Voraussichtlich hohe Abschreibungen für das vergangene Jahr
Analysten erwarten bei EM.TV tiefrote Zahlen

Die in einer schweren Krise steckende Medienfirma EM.TV will die Bilanz für 2000 jetzt am 30. April veröffentlichen.

cbu MÜNCHEN. Der Abschluss für 2000 war bereits mehrfach verschoben worden. Zuletzt hatte EM.TV bei der Deutschen Börse eine Fristverlängerung um vier Wochen beantragt. Diese Frist läuft am 28. April ab. Da dies ein Samstag ist, gilt auch der folgende Werktag, Montag, 30. April, als fristgerecht, teilte die Deutsche Börse mit.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir diesen Zeitraum ausschöpfen müssen", sagte dazu eine EM.TV-Sprecherin, ohne den Termin zu bestätigen. Eine neuerliche Fristüberschreitung hätte für EM.TV nach Angaben der Deutschen Börse ein Verfahren mit möglicher Geldstrafe zu Folge. Bereits im vergangenen Jahr hatte EM.TV mehrfach Quartalszahlen um bis zu zwei Monate zu spät vorgelegt.

Die Bilanz für 2000 wird mit Spannung erwartet; denn EM.TV will nach den milliardenschweren Zukäufen erstmals eine konsolidierte Bilanz vorlegen. Wirtschaftsprüfer und der neue EM.TV-Finanzvorstand Rolf Rickmeyer arbeiten noch mit Hochdruck an der Bilanz. Analysten erwarten tiefrote Zahlen. Merrill Lynch rechnet mit einem Nettoverlust von rund einer Milliarde DM, was andere Experten nicht für unrealistisch halten. "Es sind viele Fragen offen, die man als Außenstehender nicht beurteilen kann", so ein Analyst.

Im vergangenen Dezember hatte EM.TV mitgeteilt, dass statt eines Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 600 Millionen DM nur noch 50 Millionen Mark erwartet werden. Unmittelbar nach der Gewinnwarnung stieg die Kirch-Gruppe bei EM.TV ein. In der Dezember-Prognose waren die Abschreibungen auf die Zukäufe aber noch nicht berücksichtigt. Diese könnten aber sehr viel höher als die zuletzt angegebenen 300 Millionen Mark ausfallen. So dürfte insbesondere der Kaufpreis für die mit Verlust arbeitende Jim-Henson-Gruppe zu hoch gewesen sein. Auch für die Beteiligung an der Formel- Eins-Holding SLEC gibt es unter Umständen Abschreibungsbedarf. Dazu kommt, dass offenbar die Tele-München-Gruppe (TMG), an der EM.TV mit 45 % beteiligt ist, noch keine detaillierten Zahlen geliefert hat.

Auch das operative Geschäft von EM.TV läuft derzeit nicht gut. Bereits in den ersten drei Quartalen 2000 wurde ein dicker Verlust gemacht. Weitere Zahlen für das 1. Quartal 2001 sind am 30. April aber nicht zu erwarten.

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