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Vor Klinsmanns Heimpremiere: Tests und Gespräche

Die Mannschaft war erst für den Abend bestellt, doch schon morgens begann für Jürgen Klinsmann in Berlin der Countdown für seine Heimpremiere als Bundestrainer.

dpa BERLIN. Die Mannschaft war erst für den Abend bestellt, doch schon morgens begann für Jürgen Klinsmann in Berlin der Countdown für seine Heimpremiere als Bundestrainer.

Nach einer knappen Woche in seiner kalifornischen Wahlheimat setzte der 40-Jährige den Umbruch im und um das DFB-Team fort: Mit seinem Trainerstab legte er eine Schweiß treibende Übungseinheit vor der "WM-Final-Revanche" gegen Brasilien fest, im engsten Stab wurden Jobs konkretisiert, und mit den eingetroffenen amerikanischen Spezialisten plante Klinsmann detailliert den angekündigten Fitness-Test für seine Spieler. "Es wird etwas anderes gemacht, das setzt neue Reize", meinte der Nachfolger von Rudi Völler, der sich trotz Personalsorgen und der schweren Aufgabe gegen den Weltmeister entspannt zeigte.

Die Spieler müssen sich an die neuen Reize und Inhalte ihrer Länderspiel-Reisen jedoch erst gewöhnen. Während die anderen europäischen Nationalteams in die Qualifikation für die WM 2006 starten, treten die deutschen Akteure an der Stelle des nächsten WM-Finals im Berliner Olympia-Gelände zum viel diskutierten Schnelligkeits- und Koordinationstest an, der die Grundlage für eine neue Datenbank bilden soll. Es gehe darum, dass "man einen neuen Input" bekommt, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff und ergänzte: "In der Wirtschaft ist es doch auch so, dass man sich Kraft von außen holt." Assistent Joachim Löw ergänzte: "Das ist nur ein Schritt, weitere werden folgen."

Im Organisationsstab gibt es schon weitere konkrete Ergebnisse der Erneuerung. Flavio Battisti, von Klinsmann eigentlich für die Leitung des neu geschaffenen Büros Nationalmannschaft vorgesehen, ist in Berlin wieder nebenberuflich als Attaché, also als "Mädchen für alles" im Einsatz. Als Büro-Chef ist nun Georg Behlau, rechte Hand von DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, eingesetzt. Und auch Bierhoff, vor allem für die Verbindungen zur Bundesliga, zu Medien und Sponsoren sowie für die Außendarstellung der Nationalelf zuständig, soll sich teilweise mit um Organisationsfragen kümmern.

Die neue sportliche Führung weiß natürlich auch um die Gefahren, die mit den Veränderungen und Diskussionen im Mannschaftskreis verbunden sind. Bei allen Tests, Job-Beschreibungen und importierten Spezialisten könnte die eigentliche Hauptaufgabe der nächsten fünf Tage in den Hintergrund geraten: Klinsmann muss vor allem ein konkurrenzfähiges Team für die Partie am 8. September zusammen basteln. Die Brasilianer werden jedenfalls nicht als Aufbauhilfe nach Deutschland kommen, wie Leverkusens Roque Junior klar machte: "Das ist mehr als ein Freundschaftsspiel, da schaut die ganze Welt hin." Auch Bierhoff machte die Schwere der Aufgabe deutlich: "Das ist sicher einer der härtesten Brocken, auf den man zur Zeit weltweit treffen kann."

Klinsmann kann allerdings mit einem Vorteil wuchern, von dem seine Vorgänger nur geträumt hatten. Erstmals seit zwölf Jahren - damals als Titelverteidiger für die WM 1994 gesetzt - gibt es für die deutsche Mannschaft keinen Qualifikations- und damit auch Termin-Stress. "Es ist schön, dass die Spieler ausgeruht zu uns kommen. Das hat auch Einfluss auf die Intensität der Trainingseinheiten. Wie in Wien ist es unser Ziel, mit hoher Intensität zu trainieren", meinte Assistent Löw. Gleich fünf größtenteils scharfe Trainingseinheiten hat Klinsmann für den Morgen nach dem Eintreffen der Spieler an angesetzt, auf vorangegangene Belastungen seiner Spieler muss der Bundestrainer keine Rücksicht nehmen, weil es keine gab. Und auch das Freundschaftsspiel-Syndrom, fehlende Motivation, dürfte es gegen Brasilien nicht geben. Bei den Aussichten meinte der Neu-Bundestrainer fast schon überschwänglich: "Das kommt nicht alle Tage vor."

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