Vorbereitungen auf 2.Liga
Bayer versucht kontrollierte Notlandung

Bayer Leverkusen will nach dem Sturzflug in der Champions League nun in der Fußball-Bundesliga die Notlandung schaffen.

HB/dpa LEVERKUSEN. "Das hat keiner vorgehabt und sich vorgestellt. Es ist bitter, dass dies das letzte Spiel war", sagte Kapitän Carsten Ramelow nach dem 0:2 gegen Inter Mailand, dem 101. und für unabsehbare Zeit letzten Europacup-Spiel. Nun hofft der Nationalspieler, dass das Ende der europäischen "Tour der Leiden" zum Gewinn im Bundesliga-Existenzkampf wird: "Wenn es so wäre, werde ich keine Träne weinen und die Champions League gerne abhaken."

Glanz und Elend in der Meisterklasse lagen selten so dicht beieinander wie bei den Leverkusenern. 308 Tage nach dem glanzvollen Finale gegen Real Madrid verabschiedete sich der deutsche Vizemeister als erster Club ohne einen Punktgewinn und mit den meisten Gegentoren aus der Zwischenrunde. "Wir waren im letzten Jahr im Finale, nun hat sich alles ins Gegenteil verkehrt. Aber so ist es im Leben: Mal Sonnenschein, mal ist es dunkel", resümierte Manager Reiner Calmund. Bayer - das seit 1986/87 nur drei Mal nicht im Europacup vertreten war - will sich so schnell wie möglich zurückmelden. "Ich verspreche: Es wird keine sieben mageren Jahre geben", sagte Calmund.

Vorwürfen, dass Bayer auf Grund der Bundesliga-Notlage und den zuletzt kläglichen Auftritten gegen das Fair Play in der Gruppe A verstoßen habe, begegnete die Werkself mit viel Engagement. "Dass wir 90 Minuten gezogen haben, war für mich das Positivste", meinte Chefcoach Thomas Hörster mit Blick auf das Gastspiel beim 1. FC Kaiserslautern am Samstag. Die Achillesferse bleibt aber die Abwehr. Das 0:1 durch den blitzschnellen Nigerianer Akinwunmi Martins (36.) sei durch eine "Anhäufung von Fehlern" entstanden und das 0:2 durch Emre in der Schlussminute "typisch für unsere Situation".

Wer am Boden liegt, hat kein Glück und lechzt nach Rückenstärkung - die der gehaltene Elfmeter von Bayer-Keeper Jörg Butt (45.) nur kurzfristig gab. "Wir brauchen Erfolgsmomente, sei es ein gehaltener Elfmeter oder ein Tor", weiß Hörster. Dass er die drei von ihm betreuten Champions-League-Partien nicht mit voller Leistung angehen konnte, bedauerte er am Ende: "Sicher, ist das schade. Doch ich musste das Beste aus der Situation machen. Es war ein Balanceakt." Kein Verständnis für die Kritik an den Leverkusenern, die auch gegen Mailand auf sechs Stammkräfte verzichteten, hat DFB-Teamchef Rudi Völler: "Wenn der AC Mailand und Manchester United die besten Spieler schonen, sagt keiner etwas." Auch Inter-Coach Hector Cuper, dessen Team zusammen mit dem FC Barcelona (2:0 bei Newcastle United) ins Viertelfinale einzog, konnte keinen Makel feststellen: "Wir haben von Bayer nichts geschenkt bekommen, ganz bestimmt nicht."

Geschenke wird der Bundesliga-15. selbst in den verbleibenden acht Pflichtspielen nicht erwarten dürfen. "Wir haben nur noch Endspiele. Wenn wir diesen Kampfgeist und Willen weiter abrufen und dran bleiben, können wir es schaffen", hofft Ramelow, der am Donnerstag 29 Jahre alt wurde und mit seinem Einsatz ein Vorbild war. "In dieser Situation muss man aus sich herausgehen, doch da sind jetzt auch andere Spieler gefordert", betonte der Nationalspieler. Dass der Brasilianer Lucio, der am Donnerstag nach langer Verletzungspause aus seiner Heimat zurückkehrte, als Hoffnungsträger im Bundesliga-Endspurt angesehen wird, hält Ramelow für verfrüht. "Wir freuen uns, wenn er bei uns in der Kabine sitzt. Aber wir dürfen nicht zu viel über ihn reden, das schafft nur Alibis", warnte er.

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