Vor erwartetem US-Militärschlag
Dax massiv unter Druck

In Erwartung eines Militärschlags der USA als Reaktion auf die Anschläge der Vorwoche haben die deutschen Aktienmärkte massiv an Wert verloren und neue Tiefstände markiert. "Keiner will hier am Markt das Risiko eingehen und vor den drohenden Vergeltungsmaßnahmen noch Bestände aufbauen", sagte Stefan Buchholz, Aktienhändler bei der DZ Bank. "Die Stimmung ist am Boden. Dieser Markt ist stark überverkauft."

Reuters FRANKFURT. Dennoch könne der Markt auch in der kommenden Woche weiter nachgegeben, solange die politische Lage sich nicht entspanne, der Dax sämtliche Unterstützungsniveaus durchbreche und die Unternehmen ihre Gewinnaussichten weiter reduzierten.

Zudem sorgte der Verfall von Index-Futures und-Optionen für überdurchschnittlich hohe Umsätze in der Mittagsauktion. Am Freitag ist der so genannte "dreifache Hexensabbat", an dem sowohl Aktien- und Indexoptionen als auch Futurekontrakte an der Terminbörse Eurex verfallen. Auf dem elektronischen Handelssystem Xetra werden dabei in der Mittagsauktion als auch in der Schlussauktion die relevanten Settlementpreise ermittelt.

Der Dax stürzte bis zum frühen Nachmittag um 6,2 % auf 3 572 Punkte und hatte zuvor bei 3 539 Zählern den tiefsten Stand seit Anfang November 1997 markiert. Bereits am Vortag hatte der Dax angesichts deutlich schwächerer US-Börsen 5,7 % verloren. Der Nemax50 der wichtigsten Wachstumswerte stürzte zeitweise um über 13 % auf ein Rekordtief von 643 Punkten. Auch die anderen großen europäischen Börsen gaben deutlich nach.

SAP im Mittelpunkt

Die Futures der US-Börsen deuteten Händlern zufolge außerdem erneut fallende Kurse in den USA an. Der Dow-Jones-Future tendierte 303 Punkte, der Nasdaq-Future der Technologiebörse 36,50 Punkte niedriger.



Aus charttechnischer Sicht sei bedeutend, ob die Marke von 3 676 Punkten in den nächsten Tagen signifikant auf Tagesschluss-Basis unterboten werde, sagte Klaus Tafferner, technischer Analyst beim Handelshaus Concord Effekten. Diese Marke stelle den 1982 begonnenen Aufwärtstrend des zurückgerechneten Dax dar und sei eigentlich eine starke Unterstützung. Das nächste, allerdings schwächere Unterstützungsniveau liege bei 3 366 Punkten. Sollte auch diese Marke nach unten durchbrochen werde, könne der Dax aus charttechnischer Sicht weiter stark unter Druck geraten. Dann sei erst bei rund 2 300 Punkten wieder eine Unterstützung aus dem Jahre 1993 erkennbar.

Im Mittelpunkt des Handels standen die Papiere der Technologiefirmen SAP und Infineon, die jeweils rund zehn Prozent einbüßten. Der Softwarekonzern SAP , der am Vortag noch seine Jahresprognose bekräfigt hatte und gegen den Trend zulegen konnte, fiel am Vormittag unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Euro auf den tiefsten Stand seit April 1999 bei 90,50 Euro. Nun erfasse die Unsicherheit des Gesamtmarktes auch die Walldorfer Softwareschmiede, sagte ein Händler.

Adidas gegen den Trend

Acht Prozent schwächer notierten die Papiere der Allianz bei 200,50 Euro, nachdem der Versicherungskonzern zum zweiten Mal seit den Anschlägen in den USA eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte. Der Versicherungskonzern gehe nun von Belastungen durch die Anschläge in den USA in Höhe von einer Milliarde Euro aus. Der Jahresüberschuss 2001 werde mit rund 1,7 Mrd. Euro erwartet. Am vergangenen Mittwoch, dem Tag nach den Anschlägen, hatte die Allianz die Belastungen noch auf bis zu 700 Mill. Euro und den Jahresüberschuss für 2001 auf knapp über zwei Mrd. Euro beziffert. Der Rückversicherer Münchener Rück fiel um knapp sieben Prozent auf 221,75 Euro.

Gegen den Trend stiegen die Titel von Adidas-Salomon um mehr als ein Prozent auf 48,28 Euro. Händler sagten, die Aktie profitiere von den besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des Sportbekleidungsherstellers Nike. Außerdem hatte die Investmentbank Morgan Stanley das Papier auf "Strong Buy" von zuvor "Outperform" herauf.

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