Vor dem Rennen in Silverstone
Hill spekuliert über Schumachers Karriere

Vor Michael Schumachers Rückkehr nach Silverstone spielte Ex-Weltmeister Damon Hill Prophet und sagte das baldige Karriere-Ende des Ferrari-Stars voraus.

dpa SILVERSTONE. "Ich habe sein Verhalten studiert, habe mir genau angesehen, wie er sich verhält. Und ich denke, dass Michael am Ende der Saison zurücktreten wird. Seine Körpersprache verrät es mir", fachsimpelte der Brite am Donnerstag im Boulevardblatt "Sun". Schumachers Ex-Rivale, nun Studio-Experte beim TV-Sender Sky, schob den Grund für seine ziemlich exklusive Beobachtung gleich hinterher: "Ich bin sicher, dass er nicht weiter sein Leben riskieren will."

Immer in Silverstone wird Schumacher nachhaltig an die Gefahren des Rennsports erinnert. Drei Jahre nach seinem schweren Unfall, als der Kerpener ungebremst in die Mauer raste, verdrängt der vierfache Weltmeister die trüben Gedanken ("Das vergisst man nie ganz") an das Unglück. Schumacher brach sich zwar das Bein und verlor den WM-Titel, aber er blieb am Leben. "Wenn ich im Auto sitze, sind die Erinnerungen weg", zeigt sich der souveräne WM-Spitzenreiter vor dem Großen Preis von Großbritannien am Sonntag furchtlos.

Mit einem komfortablen 46-Punkte-Vorsprung vor Bruder Ralf im Williams-BMW, dem "schärfsten" Verfolger, ist Schumacher zur weiteren Rekordjagd auf die Insel gekommen. Mit seinem 60. Grand-Prix-Sieg könnte der 33-Jährige die Fahrer-Weltmeisterschaft schon fast endgültig für sich entscheiden. Mit einer weiteren Platzierung unter den ersten Drei - seiner 107. im 170. Formel-1-Rennen - hätte "Schumi" zudem den "Podest-Rekord" des Franzosen Alain Prost geknackt.

Ausgerechnet diese einmalige Bilanz der Superlative ist für Hill ein weiteres Indiz des nahende Karriereende. "Es ist besser jetzt aufzuhören, wo er an der absoluten Spitze ist, als morgen, wenn sowohl er als auch Ferrari nicht mehr auf diesem hohen Niveau sein werden." Hill selbst führte nach seinem WM-Titel im Jahre 1996 im Williams-Renault im Arrows und Jordan ein Schattendasein im PS- Zirkus. Schumacher dagegen rast in dieser Saison so stark wie noch nie über die Piste. Sechs Siege nach neun Saison-Rennen sprechen eine mehr als deutliche Sprache.

In seinem zwölften Jahr in der Königsklasse jagt der zweifache Familienvater ungebremst auf einen neuen Rekord zu und könnte mit dem schon beim Großen Preis von Frankreich möglichen Titelgewinn als schnellster Weltmeister aller Zeiten in die Motorsport-Geschichte eingehen. "Irgendwann kommt im Leben eines Fahrers die Zeit, in der man sich Gedanken macht. Und ich fühle, bei Michael ist es nun soweit", ahnt Hill jedoch. Der Brite lieferte sich bis zu seinem Rücktritt 1999 mit Schumacher auf und abseits der Piste harte Gefechte.

Auch Schumachers immer stärker werdender Teamkollege Rubens Barrichello spielt nach den Beobachtungen des Ex-Rivalen eine Rolle in Schumachers Überlegungen. "Michael war immer schneller als seine Teamkollegen. Aber nun wird Barrichello immer konkurrenzfähiger und könnte Ende der Saison schneller sein." Der Brasilianer gewann das letzte Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring - vor Schumacher. Der Kerpener steht noch bis 2004 bei Ferrari unter Vertrag - und hat stets betont, dass ihm das Rennfahren nach wie vor großen Spaß macht.

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