Vor der Branchen-Krise in Europa weichen deutsche Firmen aus: Schwache Konjunktur bremst Bauaktien aus

Vor der Branchen-Krise in Europa weichen deutsche Firmen aus
Schwache Konjunktur bremst Bauaktien aus

Bauaktien gelten wegen der Baukrise nicht gerade als Geheimtipp für Anleger. Doch ihre niedrige Bewertung lockt. Das Problem dabei: Nur die Marktführer werden regelmäßig von Analysten beurteilt.

DÜSSELDORF. Bei Analysten haben Bauaktien nicht gerade Hochkonjunktur. Das liegt zum einen daran, dass man börsennotierte deutsche Baukonzerne an einer Hand abzählen kann. Zum anderen ist dafür die miese konjunkturelle Lage der Branche verantwortlich. Nur global aufgestellte Firmen werden daher überhaupt noch von einigen wenigen Analysten regelmäßig beobachtet. Die übrigen Bauwerte beäugen sie nur noch gelegentlich.

Zu den deutschen Top-Bauwerten zählt Branchenprimus Hochtief. Mit einem Auslandsanteil an der Bauleistung von knapp 85 % gilt der Essener Konzern gegen konjunkturelle Flauten in einzelnen Ländern der Welt als ziemlich gut isoliert. So verbesserte er im vergangenen Geschäftsjahr trotz der Baukrise sein Ergebnis. Dennoch wird die Hochtief-Aktie aber von den meisten Analysten nur vorsichtig bewertet. Die Deutsche Bank hat sie auf "Hold" gesetzt, denn einiges ist ungeklärt. Offiziell soll die Bautochter des Energiekonzerns RWE verkauft werden. Aber bisher fand sich kein Käufer und nach neuesten Börsengerüchten könnte der neue RWE-Chef Harry Roels auch an Hochtief festhalten.

Außerdem gibt es im Konzern noch einige Baustellen. Beispielsweise sind die Aufräumarbeiten auf dem deutschen Markt noch nicht abgeschlossen. Auch im Auslandsgeschäft ist in der Vergangenheit nicht alles rund gelaufen. Das belastet das Urteil der Analysten. Positiv dagegen wird der Aufbau des baunahen Dienstleistungsgeschäfts, wie zum Beispiel des Betriebs von Flughäfen, bewertet. Das Geschäft hat aber am Umsatz noch keinen großen Anteil.

Favorit der Analysten in Deutschland ist daher Bilfinger Berger, die Nummer zwei auf dem Markt. Analysten bewerten die Aktie durchweg freundlich und empfehlen sie sogar zum Kauf. Die Mannheimer hätten sich zu einem führenden Baudienstleister mit einer guten Wachstumsgeschichte entwickelt, heißt es bei der Deutschen Bank. Bilfinger kündigte für 2002 bessere Ergebnisse an und ist auch für 2003 optimistisch.

Andere Baukonzerne, wie die Kölner Strabag oder die Münchener Walter Bau, werden von den Analysten zwar wahrgenommen, aber selten bewertet, weil sie entweder die Tochter eines ausländischen Mutterkonzerns sind oder ihre Hausaufgaben noch nicht erledigt haben und hoch verschuldet sind.

Als schwierige Kandidaten gelten - trotz internationaler Ausrichtung - auch die großen Zementkonzerne, wie Heidelberg Cement oder Dyckerhoff. Anleger sind hier wegen der Nachfrageschwäche auf den wichtigsten Absatzmärkten besonders skeptisch. Gleichzeitig haftet den Zementhersteller der Malus des laufenden Kartellverfahrens gegen die Branche wegen des Verdachts auf Preis- und Mengenabsprachen in Deutschland an. Bei einer Verurteilung drohen hohe Geldbußen. Erhard Schmitt von Helaba Trust bewertet daher Heidelberg Cement mit "Untergewichten".

"Obwohl die Fundamentaldaten gegen die Baubranche sprechen, glauben wir dennoch nicht, dass Anleger von Bauaktien grundsätzlich die Finger lassen sollten", heißt es beim Investmenthaus Schroder Salomon Smith Barney. Eine relativ niedrige Bewertung der Firmen machten Bauwerte zu einer interessanten, wenn auch besonderen Anlage. Allerdings sollte der Anleger streng darauf achten, was er sich in das Portfolio legt. Entscheidend sei, wie stark ein Unternehmen von der Baukonjunktur abhänge.

"Die Rezession ist noch nicht zu Ende", sagt etwa Deutsche Bank Chef-Volkswirt Norbert Walter zu den Perspektiven der deutschen Bauwirtschaft. Der anhaltende Druck auf die Baupreise signalisiere noch immer massive Überkapazitäten. In Deutschland würden große Unternehmen daher in baunahe Branchen expandieren, in denen stabilere Zuwachsraten realisiert werden könnten. Dazu gehöre etwa das Gebäude-Management.

"Banges Warten auf den Aufschwung", bringt das Münchener Ifo Institut - die Lage der Branche in Europa auf den Punkt. Solange es in Deutschland, der größten europäischen Volkswirtschaft, nicht wieder aufwärts gehe, werde auch die Bautätigkeit in Europa keine spürbaren Impulse erhalten. Wegen des drohenden Irak-Krieges rechnet das Ifo-Institut mit einem Anspringen der Baukonjunktur nicht mehr für 2003, wie noch im Frühsommer vorigen Jahres, sondern nun erst für das Jahr 2005.

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