Vor den Warnstreiks
Harte Fronten zwischen IG Metall und Arbeitgebern

Vor den ersten Warnstreiks in der westdeutschen Metall- und Elektroindustrie haben sich die Fronten zwischen IG Metall und Arbeitgebern verhärtet. IG Metall-Vize Jürgen Peters verlangte am Donnerstag erneut ein besseres Angebot und drohte anderenfalls mit einer schärferen Gangart.

dpa FRANKFURT. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser verteidigte die angebotenen zwei Prozent als Obergrenze für viele Betriebe. Bei der letzten Verhandlungsrunde vor Ablauf der Friedenspflicht legten die Arbeitgeber in Niedersachsen kein neues Angebot vor. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ermahnte die Tarifparteien zu einer raschen Einigung am Verhandlungstisch.

Unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht um Mitternacht in der Nacht zum Karfreitag wollten Beschäftigte von Metall- und Elektrounternehmen auch in Westdeutschland kurzzeitig die Arbeit niederlegen, um ihrer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt Nachdruck zu geben. Warnstreiks soll es in mehreren Betrieben in Bayern und einem Betrieb in Rheinland-Pfalz geben. Nach Ostern werden die Aktionen fortgesetzt. In den neuen Bundesländern, wo es keine Friedenspflicht gibt, hatten schon am Montag Warnstreiks begonnen.

Von der zweiten April-Woche an plant die IG Metall flächendeckende Warnstreiks, falls es keine Bewegung im Tarifkonflikt gibt.

Gesamtmetall-Präsident Kannegiesser sagte am Donnerstag im Deutschlandradio Berlin, schon eine Drei vor dem Komma sei für die Metall- und Elektrobranche "äußerst gefährlich", da die Betriebe im Durchschnitt solche Löhne auf Dauer nicht zahlen könnten. Er sehe bei den Bezügen keinen Spielraum nach oben, es sei denn man verabschiede sich vom Flächentarifvertrag. Einzelne Betriebe verzeichneten zwar positive Entwicklungen und könnten übertarifliche Erhöhungen als Haustarif vereinbaren. Insgesamt sei die Produktion im Vorjahr aber drastisch zurückgegangen. Für dieses Jahr rechne er mit zwei bis drei Prozent Rückgang.

IG Metall-Vize Jürgen Peters sagte in Frankfurt, sollten die zwei Prozent wirklich die Obergrenze sein, "dann ist sicher vorprogrammiert, dass es eine harte Auseinandersetzung wird". "Warnstreiks sind eine Warnung, damit sich die Arbeitgeber nicht vergaloppieren in ihrer Sicht der Dinge." Die IG Metall wolle zwar einen Kompromiss am Verhandlungstisch. "Wenn jemand meint, die IG Metall mit einem Diktat überziehen zu können und dann sagt, das ist das Ende der Durchsage, dann muss er sich nicht wundern, wenn die IG Metall angemessen reagiert", betonte er jedoch.

Bundeskanzler Schröder forderte die Tarifparteien zu einer raschen Einigung am Verhandlungstisch auf. "Meine Hoffnung ist, dass man einen Abschluss ohne Streik hinbekommt", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". An die IG Metall appellierte Schröder, die Anfang der Woche in Ostdeutschland begonnenen Warnstreiks nicht ausufern zu lassen. Zugleich warnte er vor einem "Abschluss, der das Pflänzchen Aufschwung zertrampeln könnte".

Die IG Metall hat für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. Zudem will sie den Einstieg in einen Entgeltrahmentarifvertrag (ERA) durchsetzen, um die Bezüge von Angestellten und Arbeitern anzugleichen. Die Arbeitgeber bleiben bislang bei ihrem Angebot von jeweils zwei Prozent für die Jahre 2002 und 2003. Aus diesem Volumen soll auch der Einstieg in den Entgeltrahmentarifvertrag bezahlt werden.

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