Vorbereitung unterschiedlich
Handel bleibt skeptisch gegenüber Dosenpfand

Zwei Wochen vor der Einführung des Dosenpfands herrscht im Handel, an Tankstellen und Verkaufsständen große Unsicherheit darüber, wie das System funktionieren soll.

Reuters BERLIN. Ein Experte des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) sagte Reuters am Dienstag, er rechne mit einem "absoluten Chaos" und hohen Umsatzeinbußen auf Bahnhöfen, Flughäfen und Autobahnraststätten. Der Einzelhandel bereitet sich nach eigenen Angaben derzeit auf ein Pfandsystem vor.

Unklar ist aber weiter, wie die Rücknahme geregelt wird und in wie weit Einweggetränke aus den Regalen genommen werden. Der Einzelhandelskonzern Aldi Nord war zum Wochenbeginn vorgeprescht und hatte angekündigt, Bier in Dosen und Einwegflaschen aus dem Sortiment zu nehmen. Der Deutsche Brauerbund (DBB) und der Verband deutscher Mineralbrunnen (VDM) erklärten, bei Getränkeabfüllern und Zulieferindustrie seien 20.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Unklar ist auch, ob das Bundesverfassungsgericht das Dosenpfand doch noch vor Jahresbeginn stoppt. Eine Sprecherin sagte, das Gericht werde noch in dieser Woche einen Termin nennen, zu dem es eine Entscheidung zum Einweg-Pfand bekannt geben wird. Umweltverbände und Mehrweglobby wollen indes mit Wettbewerbsklagen und Testkäufen das Pfand durchsetzen. Ab dem 2. Januar soll mit bundesweit 4000 Probekäufen bei Supermärkten und Tankstellen die Einführung des Pfands überprüft werden. Bei Verstößen drohen Geldbußen bis zu 250 000 Euro.

Tengelmann: Einweg bleibt im Sortiment

Bei den Unternehmen war der Stand der Vorbereitung auf das Dosenpfand unterschiedlich. "Wir arbeiten gerade an einer Individuallösung, die auf eine Pfandmarken gestützte Pfandabgabe hinauslaufen wird", sagte eine Sprecherin der Tengelmann-Kette auf Anfrage. Man plane aber nicht, Einweggetränke aus den Regalen zu nehmen: "Wir überlegen gerade, wie wir das Pfand am besten umsetzen können, aber an eine Auslistung denken wir nicht."

Beim Metro-Konzern war keine Auskunft zu erhalten, ob eine Auslistung von Einweggetränken erwogen wird. "Wir werden uns in Kürze detailliert äußern", sagte ein Sprecher. Auch bei der Handelskette Spar mit ihren bundesweit 3000 Filialen ist nach Firmenangaben noch keine endgültige Entscheidung für ein Pfandsystem gefallen. Neben Aldi Nord hatte auch Edeka angekündigt, ein Teil seiner bundesweit 10.000 Läden werde Einweggetränke ganz oder teilweise aus dem Sortiment nehmen. DBB und VDM erklärten, viele Getränke-Firmen meldeten wegen Lieferstopps Kurzarbeit an.

Tankstellen-Verband druckt Pfandmarken

Der Bundesverband Tankstellen und gewerbliche Autowäsche (BTG) in nach Angaben seines Marketingleiters Bernd Kramer seinen Mitgliedern angeboten, Pfandmarken für die Rücknahme von Verpackungen drucken zu lassen. "Die Aufträge laufen derzeit ein", sagte Kramer Reuters. Derzeit ließe sich aber nicht sagen, wie viele BTG-Mitglieder ein Marken-System einführen oder auf Einweg verzichten wollten.

Stichproben bei Tankstellenbetreibern in Berlin ergaben eine große Verunsicherung bei den Unternehmern. "Ich habe keine Vorstellung, wie das funktionieren soll", sagte Tankstellen- Pächter Günter Stolze. Der Dosenverkauf mache einen großen Teil seines Umsatzes aus: "Darauf kann ich nicht verzichten." Er wisse nicht, wo er zurückgenommene Dosen lagern solle. Auch der Berliner Tankstellenpächter Michael Nicke sieht logistische Probleme: "Ich kann doch nicht die ganze Tankstelle mit Dosen vollstellen." An anderen Tankstellen gab es ähnliche Kommentare.

Umsatzrückgänge befürchtet

Der Verband Dehoga sieht ab Januar große Probleme auf die Verkaufsstände an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfe, Flughäfen und Autobahnraststätte zukommen. "Das Dosenpfand wird anfangs vorwiegend bei den kleinen Verkaufsständen zu einem absoluten Chaos führen", sagte Frank Schreiner vom Fachbereich Verkehrsgastronomie. Es gebe keinen Platz, um die zurück gegebenen Verpackungen zu lagern. Außerdem seien Reisende nicht an Pfand-Verpackungen interessiert, die an Verkaufsstellen zurückgegeben werden müssten. "Wir werden in ganz vielen Bereichen einen deutlichen Umsatzrückgang spüren", sagte Schreiner voraus. Getroffen würden vor allem die kleinen Mittelständler. Allein an den Bahnhöfen in Deutschland gebe es rund 4500 Verkaufsstellen.

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