Vor der geplanten Unterzeichnung eines Friedensplans
Heftige Kämpfe bringen Mazedonien wieder an den Rand eines Krieges

Unmittelbar vor der geplanten Unterzeichnung eines Friedensplans für Mazedonien haben sich Regierungstruppen und albanische Rebellen am Wochenende die heftigsten Gefechte seit Wochen geliefert.

dpa SKOPJE. Westliche Beobachter erklärten am Sonntag, Polizei und Armee trügen seit Samstag im Norden des Landes ihre bisher schwerste Offensive mit Panzern und Angriffen aus der Luft vor. Die Regierung in Skopje sprach dagegen von einer Aggression von Rebellen aus dem Kosovo. Vertreter der fünf führenden Religionsgemeinschaften in Mazedonien veröffentlichten einen gemeinsamen Appell, in dem sie zu einem Ende der Gewalt, zur Vernunft und zur Wahrung der Würde, des Eigentums und des Lebens aller Bewohner aufriefen.

Die Kämpfe waren Samstagnachmittag aufgeflammt und gingen auch am Sonntag weiter. Sie konzentrierten sich auf die Dörfer Ljubanci und Ljubosten (15 Kilometer nördlich von Skopje) sowie auf Tetovo und Radusa nordwestlich der Hauptstadt. Aus Polizeikreisen verlautete, Rebellen seien aus dem nahen Kosovo über die Grenze gekommen und hätten mit Mörsern und automatischen Waffen angegriffen. Die Rebellenorganisation "Nationale Befreiungsarmee" (UCK) beschuldigte die Regierungstruppen, vor dem Friedensschluss vollendete Tatsachen schaffen zu wollen.

Im Prinzip wollten die politischen Führer von slawischen Mazedoniern und Albanern am Montag ein Reformpaket unterzeichnen, das den Albanern mehr Rechte bringen und den Konflikt beenden soll. Die Chancen für einen Frieden erlitten mit den Kämpfen aber einen Rückschlag. Angesichts der Sicherheitslage im Land sah Regierungssprecher Antonio Milososki keine parlamentarische Mehrheit für den Friedensplan. In einem Interview des mazedonischen Rundfunks sagte er, Unterhändler beider Seiten hätten keine Probleme, das Papier zu unterzeichnen. Im Parlament werde es aber keine Mehrheit für eine Ratifizierung geben.

Staatstrauer verhängt

Lokale Rebellenführer erklärten, sie seien nach den heftigen Angriffen der mazedonischen Truppen in der Nacht zum Sonntag nicht bereit, ihre Waffen nach Unterzeichnung des Friedensplans niederzulegen. "Es ist wenig wahrscheinlich, dass wir unsere Waffen abgeben, wenn die Mazedonier ihre Offensive fortsetzen", sagte Rebellenanführer "Gjini" in der Kosovo- Hauptstadt Pristina. Ebenso meinte der Rebellenchef "Mesuesi" in Radusa: "Ganz gewiss wird die UCK ihre Waffen nicht abliefern."

Armee und Polizei griffen am Samstag Stellungen der Rebellen im nordwestlichen Raum zwischen den Städten Gostivar und Tetovo sowie im nördlichen Grenzgebiet zum Kosovo an. Auch aus der Albaner-Hochburg Tetovo versuchten sie die Rebellen zu vertreiben. Der albanischstämmige, regierungstreue Polizeichef der Stadt, Shaip Billali, sagte in Pristina: "Das ist die größte Offensive seit Februar in der Stadt selbst." Am Sonntag sei die Stadt wieder ruhig, aber verlassen gewesen. "Die meisten Menschen suchen seit Tagen Schutz in den Kellern." Rebellenführer "Gjini" ergänzte, die UCK habe ihre Stellungen in und um Tetovo gehalten.

Das mazedonische Fernsehen berichtete, es seien etwa 1 000 Rebellenkämpfer von der Kosovo-Ortschaft Krivenik aus nach Mazedonien eingedrungen. Aus dem Kosovo sei nach Mazedonien hinein gefeuert worden. Bei Radusa gab es heftige Kämpfe. Insgesamt seien zwölf Polizisten und Zivilisten verletzt worden.

Mazedonien hatte für Samstag Staatstrauer nach dem Tod von insgesamt acht Soldaten bei einem Rebellenangriff am Vortag verhängt. Außenministerin Ilinka Mitreva schrieb in einem Brief an NATO und EU, die Albaner-Rebellen wollten Mazedonien teilen, um ein Groß-Kosovo und Groß-Albanien zu errichten. "Die internationale Gemeinschaft sollte eingestehen, dass die UCK das Resultat all des Chaos im Kosovo ist", schrieb sie. Europa dürfe nicht zulassen, dass Mazedonien in Flammen aufgehe.

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