Vor dem Testspiel gegen Argentinien
Völler in Not: Sturm-Misere spitzt sich zu

Die neuen WM-Kleider passen wie angegossen, doch auch bei der ultimativen Nagelprobe für die Weltmeisterschaft muss Teamchef Rudi Völler mit dem zweiten Anzug auskommen. Mindestens acht Anwärter auf einen Platz im WM-Aufgebot stehen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim Härtetest gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD live) nicht zur Verfügung.

dpa LUDWIGSBURG. Und ein Ende der Absagewelle war am Montag noch nicht erreicht, denn auch bei Christian Ziege glimmte nach Aussage von Völler "nur noch ein Fünkchen Hoffnung" auf ein Mitwirken im ausverkauften Gottlieb-Daimler-Stadion.

"Immerhin ist es nicht ganz so dramatisch wie beim letzten Mal", befand Völler mit dem Hinweis auf das Zusammentreffen vor drei Wochen in Rostock, als nach 15 Ausfällen die verbliebene Notelf den WM- Mitkonkurrenten USA beim 4:2 beherrscht hatte. Bis 48 Stunden vor dem Spiel musste Völler diesmal "nur" die Dortmunder Jörg Heinrich und Christian Wörns sowie die Stürmer Oliver Neuville und Marco Bode aus seinem noch ursprünglich 23-köpfigen Aufgebot streichen.

Zudem fehlten die langzeitverletzten Mehmet Scholl, Sebastian Deisler, Gerald Asamoah und Marko Rehmer, als der Schneidermeister am Montag mit der WM-Kollektion im Ludwigsburger Trainingsquartier Einzug hielt. Ein jeder durfte schon mal die von einer Metzinger Nobelmarke (Boss) entworfenen Anzüge in dunkelblau und sandbraun anprobieren, und Völler stellte zufrieden fest: "Wir sehen gut aus."

Test für Wackelkandidaten

Ehe der Teamchef am 6. Mai die 23 Namen bekannt gebengeben will, die tatsächlich im WM-Outfit nach Japan fliegen dürfen, bietet sich am Mittwoch für die Wackelkandidaten die letzte Bewährungschance im Nationaltrikot. "Das Spiel ist eine echte Standortbestimmung, egal wer auflaufen wird", sagte Völler, überzeugt davon, dass sein Personal wie in den vergangenen beiden Testspielen gegen die USA und gegen Israel (7:1) den personellen Problemen mit moralischer Stärke begegnen wird. "Ich bin sicher, dass wir das Beste daraus machen. Wir werden zwar nicht so viele Tore schießen, aber genau so engagiert auftreten wie zuletzt", versprach der Teamchef und gab als Motto aus: "Über Kampf und Laufbereitschaft können wir jeden Gegner schlagen."

Als Favorit aber wollte Völler sein Team gegen den Weltranglisten- Zweiten, der ebenfalls Leistungsträger wie Torjäger Gabriel Batistuta und Mittelfeld-Star Juan Veron ersetzen muss, auf keinen Fall bezeichnen. Für den Leverkusener Michael Ballack wäre ein Sieg sogar eine "Überraschung", er warnte sogar vor falschen Erwartungen: "Argentinien ist ein ganz anderes Kaliber als unsere letzten Gegner. Die haben Top-Einzelspieler."

Völler baut auf kollektive Zusammenarbeit

Dagegen baut Völler in seinen Reihen auf kollektive Zusammenarbeit. Über die Elf, die er ins Rennen schicken will, schwieg sich der seit Samstag 42-Jährige noch aus - auch, weil er sich in den beiden Trainingseinheiten einen Überblick über den Fitnesszustand machen wollte. Einer ging am Montag indes besonders motiviert zur Sache: Martin Max, seit Jahren treffsicherer Torjäger des TSV 1860 München und angesichts der deutschen Stürmernot im reifen Alter von 33 Jahren erstmals im DFB-Kreis dabei, hofft nach der späten Berufung auf eine schnelle Länderspiel-Karriere.

"Ich bin nicht hierhin gekommen, um nur ein bisschen mitzukicken, sondern um meine kleine Chance zu nutzen", verkündete der mit 16 Treffern derzeit erfolgreichste Bundesliga-Torschütze angriffslustig. Dabei könnte für den "Löwen" weniger die interne Konkurrenz - Carsten Jancker hat noch kein einziges Saisontor auf dem Konto - als vielmehr die knappe Zeit zum großen Problem werden. Doch der gebürtige Pole setzt darauf, dass er sich - ähnlich wie der diesmal verletzte Leverkusener Thomas Brdaric gegen die USA - wenigstens ein paar Minuten präsentieren darf: "Besser eine kurze als gar keine Nationalmannschafts-Karriere." DFB-Schneidermeister Winfried Abresch hat jedenfalls schon mal die Maße des Nachnominierten aufgenommen.

Voraussichtliche Aufstellung:

Kahn - Metzelder, Nowotny, Linke - Schneider, Ramelow, Hamann (Frings), Kehl (Böhme) - Ballack - Bierhoff, Klose

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%