Vor einem Jahr kassierte ein US-Gericht das Geschäftsmodell von Napster.
Zombie Napster

In wenigen Wochen soll es nun endlich losgehen, schwört Napster. Spätestens Ende März, das hat die inzwischen von Bertelsmann mehrheitlich übernommene Musiktauschbörse angekündigt, soll der kostenpflichtige Download-Dienst online gehen.

spf/cs HB Doch am Erfolg der Wiederauferstehung zweifeln Experten schon jetzt. Ein Jahr lang bereits geistert der einstige Web-Shooting-Star als Untoter durchs Internet. Seitdem die US-Richter dem Download-Service einen Riegel vorgeschoben haben, sind schwarze T-Shirts mit Firmenaufdruck das einzige, was Napster-Fans auf der ehemals legendären Internet-Site erwerben können.

Den Flop von Napster dürfen die großen Plattenfirmen getrost als ihren Erfolg buchen. Sie nämlich hatten gegen Napster geklagt, weil Labels und Künstler bei der kostenlosen Musikbörse leer ausgingen. Und bekamen Recht.

Bei Napster ertranken nach dem Gerichtsurteil die Techniker in Arbeit. Sie versuchten vergebens, Filter zu entwickeln, die alle mit Copyright versehenen Songs aussortieren sollten. Nach weiteren Niederlagen vor Gericht stellte Napster im Juli 2001 seinen Dienst ein.

Ein neues Napster, diesmal legal und kostenpflichtig, sollte zusammen mit dem Partner Bertelsmann entstehen, verzögerte sich aber immer wieder wegen anhaltender Urheberrechts-Streitigkeiten.

Noch immer hat Napster nicht von allen großen Musikunternehmen die Vertriebslizenzen beisammen. Bislang besitzt der Tauschdienst nur 110 000 Musikdateien im Angebot - Musik von kleinen, unabhängigen Platten-Unternehmen, die für eine begrenzte Zeit in der Testphase mit Napster zusammenarbeiten wollen.

Hinzu kommt: Voraussichtlich dürfen die Nutzer lediglich eine bestimmte Anzahl von Titeln herunterladen, teilweise nur in einem codierten Dateiformat mit Namen ".nap". In diesem Format können die Titel allein auf dem PC abgespielt werden, nicht aber auf einem MP3-Player. Auch das Brennen auf CD-Rom wird damit unmöglich, was Napster weit weniger attraktiv macht als früher.

Längst sind die 80 Millionen Napster-Musikfans zu alternativen Tauschbörsen übergelaufen. Am meisten profitierten die kostenlosen Angebote "Gnutella", "Aimster" oder "Morpheus". Diese Musikbörsen sind zwar auch von Klagen bedroht, jedoch schwerer zu fassen, weil sie dezentral aufgebaut sind: Die Nutzer tauschen Musikdateien, die auf ihren heimischen PCs liegen, und greifen nicht auf ein Zentralverzeichnis zu.

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