Vor dem Treffen mit Gläubigerbanken
Kirch hält an Pro Sieben Sat.1 fest

Vor einem Treffen mit ihren Gläubigerbanken hat die hoch verschuldete Münchener Kirch-Gruppe betont, ihre Mehrheitsbeteiligung an dem profitablen Fernseh-Konzern ProSiebenSat.1 Media nicht verkaufen zu wollen.

Reuters MÜNCHEN. "Eine Veräußerung von Pro Sieben Sat.1 steht nicht zur Diskussion. Sie kann von niemandem ernsthaft verfolgt werden, der das Kerngeschäft von Kirch Media kennt und dieses erhalten will", sagte ein Kirch-Sprecher am Freitag in München und wies Spekulationen um ein Interesse von US-Medienkonzernen am Kauf von Pro Sieben Sat.1 von sich. Der als ein Interessent genannte AOL-Time-Warner-Chef Steve Case sagte in Berlin jedoch, dies sei nicht in seinem Blickfeld. "Es gibt Problemlösungen bei Kirch, die nicht das Engagement von AOL Time Warner erfordern." Die ProSieben-Aktie schnellte zeitweise um 15 % nach oben.

Kirchs Baustellen auf dem Prüfstand

Der Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt und Sanierungs-Spezialist Wolfgang van Betteray will Kirchs Gläubigerbanken am Montag bei einem Treffen nach Angaben aus Branchenkreisen Lösungsvorschläge für die Entschuldung des mit 6,5 Mrd. Euro in der Kreide stehenden Medienkonzerns vorlegen. "Wir stellen die einzelnen Baustellen auf den Prüfstand, ob sie noch in das Gesamtkonzept passen", sagte eine Vertreterin Kirchs in der Medienkommission der CSU nach Angaben des Kommissions-Vorsitzenden Markus Söder. "Die Stimmung war sehr positiv", berichtete Söder nach einer Sitzung.

Söder: Pleite von Kirch könnte ganz Deutschland schaden

Wie der scheidende ZDF-Intendant Dieter Stolte warnte der CSU-Politiker vor einem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe: "Eine Pleite von Kirch würde ganz Deutschland schaden, und sie würde (den Unions-Kanzlerkandidaten) Edmund Stoiber schmerzen", sagte er. Stolte sieht eine Gefahr für die deutsche Medienlandschaft, wenn die Kirch-Gruppe in die Hände des britisch-australischen Medienunternehmers Rupert Murdoch fallen sollte. "Ausländische Wettbewerber sind in ihrem bisherigen geschäftlichen Handeln so dominant und aggressiv aufgetreten, dass eine erhebliche Verschiebung der medialen Unternehmenskultur in Deutschland zu erwarten ist", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Am Dienstag wollen die Banken in den Vorstandssitzungen die Vorschläge van Betterays beraten. Dem Kirch-Management hatte der vor zwei Wochen eingesetzte Berater sie in der vergangenen Woche präsentiert. Ein komplettes Sanierungskonzept sei aber am Montag noch nicht zu erwarten, hieß es in den Kreisen. Die acht Banken suchen ihrerseits einen Vermittler, der sie in den Verhandlungen mit Kirch vertreten soll.

Lokalsender stehen zur Disposition

Im Zuge der Sanierung muss sich Kirch auf jeden Fall von Unternehmensteilen und Beteiligungen trennen. So stehen seine 25 % am spanischen Fernsehsender Telecinco und 40 % am Hamburger Axel Springer Verlag zum Verkauf. Die seit Jahren defizitären Lokalsender in Berlin, München und Hamburg sollen nach Angaben aus Kreisen geschlossen oder die Lizenzen verkauft werden. Das Kerngeschäft, zu dem der Rechtehandel, die Film- und Fernsehproduktion und die Fernsehsender gehören, will Kirch jedoch erhalten. Auch das Deutsche Sportfernsehen (DSF) stehe nicht zum Verkauf, hieß es.

In Branchenkreisen hatte es am Donnerstagabend geheißen, US-Fernsehkonzerne seien an einer Übernahme von Pro Sieben Sat.1 interessiert. Sie hätten die Senderkette bereits unter die Lupe genommen und einen Wert von 2,6 Mrd. bis 3,0 Mrd. Euro ermittelt. Die Prüfung sei aber noch in einem sehr frühen Stadium. Die in den Berichten genannten Walt Disney und Viacom wollten dazu nicht Stellung nehmen. AOL betreibt in den USA den Kabelsender HBO, Viacom gehören der Sender CBS und die Paramount Studios, Disney ist Eigentümer von ABC und hält in Deutschland Anteile am ProSieben-Konkurrenten RTL2.

Aktie auf Berg- und Talfahrt

Dennoch war am Freitag die Pro Sieben-Aktie vorübergehend um 15 % nach oben geschnellt. Danach erlebte sie eine Berg- und Talfahrt. Am Nachmittag notierte sie noch mit fünf Prozent im Plus bei 8,93 Euro. "Der Einstieg von Dritten macht einen Börsengang von Kirch über ProSiebenSat.1 praktisch unmöglich", begründete ein Händler die positive Reaktion. Die Verschmelzung von KirchMedia mit Pro Sieben war Ende Februar auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

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