Vor Felix Wankels hundertstem Geburtstag
Kein Zylinder, kein Problem

Der Wankel-Motor ist nicht tot - er schläft nur. Seine Freunde arbeiten an der Wiederauferstehung des Kreiskolben-Antriebs.

HB/dpa KORB. Vor dreißig Jahren schien es noch möglich, dass eine neue Erfindung ihm den Rang ablaufen könnte: Der Wankel-Motor. Ein dreiecksförmiger Kolben rotiert in einem Behälter in Form einer Acht, die Mathematiker Trochoide nennen. Das Aggregat kommt so ohne Ventile aus. Zudem dreht sich die Schwungmasse im Kreis und nicht, wie beim klassischen Motor, auf und ab. Dadurch wird der Lauf ruhiger.

Doch die Revolution der Automobilgeschichte blieb aus. Der vor allem durch den NSU Ro 80 bekannt gewordene alternative Antrieb konnte sich nie durchsetzen.

Anhänger und Schüler Wankels glauben aber weiter an den Erfolg des so genannten Rotationskolben- oder Kreiskolbenmotors. Sie sind nach wie vor von den Vorteilen des Motors - Laufruhe, geringes Gewicht, niedrige Kosten - überzeugt und hoffen auf Einsätze zum Beispiel in Hubschraubern oder Hybrid-Autos.

Wirren um die Patente

Eine wahre Odyssee haben die Patente von Wankels eigener Firma hinter sich, die in den 60er Jahren hohe Lizenzeinnahmen von Autoherstellern in der ganzen Welt erzielte.

Wankel verkaufte das Unternehmen 1972 an die britische Lonrho-Gruppe. In den folgenden Jahren stellte sich dann heraus, dass sich der Motor in der Automobilbranche nicht durchsetzen würde. Nur der japanische Hersteller Mazda hält bis heute daran fest.

Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, verkaufte Lonrho die Firma 1992 an Wankels Weggefährten Dankwart Eiermann und den Unternehmer Jürgen Bax, der den Sitz von Lindau am Bodensee nach Korb in der Nähe von Stuttgart verlegte. Die Firma entwickelte Klimakompressoren und Motoren für Go-Karts und Leichtflugzeuge. Als ein militärischer Auftrag aus Israel nicht genehmigt wurde, musste die Wankel Rotary GmbH mit ihren 85 Patenten vor zwei Jahren Insolvenz anmelden.

"Wieder unter dem Namen Wankel agieren"

Inzwischen hat der Ingenieur Mario Häberer aus dem sächsischen Kirchberg das Unternehmen samt den Namensrechten gekauft und will die Produktion wieder aufnehmen. Der 42-Jährige leitet einen Betrieb für Hebezeuge und Krane und hat dort noch Kapazitäten frei.

Häberer war durch Zufall auf die Wankel-Firma gestoßen und suchte zunächst nach Mitstreitern. Auch bei den Rennfahrerbrüdern Schumacher klopfte er an - ohne Erfolg. "Dann mach' ich's eben selbst", dachte sich der ostdeutsche Entrepreneur. "Es wird höchste Zeit, dass wieder jemand unter dem Namen Wankel agiert." Dazu soll nun die Wankel AG gegründet werden, die dann weiteren Partnern offen steht.

Die Patente für das Grundprinzip des Motors sind heute frei zugänglich. Wankels ehemaliges Labor in Lindau gehört inzwischen VW, das dort nach eigener Aussage "das eine oder andere Projekt" plant.

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