Voraussetzung für den Erfolg ist die Professionalität des Betreibers
Der Bau von Fitness-Centern boomt

Der Markt für Freizeitimmobilien profitiert von der Reiselust und dem zunehmenden Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung. Folge: Fitness- und Freizeitparks schießen wie Pilze aus dem Boden.

jun DÜSSELDORF. Der Freizeitmarkt hat in den letzten Jahren erheblich expandiert. So stieg das Marktvolumen nach Berechnungen der Deutschen Gesellschaft für Freizeit von 1990 bis zum Jahr 2000 um über 100 Mrd. auf 465 Mrd. DM. "Obgleich sich die Zuwachsraten in den vergangenen Jahren verlangsamt haben, bleibt der Markt für Investoren durchaus interessant", ist Jochen Franck, Vorstandsmitglied der Wenzel Consulting Aktiengesellschaft, Hamburg, überzeugt. In den nächsten fünf Jahren werden seiner Ansicht nach Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich in die Entwicklung von Freizeitanlagen fließen.

Doch wer auf diesem Markt Geld verdienen will, muss sich ständig neuen Trends anpassen und den Markt sorgfältig prüfen. Die Freizeitbranche ist überaus schnelllebig und bietet immer neue Konzepte: "Anlagen wie Kartbahnen, Indoor-Bodyflying, Indoor-Beachvolleyball, Ski-Hallen oder Motionrides waren noch vor wenigen Jahren unbekannt", konstatiert Franck. Auch die Nachfrage hat sich in den vergangenen Jahren völlig verändert. Überaus beliebt sind derzeit Erlebniswelten, Multiplexkinos, Großdiscotheken, Ferienresorts und Fitness-Wellness-Großanlagen. "In derartigen Freizeitgroßanlagen ist der Gast unabhängig von der Witterung und verweilt dort - zur Freude des Betreibers - sehr lange."

Die Fitness-Anlagen profitieren derzeit vom zunehmenden Gesundheitsbedürfnis: Nach Angaben des Deutschen Sportstudioverbandes gibt es in Deutschland derzeit 6 500 derartiger Anlagen - vor zehn Jahren waren es noch 4 100. Im gleichen Zeitraum stieg der Umsatz von 1,6 Mrd. DM auf 5,27 Mrd. DM. Eine Trendwende ist nicht in Sicht: Insgesamt kommen zu den 2,8 Mill. qm Fläche in bestehenden Fitnessanlagen in den kommenden vier Jahren weitere rund 750 000 qm an den Markt. Bis zum Jahr 2005 wird zudem mit einem Anstieg der Durchschnittsfläche von 1 100 qm auf 1 500 qm gerechnet. "Diese Expansion bedeutet, dass nochmals über 2,5 Mrd. DM für neue Fitnessanlagen in Deutschland investiert werden", resümiert Franck.

Freizeitgroßparks haben Zukunft

Zukunftsträchtig sind seiner Ansicht auch Freizeitgroßparks, wie der Heide Park in Soltau oder der Europa Park in Rust, die für Kurzurlaube genutzt werden. Auf Grund der steigenden Besucherzahlen plane der Europa Park derzeit eine Expansion um über 100 ha und eine Ausweitung in zwei Themenhotels (derzeit 97 % Auslastung während der Saison). Der Heide Park verfolgt ähnliche Pläne und beabsichtigt, ein Feriendorf anzugliedern.

Erfreulich entwickeln sich auch Edutainment-Parks, die Wissen auf spielerische und unterhaltsame Weise vermitteln, erläutert der Unternehmensberater. Zu den erfolgreichen Anlagen, die in jüngster Vergangenheit entstanden sind, zählen das Regenwaldhaus in Hannover mit knapp 400 000 Jahresbesuchen und das Universum Science Center in Bremen, das seit der Eröffnung im September 2000 bis Juni 2001 schon 370 000 Besuche verzeichnen konnte. Um die Wirtschaftlichkeit dieser Betriebe zu gewährleisten, sind die Investoren jedoch auf erhebliche Fördermittel und Sponsorengelder angewiesen.

Tennis- oder Squashhallen sind derzeit kaum gefragt, meint Franck, während Bowling oder Badminton immer beliebter werden. So hat sich die Zahl der Bowlinganlagen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren von knapp 200 auf etwa 320 erhöht.

Gute Entwicklungschancen werden derzeit auch revitalisierten Industriearealen und Stadtteilen eingeräumt, die ein attraktives Ambiente für Unterhaltungs-, Freizeit- und Gastronomie bieten. Als gelungene Beispiele nennt Franck das Pelikan-Viertel in Hannover, das Gas(t)werk in Hamburg, den Landschaftspark Duisburg-Nord oder das Movie Dick in Esslingen.

Fest steht nach Ansicht des Experten: Attraktive Freizeitgroßanlagen haben "erhebliche wirtschaftsfördernde Effekte". "Gleichwohl", so räumt Franck ein, "handelt es sich um Spezialimmobilien, die hohe Anforderungen an die Konzeption, Entwicklung, wirtschaftliche Analyse stellen und einen professionellen Betrieb erfordern. Entscheidend für den Erfolg sei zudem der Standort. Der Trend zu Freizeitgroßanlagen habe zur Folge, dass es an einigen Standorten zu einem ruinösen Wettbewerb kommt, die städtebauliche Relevanz der Anlagen zunimmt und schlechte Konzepte für manche Kommunen bereits problematisch sind."

Skeptisch äußert sich auch Günter Muncke, Partner des internationalen Immobilienberatungsbüros Jones Lang LaSalle, Hamburg. "Die Zyklen, das heißt die Lebenszeit von Freizeitimmobilien, sind sehr kurzfristig. Damit verbunden ist ein erhebliches Risiko für Investoren und der Betreiber. Aus diesem Grund sollten Investitionsentscheidungen sorgfältig geprüft werden und die Nachfrage genau analysiert werden", rät er. Entscheidend sei jedoch die Qualität des Betreibers. "Es gibt in Deutschland nur wenige Betreiber, die professionell arbeiten und über ausreichend Know-how verfügen und die Anlage zudem solide finanziert haben", ist er überzeugt.

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