Voraussetzungen für Frauen im öffentlichen Dienst ideal: Beliebte Ausrede: Die Männer sind schuld

Voraussetzungen für Frauen im öffentlichen Dienst ideal
Beliebte Ausrede: Die Männer sind schuld

Wann immer eine Frau an der Uni oder im Job scheitert, lag es an einem Professor, Ehemann oder Vorgesetzten, der in seiner männlichen Borniertheit schuld ist und die Frau in ihrem Schaffensdrang an die Wand gespielt hat. Wenn die Kinder dann aus dem Haus sind, und frau sich langweilt, sind wieder die Männer schuld: Und Dir habe ich meine Karriere geopfert!

Männer finden dieses selbstzerstörerische Verhalten übrigens ausgesprochen praktisch - eine Verschwörung gegen das schwächere Geschlecht ist völlig überflüssig, denn Frauen erledigen sich in der Regel selber. Schneller und gründlicher als irgendein Männerbund das könnte.

Die meisten Frauen werden jetzt einwenden, die Vorwürfe seien unfair, schließlich kriegen immer noch wir die Kinder - und um die muss sich schließlich jemand kümmern. Doch an der Mutterschaft alleine kann es nicht liegen, dass Frauen im öffentlichen Leben Deutschlands unterrepräsentiert sind, denn Französinnen oder Britinnen kriegen auch Kinder. Zwischen 87 und 98 Prozent der befragten Karrierefrauen in Großbritannien, Frankreich und Schweden sind gleichzeitig Mütter, während hierzulande nur 57 Prozent der Erfolgsfrauen neben Budgetverhandlung und Businesslunch auch Rotznasen abwischen. Und schließlich gibt es auch in Deutschland ein Heer von Anwältinnen, Beraterinnen, Designerinnen und Managerinnen, das es sehr wohl schafft, Kinder und Karriere zu verbinden.

Ideale Voraussetzungen im öffentlichen Dienst

Aber nehmen wir einmal an, die Babypause wäre in der Frauenfrage tatsächlich kriegsentscheidend. Wäre dem so, müsste dann nicht der öffentliche Dienst vor Karrierefrauen nur so überquellen? Das deutsche Beamtenrecht ist das frauenfreundlichste der Welt, Gleichstellungsbeaufragte wachen über seine Einhaltung, fühlt frau sich übergangen, kann sie klagen. Befördert wird weitgehend nach Seniorität - und da macht es gar nichts, wenn eine mal ein paar Jahre mit Erziehung beschäftigt war.

Und erst recht an den Universitäten. Ist die Berufung auf den Professorensessel erst einmal erfolgt, ist fürs Kinderkriegen alle Zeit der Welt. Fünf Monate im Jahr sind vorlesungsfrei und sonst beträgt die Lehrverpflichtung acht Stunden in der Woche. Je nach Bundesland unterschiedlich, gibt es die Möglichkeit, Frei- oder Forschungssemester einzulegen, in denen die Zeiteinteilung allein im Gusto des Forschenden liegt. Von einer C3- oder C4-Vergütung kann auch eine Alleinerziehende komfortabel leben. Aber nicht nur in den Unternehmen bleibt von den Frauen wenig zu sehen - weil es da auch deutlich schwieriger ist, Mutter und beruflich erfolgreich zu sein - sondern auch in Verwaltung und Hochschule. Der Frauenanteil im höheren Dienst der Bundesbehörden liegt bei 21 Prozent, auf Abteilungsleiterebene stellen Frauen nur 2,1 Prozent des Personals.

In den Unternehmen ist es ähnlich, zumindest bei der Einstellung von Nachwuchskräften. In jeder ordentlichen Firma sitzen in den Traineeprogrammen heute 50 Prozent junge Frauen. Nur zehn Jahre später stehen die meisten - sehr zum Kummer der Personalchefs übrigens - dem Unternehmen nicht mehr zur Verfügung. Mittlerweile ist es sogar so, dass Unternehmen gerne mehr Frauen auf ihren Chefsesseln hätten und sich wundern, wo sie bleiben.

Fazit: Jeder, ob Mann oder Frau muss Verantworung für das eigene Leben übernehmen und jeder Pfad zum privaten Glück ist gleich viel wert, ob er ins Hausfrauendasein oder auf den Vorstandssessel führt. Aber: Frauen müssen sich von der kollektiven Lebenslüge "Die Männer lassen uns nicht" verabschieden. Verweigerung und Schuldzuweisungen führen nicht an die Macht. Ob eine Vorstand wird oder Hausfrau, hat zuvörderst etwas mit den eigenen Entscheidungen zu tun, alles andere ist ein bequeme Illusion.

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