Vor Weihnachten spürbar geringere Zuwachsraten
Jahr der Wahrheit für die Touristikbranche

Die vergangenen zwei Jahre haben der europäischen Touristikbranche schwer zugesetzt. Nun hofft man für 2004 auf eine Wende. Branchenexperten sprechen sogar vom "Jahr der Wahrheit".

HB HANNOVER. Gerade in Deutschland scheint sich die mit Frühbucherrabatten stimulierte Reiselust derzeit zumindest bei einigen Anbietern wieder abzuschwächen. So berichten Touristikmanager vor Weihnachten von spürbar geringeren Zuwachsraten oder sogar erneuten Buchungsrückgängen für die alles entscheidende Sommersaison 2004. Deutschland, das Land der "Reiseweltmeister", ist von der fast dreijährigen Rezession der Branche besonders betroffen.

Nun droht erneut ein ruinöser Preiskampf, der schon in diesem Jahr den großen Reisekonzernen wie Marktführer Tui herbe Umsatz- und Gewinneinbußen und bei Thomas Cook sogar einen Rekordverlust bescherte. Der wirtschaftliche Druck durch die erfolgreichen Billigfluglinien bringt zudem bei Tui und Cook deren traditionsreiche Charter-Fluglinien ins Trudeln. Konsequenz für 2004: Die Löhne und Gehälter sollen sinken. Eigene oder konzernnahe Billigfluglinien sollen erstmals in größerem Stil Pauschalurlauber an die Strände rund ums Mittelmeer bringen.

Kalkuliert haben die Reisekonzerne in Deutschland wie europaweit mit einem Umsatzplus von rund fünf Prozent für das nächste Jahr. Cook-Hauptveranstalter Neckermann berichtet derzeit von zweistelligen Zuwachsraten, Tui dagegen hält sich mit Aussagen für den Heimatmarkt derzeit sehr bedeckt. Der Präsident des Bundesverbandes Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple, ist sich nicht mehr ganz sicher, ob der bescheidene Zuwachs erreicht werden kann. Ein Verharren auf dem schwachen Vorjahresniveau aber wäre für die großen Touristikkonzerne zu wenig, lautet die Einschätzung der Experten bei den Banken.

So steht bei Tui 2004 das gesamte Geschäftsmodell des integrierten Reisekonzerns mit eigenen Fluggesellschaften und Reisebüros weiterhin auf dem Prüfstand. Tui-Chef Michael Frenzel müsse zeigen, dass sich der Umbau vom Mischkonzern Preussag zum Touristikriesen tatsächlich rechne, heißt es bei Analysten. Hauptaktionär WestLB will über kurz oder lang seine gut 30 % verkaufen, allerdings erst bei einem deutlich höheren Aktienkurs als die derzeitigen gut 16 ?.

Die Nummern zwei und drei der europäischen Touristik, der Cook-Konzern und die britische MyTravel-Gruppe werden nach ihren hohen Verlusten in diesem Jahr 2004 nach Einschätzung von Branchenexperten kaum schwarze Zahlen schreiben.

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