Vor Weihnachten klettern Aktien von Amazon und Ebay
Onlinehändler liefern sich harten Konkurrenzkampf

Zwei Jahre nach dem Boom um Onlinehändler sind viele Anbieter vom Markt verschwunden. Für die verbliebenen Branchenriesen sieht die Zukunft indes gar nicht schlecht aus. Kurz vor Weihnachten loben Analysten Amazon und Karstadt-Quelle. Sie warnen indes vor der Pleitegefahr für kleine deutsche Anbieter.

HB DÜSSELDORF. Der Konkurrenzkampf der Onlinehändler trifft kleinere Unternehmen besonders hart. So musste kürzlich der Internetbuchhändler Mediantis aufgeben. "Die kleinen Anbieter schaffen es einfach nicht, Marktanteile zu gewinnen", sagt Alexander Strepp vom unabhängigen Analysedienst Performaxx. Für den einstigen Konkurrenten Buch.de sieht Strepp ebenfalls schwarz: "Wenn denen das Geld ausgeht, dann können sie noch ihren Markennamen und ihre Internetseiten verkaufen - aber das war?s".

Das Problem vieler Internethändler ist schlicht Käufermangel. Nach einer Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) kaufen nur 39 % aller Internetnutzer im Web ein. Die Misere zeigt auch der Internetindex am Neuen Markt: Zwar hat er sich vom Terrorschock wieder erholt, liegt aber weiter mehr als 60 % unter dem Zwölf-Monats-Hoch vom Dezember 2000.

Anleger blicken nun auf das Weihnachtsgeschäft. Wachstumspotenzial sieht Michael Mantlik, Analyst der Vereins und Westbank, - im Erotikbereich. Zwar liege bei Beate Uhse der Internetanteil noch unter 10 %, doch bessere Übertragungswege könnten das bald ändern: "Mit Breitbandtechnik können Erotikfilme schnell zu Hause heruntergeladen werden", sagt er.

Gute Noten für Karstadt-Quelle

Ohne Erotik, aber mit einer starken Mutter, erhält die Onlinesparte von Karstadt-Quelle gute Noten von den Analysten. Der E-Commerce-Beitrag zum Geschäft liegt bei 5 %, damit zählt Karstadt-Quelle zu den Marktführern in Europa. Der Konzern habe zwei Vorteile gegenüber kleinen Gründerfirmen, meint Aktienexperte Mark Josefson von Sal. Oppenheim: "Karstadt-Quelle muss kaum Werbung machen, weil sie jeder kennt, und der Versand von Produkten gehört seit Jahrzehnten zum Tagesgeschäft."

Karstadt-Quelle erwartet im Internet ein Umsatzplus von 50 % - obwohl es alles andere als ein Boomjahr war. Dem Ziel von Karstadt-Chef Wolfgang Urban, 2003 einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro im Internet zu erreichen, wollte Analyst Josefson zunächst nicht glauben. "Doch wenn die so weiter wachsen, ist das realistisch", sagt der Analyst.

Amazon-Aktie legte kräftig zu

Um mehr als 70 % hat der Aktienkurs des amerikanischen Buchversenders Amazon im vergangenen Monat zugelegt. Für seit längerem engagierte Anleger ist das allerdings nur ein schwacher Trost: Denn gemessen am Aktienkurs vom Dezember 2000 liegt Amazon immer noch mehr als 50 % im Minus.

Trotzdem sehen Analysten die Zukunft von Amazon positiv. Noch vor wenigen Wochen zweifelten Skeptiker an der Ankündigung Amazons, im vierten Quartal profitabel zu sein. Diese Bedenken sind inzwischen ausgeräumt: "Ich wäre sehr überrascht, wenn Amazon im vierten Quartal keinen Gewinn ausweisen würde", sagt Ken Cassar, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Jupiter Media Metrix. Allerdings wird der Gewinn nur pro forma erreicht. Das heißt, Amazon lässt unter anderem die Zinszahlungen auf seine Schulden von mehr als 2 Mrd. $ völlig außer acht.

Analysten bei Ebay optimistisch

Analyst Henry Blodget vom Investmenthaus Merrill Lynch sagt, Amazon sei auf dem besten Wege, die Umsatzerwartung von 1,02 Mrd. $ für das vierte Quartal zu übertreffen. Safa Rashtchy, Analyst beim Investmenthaus US Bancorp Piper Jaffray, erwartet 9 Mill. $ Ertrag im vierten Quartal oder mehr.

Auch die Aussichten für das Internet-Auktionshaus Ebay bewerten Analysten positiv. Ebay bietet nicht nur Versteigerungen, sondern nach dem Kauf des Schnäppchenhändlers Half.com auch Waren zu reduzierten Festpreisen. Das zahlt sich aus: Analysten erwarten, dass Ebays Umsatz dieses Jahr um 70 % steigt. Der Gewinn soll im Geschäftsjahr 2001 auf 47 Cent je Aktie steigen. Allerdings sind die Erwartungen im Kurs schon enthalten: "Die Ebay-Aktie ist bereits sehr teuer", sagt Faye Landes, Analystin beim Investmenthaus Sanford C. Bernstein.

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