Vor der Hauptversammlung
DaimlerChrysler-Aktionäre sammeln Gegenanträge

Die Palette der Gegenanträge für die diesjährige DaimlerChrysler-Hauptversammlung ist wie gewohnt bunt: Unterstützung von US-Rodeos, fehlende Rußfilter für Diesel-Motoren, Rüstungsaktivitäten und die bislang glücklose Fusion von Daimler-Benz und Chrysler werfen organisierte Aktionärschützer und Kleinaktionäre DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp vor.

dpa STUTTGART / BERLIN Deshalb wollen sie ihm am 10. April in Berlin wie schon im Vorjahr die Entlastung verweigern. Dennoch kann der Vorstand des Autokonzerns nach Meinung von Branchenkennern beruhigt an die Spree fahren. Denn trotz der erwarteten harschen Kritik dürften die Führungs- und Kontrollgremien trotz 24 Gegenanträgen am Ende mit großer Mehrheit entlastet werden. Denn 73 Prozent der rund eine Milliarde DaimlerChrysler-Aktien liegen in den Tresoren institutioneller Investoren - und die stimmen nun mal anders ab als Aktionärsvolkes Stimme.

27 Prozent der Namensaktien halten private Anleger, die sich normalerweise auf den Hauptversammlungen (HV) der DaimlerChrysler AG zu Worte melden. "Wer eine große Aktienposition besitzt und sich gegen die Anträge der Verwaltung stellt, publiziert dies üblicherweise im Vorfeld der HV", erklärt ein Banker. Dies ist wie seit vielen Jahren auch 2002 nicht der Fall.

Große Aktionäre werden ohnehin vom Unternehmen speziell gepflegt, in dem sie etwa permanent über Entscheidungsprozesse und Strategien informiert werden. Zu diesem Zweck bemüht sich Vorstandsboss Schrempp auch schon mal nach Kuwait.

Größter Aktionär beim Autokonzern ist die Deutsche Bank mit 12 Prozent, das Emirat Kuwait besitzt 7 Prozent der Aktien. Andere institutionelle Anleger hielten Ende vorigen Jahres 54 Prozent der Papiere. Amerikaner besitzen nur 17 Prozent der Aktien, 75 Prozent sind in europäischer Hand.

2001 gab es 28 Gegenanträge, die sich inhaltlich kaum von denen für die 4. Hauptversammlung der DaimlerChrysler AG in der kommenden Woche unterschieden. Hauptkritikpunkt damals wie heute die Fusion mit Chrysler.

Dass der "Kapitalvernichter Schrempp im hohen Bogen" hinausgeworfen werden soll (aus Antrag für HV 2002), fanden zwar auch im Vorjahr schon viele Redner. Am Ende wurde der Vorstand dennoch mit 94 Prozent entlastet, der Aufsichtsrat erhielt die Zustimmung von 88 Prozent der Aktionäre. Dies galt allerdings schon als Denkzettel, denn im Jahr 2000 lag die Zustimmung für beide Gremien bei über 98 Prozent.

Hauptversammlungen bei der früheren Daimler-Benz und heute bei DaimlerChrysler sind in vieler Hinsicht Mammutveranstaltungen. Insgesamt gibt es 1,9 Millionen Aktionäre - 11.000 von ihnen wollten im vergangenen Jahr im Congress Centrum dabei sein. 12 Stunden Dauer für die HV sind durchaus üblich, wobei sich die Qualität der Redebeiträge mit fortgeschrittener Zeit nicht unbedingt bessert. "Wer eine Aktie besitzt und meint, sein Mercedes-Motor läuft nicht rund, kann den Vorstand ablehnen. Damit machen wir uns im Ausland lächerlich", stöhnt ein DaimlerChrysler-Manager - zumal es auch schon wüste Pöbeleien und gar Drohungen auf den Aktionärstreffen gab.

Amerikaner zeigen sich über deutsche HV-Bräuche immer wieder erstaunt. Bei Chrysler etwa wurden Hauptversammlungen in Anwesenheit von 30 bis 100 Aktionären in wenigen Stunden abgewickelt.

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