten unter anderen Bedingungen in ihren Sportarten enorm viel", erklärte Bierhoff.

Schon beim ersten "echten" Training am Nachmittag waren der zweifache Bahnradsport-Olympiasieger von Sydney Bartko (Potsdam), der Wasserball-Nationalspieler Weissinger (über 200 Länderspiele) und der Hockey-Weltmeister Weißenborn (beide Berlin) dabei. Zuvor hatten die DFB-Spieler in drei Gruppen an vier Stationen Fitnesstests absolviert. Die "klassischen" Teile Sprint und Sprungkraft wurden von DFB-Internist Tim Meyer geleitet. Die anderen Tests (Flexibilität, Stabilität, Geschicklichkeit) deckten die von Klinsmann engagierten Experten mit Chef Mark Verstegen ab.

"Das ist ein Feld, das wir nicht beackern", erklärte DFB-Arzt Meyer zu den Tests der Amerikaner. Inwieweit die Ergebnisse, die nach Video-Auswertungen teilweise erst einige Zeit später vorliegen, Konsequenzen für das Training der Nationalspieler haben könnte, wollte der Spezialist vom sportmedizinischen Institut der Universität Saarbrücken noch nicht sagen. "Das werden wir nach der Auswertung sehen", meinte Meyer, der aber nicht mit größerem Einfluss der neuen Tests etwa auf Abläufe oder Training in der Bundesliga rechnet. "Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Das waren neue Tests, da muss man ja nicht gleich alles revolutionieren."

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