Vor den Quartalsergebnissen
Analysten erwarten miserable HVB-Zahlen

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) hat weiter unter den schwachen Finanzmärkten gelitten und wird für das zweite Quartal nur dank eines Einmalgewinns aus dem Verkauf von Allianz-Aktien schwarze Zahlen schreiben.

Reuters DÜSSELDORF. Von Reuters befragte Analysten rechnen im Durchschnitt für das zweite Quartal mit einem Gewinn vor Steuern von 426 (Vorjahreszeitraum 229) Millionen Euro. Darin enthalten ist aber ein einmaliger steuerfreier Gewinn von rund 400 Millionen Euro aus der Anteilsreduzierung an der Allianz auf 4,6 von 6,2 Prozent.

Wie Reuters am Dienstag aus Finanzkreisen erfuhr, wird der operative Verlust - also ohne den Gewinn aus dem Allianz-Verkauf - im Quartal voraussichtlich rund 200 Millionen Euro betragen.

"Wie alle ihre Wettbewerber hat die HVB mit sinkenden Erträgen zu kämpfen. Das Umfeld wird sich in diesem Jahr wohl auch nicht mehr aufhellen", sagte Martin Peter von der WestLB Panmure. Peter prognostiziert dann auch nur ein Betriebsergebnis von 31 Millionen Euro im Quartal. Inklusive der steuerfreien rund 400 Millionen Euro aus dem Allianz-Verkauf werde der Vorsteuergewinn bei 357 Millionen Euro liegen.

"Die Zahlen werden miserabel aussehen. Wahrscheinlich wird die Bank auch ihre Prognose für die Risikovorsorge anheben", sagte Peter. Für 2003 gehen die Analysten der WestLB aber davon aus, dass sich der Gewinn im Zuge der allgemein erwarteten Markterholung wieder deutlich verbessern wird. Vor diesem Hintergrund bewertet die WestLB die HVB mit "Kaufen" und einem fairen Wert von 38 Euro.

Das Münchener Institut wird beim Betriebsergebnis nach Angaben aus Finanzkreisen wohl einen Quartalsverlust in dreistelliger Millionenhöhe verbuchen. "Operativ wird die Bank voraussichtlich einen Verlust vor Steuern von rund 200 Millionen Euro ausweisen", erfuhr Reuters aus den Kreisen. Darin nicht enthalten sei der steuerfreie Einmalgewinn aus dem Verkauf der Allianz-Aktien.

Im ersten Quartal hatte die Bank ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 433 Millionen Euro ausgewiesen. Im zweiten Quartal 2001 lag der Gewinn vor Steuern bei 229 Millionen Euro.

Angesichts der zahlreichen Insolvenzen werde die Bank außerdem ihre Risikovorsorge für das Gesamtjahr aufstocken, und zwar auf 2,5 Milliarden Euro von den bislang angepeilten gut 2,1 Milliarden Euro. Analysten haben eine höhere Riskovorsorge schon weitgehend in ihren Prognosen berücksichtigt. "Vor dem Hintergrund eines weiter schwachen konjunkturellen Umfelds und steigender Insolvenzen wird die HVB wahrscheinlich ihre Prognose für die Risikovorsorge des Gesamtjahres anpassen", sagte Matt Spick von der Deutschen Bank in London.

Die HVB leidet wie ihre Konkurrenten unter sinkenden Erträgen und kann auf kurze Frist deshalb nur über Kostensenkungen wieder profitabler werden. Im ersten Quartal blieb der Verwaltungsaufwand mit 1,925 Milliarden Euro nahezu konstant. Analysten bescheinigen der Bank eine erfolgreiche Strategie zur Kostensenkung. Nach Angaben aus Finanzkreisen liegt das Institut auch im zweiten Quartal in Sachen Kostensenkung weiter im Plan. Der Eigenhandel sei vergleichsweise positiv gelaufen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Handelsergebnis von 197 Millionen Euro nach 102 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Weitere Entlassungen stehen bei der Bank zumindest kurzfristig nicht an. Von den im vergangenen Jahr angekündigten 9100 Stellenstreichungen sind schon die Hälfte erreicht.

Ein Sprecher der Bank gab am Dienstag mit dem Hinweis auf den Veröffentlichungstermin keinen Kommentar zu dem erwarteten Verlust ab.

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