Vor einem Vorsorgevertrag scheuen viele Menschen zurück
Nach dem Tod: Für immer Stil

Tristes Wetter und stille Gedenktage im November rücken den Tod ins Bewusstsein. Er ist kein Tabu mehr, hat seine eigenen Trends

Der letzte Wille war längst niedergeschrieben, die Familiengrabstätte schon lange vorher gemeinsam ausgesucht, trotzdem zögerte die alte Dame, ihren verschiedenen Gatten dortselbst beizusetzen. Der Grund lag tiefer: Es war der geliebte, schon vor einiger Zeit gestorbene Hund, den der Ehemann bei Nacht und Nebel eigenhändig in einer Ledertasche im Familiengrab bestattet hatte. Dort gehörte er nach Meinung seines Herrchens natürlich hin, nicht jedoch nach dem deutschen Bestattungsgesetz. Nun fürchtete die trauernde Witwe, dass die Tat aus der schwarzen Friedhofserde ans Licht kommen würde.

"Wir fanden eine Lösung", schmunzelt Almuth Salm, Meisterin in Düsseldorfs ältestem Bestattungsunternehmen. Das liegt mitten im Herzen der Altstadt, dort, wo das Leben tobt und der rheinische Frohsinn Figuren zum Leben erweckt wie die des vom Heimatdichter Hans Müller-Schlösser ersonnenen Schneider Wibbel, der beim Anblick seiner vermeintlich eigenen Beerdigung seufzt: "Nee, wat bin ich ene schöne Leich?" (Die war sein Geselle Zimpel, der für seinen Meister in den Knast gewandert war, wo er überraschend unter falschem Namen verschied).

Klar, dass es danach zu Verwicklungen kam. Die aber gibt es nicht nur mit vertauschten Rollen. Denn für den letzten Weg auf Erden gelten nicht Gebräuche, sondern Gesetze. Hinzu kommt vor der letzten Ruhe meist eine hektische Phase unter großem Zeitdruck, denn das deutsche Bestattungsgesetz lässt den Hinterbliebenen höchstens acht Tage Zeit, "alles zu regeln".

Deshalb empfiehlt sich ein Vorsorgevertrag. Gerade davor aber scheuen viele Menschen zurück. Am ehesten beschäftigen sie sich mit dem Thema in diesen November-Totengedenktagen, wenn das Wetter trübe Gedanken unterstützt und auf den Friedhöfen ewige Lichter entzündet werden.

"Es gibt Menschen, die legen zu Lebzeiten schon jedes Detail fest, formulieren ihre eigene Todesanzeige, suchen Musikstücke und Blumenschmuck aus", erzählt Almuth Salm, deren Familienunternehmen sich bis zum 1844 erwähnten Schreiner und Sargbauer Carl Salm zurückverfolgen lässt. Seitdem ist es Tradition, dass sich Düsseldorf von ehrenwerten Bürgern im Schatten der Hofkirche St. Andreas verabschiedet - darunter Berühmtheiten wie der Künstler Joseph Beuys, die Kabarettistin Lore Lorentz, der Industrielle Konrad Henkel. Für kleinere Trauerfeiern hat Salm die eigene Apostel-Kapelle im Haus - gleich hinter dem Raum, wo die verschiedensten Särge ausgestellt sind.

"Aber wenn es so weit ist, wird in der Regel doch wieder Eiche oder Kiefer gewählt", sagt Almuth Salm. Dabei gibt?s auch farbig lackierte Modelle: strahlend weiß - was in anderen Ländern ja durchaus eine Farbe der Trauer ist -, aber auch leuchtend blau oder ferrarirot, dezent mit Gold abgesetzt. Es bleibt auch noch Raum für individuelle Wünsche. "Eine junge Frau hat hier tagelang den Sarg ihres Vaters bemalt", erinnert sich Almuth Salm, "auch eine Art Trauerarbeit."

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