Vor der Greenspan-Rede
Euro pendelt um 0,87 $

Vor der Anhörung von Fed-Chef Alan Greenspan am Nachmittag hat sich der Euro am Dienstag in engen Spannen um 0,87 $ bewegt. Von Greenspans Äußerungen verspreche sich zwar niemand Überraschungen, aber eine Bestätigung seines pessimistischen Wirtschaftsausblicks aus der vergangenen Woche sei wahrscheinlich. Dies könne die US-Währung erneut unter Druck bringen.

Reuters FRANKFURT. Spekulationen um eine mögliche Abkehr der USA von ihrer Politik des starken Dollar seien nach den jüngsten Bekräftigungen des US-Finanzministers Paul O'Neill dagegen weitgehend verschwunden. Dennoch habe der Markt wegen der jüngsten Irritationen um die Währungspolitik des Landes noch nicht wieder volles Vertrauen in den Dollar.

Die Gemeinschaftswährung kostete gegen 10.50 Uhr MESZ 0,8706/09 $ und damit etwas mehr als im späten New Yorker Montagshandel. Bei 0,8670 $ findet der Euro nach Einschätzung technischer Analysten eine wichtige Unterstützung. "Sollte er diese Marke halten und auch den Widerstand bei 0,8720 $ überspringen, könnte der Euro in dieser Woche wieder an 0,88 $ kratzen", sagte ein Händler einer Frankfurter Bank.

Von den am Vormittag veröffentlichten Juli-Preisdaten aus Hessen und Baden-Württemberg gingen nach Händlerangaben keine nennenswerten Impulse aus. Die Zahlen bestätigten den Trend weiter rückläufiger Teuerungsraten in Deutschland, nachdem Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Bayern am Montag bereits geringere Inflationsraten veröffentlicht hatten. Das Statistische Bundesamt will im Laufe des Nachmittags die vorläufige gesamtdeutsche Teuerung bekannt geben. Analysten erwarten eine Verlangsamung der deutschen Inflation auf 2,8 % von 3,1 % im Juni. Nachlassender Inflationsdruck schafft nach Einschätzung von Analysten Spielraum für konjunkturbelebende Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB). "Daher sind die ersten Preisdaten positiv für den Euro zu bewerten", sagte ein Händler.

Hinweise auf Zinspolitik werden nicht erwartet

Von der ab 16.00 Uhr MESZ anstehenden Anhörung Greenspans vor dem Bankenausschuss des US-Senats versprechen sich Analysten kaum weitere Hinweise auf die künftige Zinspolitik, nachdem er in der Vorwoche bereits eine mögliche weitere Zinssenkung der Fed angedeutet hatte. "Viele Überraschungen wird es nicht geben", sagte Jeff Thredgold von Zions Bank Capital Markets. Einige Händler rechnen jedoch damit, dass Greenspan seinen Pessimismus hinsichtlich der US-Wirtschaft erneut bekräftigen wird. "Wir werden vor allem auf neue Zwischentöne achten", sagte ein Händler. In der vergangenen Woche hatte Greenspan bei seiner Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses vor einer weitere Konjunkturabkühlung in den USA gewarnt und erneute Fed-Zinssenkungen nicht ausgeschlossen.

Die Diskussion um die US-Währungspolitik ist am Markt nach Händlerangaben weitgehend erlahmt, nachdem US-Finanzminister O'Neill am Montagabend zu Journalisten gesagt hatte, er und nicht US-Präsident George W. Bush sei verantwortlich für den Dollar. "Daher sollte man in diesen Fragen niemandem außer mir zuhören", fügte er hinzu. Der Markt wertete dies als Bestätigung der Politik des starken Dollar, sagten Händler. Bush hatte in der vergangenen Woche auf die Gefahren eines starken Dollar für die Exportwirtschaft der USA hingewiesen und damit an den Devisenmärkten Spekulationen um eine mögliche Lockerung der seit Jahren betriebenen US-Währungspolitik ausgelöst. "Investoren werden nervös, wenn Politiker über Währungen und Exporte sprechen. Sie haben schließlich eine Menge zu verlieren", sagte ein Händler.

Die japanische Währung konnte unterdessen von der leichten Erholung der Aktienmärkte des Landes profitieren und setzte seine jüngste Talfahrt nicht weiter fort. Nachdem der 225 Werte umfassende Nikkei-Index am Montag noch auf dem niedrigsten Stand seit 16 Jahren geschlossen hatte, legte er am Dienstag wieder um mehr als zwei Prozent zu. Der Dollar notierte gegen 10.45 Uhr MESZ mit 124,10/17 Yen etwas schwächer, nachdem er am Montag noch mehr als ein Yen gewonnen hatte.

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