Vor der größten feindlichen Übernahme seit dem Kauf von Mannesmann durch Vodafone
FAG bringt "weißen Ritter" ins Spiel

FAG-Vorstandschef Uwe Loos hat im Kampf gegen eine Übernahme durch den Wälzlagerhersteller INA erstmals den japanischen Partner NTN als "weißen Ritter" ins Spiel gebracht.

rtr/dpa-afx HERZOGENAURACH/FRANKFURT. "Ich schließe nicht aus, dass NTN sagt, dies ist eine Situation, da müssen wir der FAG zur Seite stehen", sagte Loos in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". FAG und NTN sprächen bereits seit längerem über eine kapitalmäßige Verflechtung. Als Kursziel für die im MDax notierte Aktie des Schweinfurter Unternehmens nannte Loos 20 ?. INA bietet seit Montag elf Euro je Aktie und besitzt nach eigenen Angaben schon knapp 20 % der FAG-Aktien.

INA wies Befürchtungen von Vorstand und Aufsichtsrat über eine Zerschlagung der FAG Kugelfischer AG zurück und verteidigte sein feindliches Übernahmeangebot. "Es wird keine Zerschlagung geben, ich kann das nicht mehr hören", sagte INA-Geschäftsführer Jürgen Geißinger am Dienstag in Herzogenaurach. Geißinger warf Loos vor, die Mitarbeiter gegen die Übernahme zu instrumentalisieren. Ein Sprecher von FAG sagte, derzeit sehe der Vorstandschef keinen Bedarf, das Gespräch mit INA zu suchen.

Loos bringt weitere Partner ins Spiel

Loos brachte im Zeitungsinterview auch einen amerikanischen Partner ins Gespräch. Der US-Konzern Timken war bereits zuvor als möglicher "weißer Ritter" gehandelt worden, der eine Übernahme durch den ungeliebten Nachbarn verhindern könnte. Auch einen Finanzinvestor wollte Loos nicht ausschließen. Mit Blick auf INA sagte er: "Beide Unternehmen sind einzeln mehr wert, als wenn sie sich zusammenschließen."

Geißinger glaubt dagegen nach eigenen Angaben nicht an einen "weißen Ritter". Der Chef des Herzogenauracher Familienunternehmens verteidigte die Taktik, die Führung von FAG erst zwei Tage vor der öffentlichen Ankündigung von den Übernahmeplänen informiert zu haben. "Wenn Sie zu früh darüber reden, besteht immer die Gefahr einer Kursmanipulation. Das wollten wir verhindern", sagte er. Er sei gesprächsbereit, wolle aber von dem Plan nicht abrücken, mindestens 75 % an FAG zu übernehmen. "Wenn Herr Geißinger Gesprächsbedarf hat, soll er sich melden", sagte ein Sprecher der FAG dazu. Das nicht abgesprochene Gebot habe in Schweinfurt für erhebliche Verstimmung gesorgt.

HypoVereinsbank berät FAG

Beraten wird FAG von unter anderem von der HypoVereinsbank, während die Deutsche Bank die bis zu 670 Mill. ? teure Offerte von INA finanziert. Dresdner-Bank-Vorstand Heinrich Linz erklärte nach Firmenangaben unterdessen seinen Rücktritt aus dem FAG-Aufsichtsrat. Er wird ab sofort vom früheren VW-Entwicklungsvorstand Ulrich Seiffert ersetzt. Die Dresdner Bank als langjährige Hausbank von FAG Kugelfischer unterstützt jetzt das Übernahme-Angebot des Konkurrenten INA. Die Bank halte das Übernahmekonzept der INA an die FAG-Aktionäre für tragfähig, sagte ein Dresdner Bank-Sprecher am Mittwoch.

Der Plan von INA gilt bereits jetzt als größter feindlicher Übernahmeversuch in Deutschland seit dem Kauf von Mannesmann durch Vodafone. Geißinger sagte, INA habe auch am Montag weiter FAG-Aktien am Markt gekauft. Für diese Aktion habe das Unternehmen bereits über 120 Mill. ? ausgegeben. Das Unternehmen wolle nun aber der offiziellen Offerte Priorität einräumen, die bis zum 22. Oktober läuft. Ausschließen wollte der INA-Chef weitere Aktienkäufe über die Börse nicht. Die im MDax notierte FAG-Aktie lag am Dienstag zum Handelsschluss mit 10,69 ? weiter unter der INA-Offerte von elf Euro.

Vorstand und Betriebsrat von FAG hatten die Aktionäre am Freitag vor 1500 Mitarbeitern davor gewarnt, auf das Angebot von INA einzugehen. Kugelfischer werde in diesem Fall zerschlagen, ein massiver Stellenabbau drohe. Geißinger sagte: "Das ist der Standard-Stimmungswortschatz." Er bekräftigte erneut, dass durch die Übernahme keiner der 18 000 Arbeitsplätze bei Kugelfischer wegfallen werde. Durch einen Zusammenschluss der fränkischen Unternehmen entstünde mit 54 000 Mitarbeitern und mehr als 6,3 Mrd. ? Umsatz (2000) der zweitgrößte Wälzlagerkonzern der Welt. Bei der Brüsseler Wettbewerbsaufsicht der EU sei das Vorhaben am Montagabend offiziell angemeldet worden.

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