Vor dem Großen Preis von San Marino diskutieren die Teams wieder die Regeln
Neustarts im Visier

Michael Schumacher fährt beim wohl letzten Rennen in Imola noch einmal im alten Modell. Er hofft, dass nun sein "Pech aufgebraucht" ist. Die Regel-Diskussionen gehen indes weiter.

IMOLA. Passione e potenza, die Kraft und die Leidenschaft, sind das, was den Großen Preis von San Marino am Leben erhält. Der Auftritt der Formel 1 am Wochenende im Autodromo Enzo e Dino Ferrari, vom großen Meister einst selbst als zweites Gastspiel auf heiligem italienischen Renn-Boden installiert, könnte der letzte in Imola sein. Die Infrastruktur lässt dem Veranstalter (k)eine Alternative: Abbruch der Boxengebäude samt Neuaufbau oder Abbruch der Beziehungen zum Grand-Prix-Zirkus.

Überhaupt soll der Europa-Start der Formel 1 an Ostern vieles anders machen. Die Neu-Start-Taste wird nach dem jüngsten Chaos-Rennen in Brasilien und der reichlich verspäteten Sieger-Korrektur gesucht - von den Teams, den Funktionären und den Herstellern.

Neu-Start (I): Michael Schumacher ist der Frust in keinem Gesichtswinkel anzumerken, er lächelt über drei Pannen in Folge hinweg, als wäre ihm so etwas schon häufiger passiert. Die einzige Sicherheit, die dem momentan auf Rang acht der Fahrer-WM geparkten Titelverteidiger bleibt, ist die Selbstsicherheit. In Interlagos zickte das Weltmeisterauto nicht nur im Aquaplaning, auch Datenübertragung und Kraftstoffregelung waren unzuverlässig. Trotzdem muss die "Göttin" des Vorjahres noch mal ran, denn der emotionsbeladen nach Gianni Agnelli benannte Neuwagen F 2003 GA kam bei den Tests der Vorwoche nicht richtig in die Gänge. Die Heim-Premiere soll zur Abschiedsvorstellung für den verdienten Gebrauchtwagen werden. Mit Würde, so ist es zumindest geplant.

Denn wenn Kimi Räikkönen, der Beinahe-Sieger von Brasilien, in drei Rennen 16 WM-Punkte Vorsprung herausfahren kann, warum soll sein offizieller Jäger Nummer eins das nicht in 13 Rennen aufholen können. "Es ist sinnlos, etwas zu riskieren", sagt Schumacher. Er meint das Auto, und wohl auch ein Stück weit die Taktik: "Ich wüsste nicht, warum wir nicht aus dem kleinen Tal herauskommen sollten. Vielleicht ist die Zeit der Missgeschicke jetzt vorüber und das Pech aufgebraucht."

Neu-Start (II): In wieweit die komplett veränderte WM-Rangfolge ein Resultat des neuen Qualifikations-Systems ist, bleibt umstritten. Wenn der Zufall das Prinzip sein soll, dann hat sich die Reform des Automobilweltverbandes Fia bewährt. Dennoch debattieren die Teamchefs an Gründonnerstag in Imola über Nachbesserungen, vor allem was die Reglementierung der Regenreifen angeht, die sich in Brasilien als gemeingefährlich erwies.

Fia-Präsident Max Mosley wird ungeachtet der Kritik, die Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone an dem für ihn langweilig wirkenden Einzelzeitfahren hegt, sein ohnehin durch die Realitäten stark beschnittenes Reformwerk nicht kampflos in die Änderungsschneiderei geben wollen. Doch auf Grund der neuen Abläufe - durch das Nachtankverbot ist nicht zwingend derjenige, der auf der Pole-Position steht, auch wirklich der Trainingsschnellste - hält nicht nur BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen die Zuschauer inzwischen für "schlichtweg überfordert". Jetzt gilt es Kompromisse zu finden. Der Machtkampf zwischen Verband, Promoter, Teams und Herstellern spitzt sich zu.

Neu-Start (III): Die Automobilkonzerne DaimlerChrysler, BMW, Fiat, Renault und Ford forcieren - zumindest auf dem Briefpapier - ihre Bestrebungen nach einer Gegenbewegung zum bis Ende 2007 vertraglich fixierten Exklusivanspruch der Formel 1. Ihre GPWC (Grand Prix World Championship) getaufte Vereinigung hat in München alle zehn Teamchefs im Flughafenhotel an einen Tisch gebracht und dort die Unterschriften für ein Memorandum eingesammelt, dass sich für eine langfristige Stabilität für den Top-Motorsport, eine beträchtlich höhere Beteiligung der Rennställe an den Einnahmen und eine größere Transparenz der Abläufe ausspricht. Der Schlüssel für die Einigkeit ist der Verteilerschlüssel der Marketing- und Fernseheinnahmen der Formel 1. Je nach Schätzung sollen den Teams derzeit nur zwischen 25 und 50 Prozent aus dem Ecclestone-Topf erhalten. In jedem Fall erhöht es den Druck auf Mosley und Ecclestone, was auch der tiefere Sinn der Aktion sein dürfte. Denn an einer wirklichen Spaltung hat niemand Interesse. Die Formel 1 an Ostern 2003: Ein Neu-Start, der allenthalben erklärungsbedürftig erscheint.

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