Vor der Eröffnung des Düsseldorfer Caravan-Salons herrscht Optimismus
Caravan-Branche hofft auf steigende Nachfrage

Nach Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten entwickelt sich der Markt für Reisemobile und Wohnwagen im ersten Halbjahr 2002 rückläufig. Für spätestens Ende 2003 rechnen die Unternehmen wieder mit einer Erholung und hoffen auf neue Basismodelle. Der Trend geht zu mehr Komfort.

DÜSSELDORF. In Caravanen und Wohnmobilen unterwegs zu sein, ist der Niederländer liebstes Hobby. Das zumindest denken deutsche Autofahrer immer, wenn die Blechlawine mit den gelben Nummernschildern über Bundesautobahnen rollt. Dennoch: Nicht Holland, sondern Deutschland ist Europameister in der Neuzulassung von Campingbussen und Wohnwagen - obwohl der Umsatz im ersten Halbjahr einbrach.

In Deutschland sind in den ersten sechs Monaten 2002 etwas mehr als 14 700 Wohnwagen und rund 12 500 Wohnmobile neu zugelassen worden. Im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum ist das ein Rückgang von knapp 11 % bei Wohnwagen und rund 6,7 % bei Wohnmobilen.

Branche ist wieder optimistisch

Pünktlich zum Caravan-Salon in Düsseldorf, der am Freitag für Fachbesucher und am Samstag für die Öffentlichkeit beginnt, zeigt sich die Branche aber wieder optimistisch: "So langsam erreichen wir die Talsohle, spätestens Ende 2003 rechnen wir wieder mit steigender Nachfrage" sagt Ralph Binder, Sprecher des Verbandes deutscher Wohnwagen- & Wohnmobil-Hersteller, kurz: VDWH.

Der Umsatz-Rückgang ist nicht nur konjunkturbedingt: In den Jahren 1997 bis 2000 erlebte die Branche einen wahren Boom: Die Wachstumsraten betrugen jährlich regelmäßig zwischen 12 und 13 %, im Jahr 2001 steigerten die Hersteller ihren Absatz nochmals um rund 3,8 %. "Der Markt musste sich irgendwann abkühlen", erklärt Binder. Im Durchschnitt werden Wohnmobile und Caravane mehr als elf Jahre gebraucht, ein Auto nur rund sechseinhalb Jahre. Schon die lange Lebensdauer ließ erwarten, dass der Markt sich "zwischenzeitlich zwangsläufig sättigt", wie Binder es ausdrückt.

Allerdings haben auch saisonale und konjunkturelle Gründe den Wohnwagenbauern das Geschäft verhagelt: "Die schwache Börse, Konjunkturangst sowie Unsicherheiten über den Wahlausgang im September" nennt Ralph Binder als weitere Gründe für den Umsatz-Rückgang.

Neue Modelle sollen Markt beleben

Für Licht am Ende des im Vergleich zu anderen Branchen noch recht kurzen Tunnels sorgen die Chassis-Hersteller: Mit VW und Ford wollen zwei Anbieter bald neue Basisfahrzeuge auf den Markt bringen, die "für neuen Schwung sorgen können", hofft Binder.

Ein Großauftrag von VW hat auch die Halbjahreszahlen von Westfalia gerettet. Diese wären "leicht rückläufig", erläutert Sprecher Karl-Heinz Strätker, wenn nicht ein Auftrag zur Ausstattung einer Modellreihe von Volkswagen in den USA den Umsatz kräftig angeschoben hätte.

Überhaupt, der Export: Fast 60 % der in Deutschland produzierten Caravane und rund 40 % der Reisemobile gehen ins Ausland, fast ausschließlich in europäische Länder.

Hobby und Hymer sind Marktführer in Europa

Martkführer im alten Kontinent sind unangefochten Hobby bei Caravanen und Hymer für Wohnmobile. Die Fockbeker Firma Hobby hat in Europa einen Marktanteil von rund 20,4 Prozent; wird die Tochter Fendt-Caravan dazu gerechnet, ist fast jeder dritte europäische Wohnwagen von Hobby. Zwar übertraf Hobby mit 16 400 verkauften Wohnwagen den Vorjahreswert um rund 400, produzierte jedoch mit 400 Reisemobilen deutlich weniger als in der Saison 2001, als noch 630 Modelle von den Bändern rollten.

Im europaweiten Durchschnitt kostet ein Caravan rund 48 100 Euro, hat der VDWH errechnet. Die deutschen Anbieter, darunter die Branchen-Größen Hymer und Hobby, aber auch kleinere Firmen wie Dethleffs oder Westfalia, decken "eher das teure Segment ab", beobachtet VDWH-Sprecher Binder. Damit liegen sie offensichtlich voll im Trend. Binder erwartet in den kommenden Jahren einen "Trend weg von den unförmigen, rollenden Kästen" und vor allem "viel mehr Komfort und Bequemlichkeit".

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