Vor Halbjahreszahlen
Analysten sehen Telekom-Rekordverlust

Analysten gehen davon aus, dass die Deutsche Telekom beim Umsatz und operativen Ergebnis im zweiten Quartal zulegen konnte. Unterm Strich sagen sie aber für dieses Jahr einen neuen Rekordverlust voraus.

slo DÜSSELDORF. Mit Vorschusslorbeeren hat die Börse den angekündigten Sparkurs von Helmut Sihler, Interimschef der Deutschen Telekom, belohnt. Die T-Aktie war am Freitag einer der Tagesgewinner. Der Aktienkurs stieg um 3 % auf 11 Euro. Zudem erwarten Analysten, dass der Konzern am Mittwoch bessere Zahlen für das zweite Quartal beim Umsatz und operativen Ergebnis vorlegt, auch wenn unterm Strich ein Milliardenverlust stehen wird.

Hohe Abschreibungen auf Voicestream

Die Branchenexperten rechnen mit einem Quartalsumsatz von etwa 13 Mrd. Euro - nach 11,39 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) sagen Analysten für das zweite Quartal knapp 4 Mrd. Euro voraus - getrieben durch eine gute Entwicklung bei der Mobilfunksparte T-Mobile. Zwischen April und Juni 2001 hat die Telekom ein Ebitda 3,6 Mrd. erwirtschaftet Den Prognosen zufolge wird der Konzern im zweiten Quartal dieses Jahres einen Nettoverlust von etwa 1,3 Mrd. Euro einfahren. Damit ergibt sich für das erste Halbjahr voraussichtlich ein Minus von etwa 3 Mrd. Euro. Den Verlust begründen Analysten in erster Linie mit Abschreibungen auf die US-Mobilfunktochter Voicestream.

Trübe Aussichten für das Gesamtjahr

Für die Telekom wird es auch in Zukunft schwierig, schwarze Zahlen zu schreiben. Die Zukäufe der vergangenen zwei Jahre belasten das Ergebnis mit hohen Abschreibungen auf Firmenwerte. Für dieses Jahr erwarten Analysten von UBS Warburg unterm Strich daher ein Minus von 5,7 Mrd. Euro. Das wäre das schlechteste Ergebnis seit dem Börsengang und überträfe den bisherigen Rekordverlust von 3,5 Mrd. Euro in 2001. Abschreibungen der Telekom und damit der Jahresfehlbetrag könnten noch höher ausfallen, wenn die Telekom Voicestream in diesem Jahr verkaufen oder das Unternehmen mit einem Konkurrenten verschmelzen sollte.

Einen Vorgeschmack auf einige gute Nachrichten gab es aus Telekom-Aufsichtsratskreisen bereits vor mehr als einem Monat. Demnach sei im zweiten Quartal der Schuldenberg von 68 Mrd. Euro auf etwa 65 Mrd. Euro abgebaut worden. Zudem habe der Konzern den Abwärtstrend im Festnetzgeschäft gestoppt. Und Voicestream hat beim Umsatz, operativen Ergebnis und der Kundenzahl deutlich zugelegt. Das gab der US-Mobilfunker vergangene Woche bekannt.

Details der Sparpläne werden erwartet

Die Telekom will ihre Schulden bis Ende 2003 auf 50 Mrd. Euro senken. Um das zu erreichen, hat Sihler angekündigt, die Ausgaben des Konzerns für Werbung zu senken und auch andere Kosten zu drücken, um jährlich 1 Mrd. Euro zu sparen. Auslandsbeteiligungen, darunter Voicestream und die defizitären Töchter der Internetsparte T-Online in Frankreich und Spanien, sollen auf den Prüfstand, heißt es aus Unternehmenskreisen. Details zu diesen Plänen soll es auch am Mittwoch geben.

Durch einen Verkauf einiger T-Online-Töchter erwarten Analysten der Hypovereinsbank keine großen Fortschritte beim Schuldenabbau. Das sei eher durch den Verkauf von Voicestream möglich. Der Wert wird auf 10 Mrd. Euro geschätzt. Die Telekom hat allerdings Ende Mai vergangenen Jahres mehr als 30 Mrd. Euro für das Unternehmen gezahlt. Weiterer Nachteil: "Der Voicestream-Verkauf würde die Wachstumsaussichten der Telekom halbieren", sagen Analysten von JP Morgan.

Wegen der Voicestream-Übernahme steht der Telekom aber zunächst wieder Ärger ins Haus: Nach einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat der Mannheimer Wirtschaftsanwalt Wolfgang Philipp Strafanzeige gegen das Telekom-Management gestellt - wegen des angeblich drastisch überhöhten Kaufpreises für Voicestream.

Zum Schuldenabbau soll auch der Verkauf des TV-Kabels beitragen

Zum Schuldenabbau soll auch der Verkauf des TV-Kabels beitragen. Die Telekom erwartet bis Ende September verbindliche Angebote. Das US-Medienunternehmen Liberty Media erwägt gemeinsam mit Partnern einen zweiten Anlauf im Rennen um das Telekom-Kabel. Das sagte Liberty-Chef Robert Bennett vergangene Woche bei der Vorlage der Quartalszahlen. Beim ersten Versuch war Liberty am Veto des Bundeskartellamtes im Februar dieses Jahres gescheitert.

Quelle: Handelsblatt

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