Vorbereitung ist alles
Beim Bewerbungsgespräch ist eine überzeugende Selbstpräsentation gefragt

Wer trotz guter Qualifikationen immer wieder in Bewerbungsgesprächen scheitert, sollte Ursachenforschung betreiben. Vielen Bewerbern fehlt die Fähigkeit, sich selbst überzeugend darzustellen.

Ein Fall, beispielhaft für viele: Michael S., 32-jähriger Diplom-Kaufmann, hatte seine sorgfältig gestaltete Bewerbung an einen Automobilhersteller geschickt. Da er sich durch überdurchschnittliche Studienleistungen und gute Referenzen aus seinen bisherigen Arbeitsverhältnissen profilieren konnte, wurde er zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Dort konnte Michael S. auf die Fragen des Personalleiters fundiert antworten.

Trotzdem wurde er das Gefühl nicht los, wieder einmal, wie schon bei zwei vorhergehenden Bewerbungen, keinen Erfolg zu haben. Tatsächlich erhielt er wenig später eine Absage - und war ratlos. Ein Kommunikationstrainer hatte nach einem simulierten Vorstellungsgespräch nicht viel Mühe mit der Diagnose: Michael S. mangelt es an der Fähigkeit, sich überzeugend darzustellen - ein Defizit, das viele Bewerber an der letzten Hürde, dem Vorstellungsgespräch, scheitern lässt.

Wer seinen erstklassigen Lebenslauf in Totengräberstimmung vermittelt, hat keine Chance. Ähnlich geht es Kandidaten, die zwar auf einen neuen Job heiß sind, das Vorstellungsprozedere aber eher widerwillig über sich ergehen lassen. Sie reagieren nicht selten gereizt, gelangweilt, gleichgültig. Völlig anders geht da Peter P. zur Sache. Der Deutsche studiert Journalismus in den USA. Nach Abschluss des Studiums möchte er nach Europa zurückkehren und für eine namhafte Presseagentur oder einen bekannten Fernsehsender arbeiten. Bevor er seinen "Beruf fürs Leben" gefunden hatte, verlief der Werdegang von Peter P. etwas holprig. Doch das kann er begeisternd schildern. Schließlich ist auch der abgeklärteste Interviewpartner hingerissen von dem bewegten Lebenslauf.

Alles eine Frage der Argumentation

Worin besteht die Kunst der überzeugenden Selbstpräsentation? Zunächst sollte der Bewerber die eigene berufliche Biografie als eine geplante Abfolge von Stationen und Phasen vortragen können, die auf Ziele fixiert und von Erfolgen gekrönt waren. Von besonderer Bedeutung ist die überzeugende Darstellung der vermeintlichen Bruchstellen in der beruflichen Biografie. Der Bewerber sollte einleuchtend begründen, warum er ein Unternehmen verlassen oder das Aufgabengebiet gewechselt hat.

Die Erfolge können durchaus subjektiver Natur sein. Da hat sich ein Kandidat im Arbeitgeber oder der Branche vergriffen. Der negativ gepolte Kandidat gibt in gemäßigter Stimmung zu verstehen, dass er sich im Arbeitgeber getäuscht hat oder keine Entwicklungsmöglichkeiten sah. Für den positiven Bewerber war der Branchenwechsel die beste Entscheidung seines Lebens. Er wechselte, um seine Qualifikation und Erfahrung effektiver einsetzen zu können. Und so sei es auch gekommen, schließt er seine Begründung plausibel ab.

Schon bei Fragen nach einzelnen Stationen im Lebenslauf fängt die gekonnte Selbstpräsentation an: Die Schilderung sollte über die bloße Wiedergabe der Fakten aus dem schriftlichen Lebenslauf hinausgehen. Motive und Erfahrungen des Bewerbers, vorteilhafte Feedbacks und die eigenen Gefühle sollten erkennbar werden.

Meist hilft nur Training, Training, Training

Neben den fachlichen sollten Schlüsselqualifikationen dargestellt werden können. Gefragt sind keine langweiligen theoretischen Ausführungen zu Kommunikationsfähigkeit oder Kundenorientierung. In guten Antworten schildern Bewerber, wie sie Mitarbeiter motivierten, einen Topkunden von einer Produktlösung überzeugten oder den Konflikt mit dem Vorgesetzten gemanagt haben. Werden authentische Lebens- und Arbeitssituationen wiedergegeben, taut selbst der stocksteife Bewerber auf. Der sollte sich allerdings vorher überlegen, was er präsentieren will. Wer mit Wut im Bauch seinen Arbeitgeber verlassen möchte, neigt dazu, den Personaler als sozialen Mülleimer zu benutzen. Mit der Schilderung von Problemen beim alten Arbeitgeber läuft jeder Bewerber ins offene Messer.

Fazit: Die Kunst der Selbstpräsentation besteht letztlich darin, positive Persönlichkeitsmerkmale und berufliche Erfolge im Vorstellungsgespräch zu vermitteln. Konkrete authentische Situationen sollten in angemessener Form, also in der goldenen Mitte zwischen Selbstüberheblichkeit und Selbstbescheidung vermittelt werden. Der offensive Strahlemann, der mit überzogenem Selbstbewusstsein jegliche Zweifel vom Tisch fegt, ist sicherlich nicht überall gefragt. Am einfachsten haben es Naturtalente. Sie überzeugen in jedem Vorstellungsgespräch. Alle anderen tun sich schwerer. Hier hilft nur eines: Trainieren! Das beste Training ist das reale Vorstellungsgespräch. Nach einigen Misserfolgen merkt der kritische Bewerber, wo es lang geht und wächst mit der Anzahl der Gespräche.

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