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Vorbeigehackt

Dank des aktuellen Hollywood-Streifens "Password Swordfish" wissen wir jetzt, wie ein Hacker sich zu verhalten hat.

Jetzt wissen wir also, wie Hollywood sich einen Hacker vorstellt. Im schmuddeligen T-Shirt sitzt er durchtrainiert, braungebrannt und mit modischer Kurzhaarfrisur vor sieben Hightech-Monitoren und setzt im Rechner einen Zauberwürfel zusammen. Den nennt er dann Wurm, also eine Art Virus, der sich selbstständig verschickt.

Schade nur, dass ein Wurm völlig ungeeignet ist für das konkrete Vorhaben des Kontoplünderns. Wenn überhaupt, wäre ein Trojaner geeignet, um den 9-Mrd.-$-Betrag auf einen Schlag verschwinden zu lassen. Und damit nicht genug: Zuvor will das Hochsicherheitssystem der Bank geknackt werden, und so muss unser Hacker in "Password Swordfish" eine Verschlüsselung überwinden, im Filmdeutsch eifrig und ahnungslos als Enkryption übersetzt.

Was den Zuschauer des Streifens, der derzeit in den deutschen Kinos läuft, am meisten gruselt, ist indes nicht die Handlung. Sondern das hanebüchene Gehabe des kernigen Hackers, dessen Art und Schauspielkunst irgendwie an Sunnyboy Mark Keller in der vergleichbar unsäglichen ARD-Vorabendserie "Sterne des Südens" erinnert. Im Film aber hat der Hackerstar ein süßes Leben. Denn natürlich schaut zuweilen eine Schönheit bei ihm vorbei, liefert Inspiration nicht nur für den Gehirnschmalz. Und als unser Freund den Code knackt - mit 128 Bit am untersten Ende des Standards angesetzt - bekommt er doch in der Tat eine Art geistigen Orgasmus und tanzt eine Runde für uns vor seinen Monitoren. Ei, wie fein, ei, wie dämlich.

Dass Hollywood nichts dagegen hat, die Realität ein wenig zu interpretieren, ist ja bekannt. Englische Kriegshelden erhalten da, wenn es der Sache dient, schon mal Stars and Stripes an die Uniform geheftet wie im Film "U-571". Auch in "Password Swordfish" scheren sich die Amis wenig um europäische Befindlichkeiten: Ein Kollege des Helden, ein Hacker namens Axel Thorwald und eindeutig Finne, darf bei der Einreisekontrolle einen klassisch deutschen, grünen Reisepass vorzeigen. Wer erwartet da noch, dass die Fakten rund um Rechner und Web auch nur ansatzweise stimmen.

Schreiben Sie dem Autor: b.ewert@vhb.de

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