Vorbereitungen auf einen Krieg
USA verstärken Militärpräsenz am Golf

Im US-Verteidigungsministerium hieß es in der Nacht zum Samstag, es würden bald rund ein Dutzend Militärmaschinen auf Basen und Flugzeugträger in der Golf-Region und im Indischen Ozean verlegt, wo bereits 350 US-Kampfflugzeuge stationiert sind.

rtr WASHINGTON. Saudi-Arabien widersetze sich dem Wunsch der USA, einen Stützpunkt als Kommandozentrale bereitzustellen, hieß es weiter. Dies könne zu wochenlangen Verzögerungen führen. Der Koordinator der EU-Außenpolitik, Javier Solana, erwartete keinen umfangreichen Einsatz von NATO-Bodentruppen bei einer militärischen Reaktion der USA auf die Anschläge.

Ari Fleischer, der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, sagte in Washington: "Der Präsident hat es überaus deutlich gemacht, dass diese Nation sich auf einen Krieg vorbereitet." Bush habe dies auch der radikal-islamischen Taliban-Regierung Afghanistans mitgeteilt.

Entsendung schwerer Bomber

Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete weiter, es sei auch die Anordnung zur Entsendung von schweren B-1- und B-52-Bombern sowie von Elite-Einheiten der Streitkräfte in die Region um Afghanistan erteilt worden. Ein General der Luftwaffe sei bereits in der Region, um einen Militärschlag zu steuern. Nach Angaben aus den Kreisen ist ein dritter Flugzeugträger auf der Fahrt in Richtung Mittelmeer. Tankflugzeuge vom Typ KC-135 hätten eine Luftbrücke gebildet, um die aus den USA an den Golf und zum Indischen Ozean beorderten Bomber in der Luft auftanken zu können. Irland und Indien, die nicht der NATO angehören, boten an, auf ihrem Gebiet US-Flugzeuge auftanken zu lassen.

Dreizehn britische Kriegsschiffe durchquerten den Suez- Kanal, um an Manövern im Golf teilzunehmen. Wie die britische Botschaft in Kairo mitteilte, sind die gemeinsamen Manöver mit dem Golf-Emirat Oman lange geplant gewesen. Sie hätten nichts mit dem US-Truppenaufmarsch am Golf zu tun.

Bin Laden als Hauptverdächtiger

Die Taliban-Regierung hatte die US-Forderung nach Auslieferung des moslemischen Extremisten Osama bin Laden am Freitag abgelehnt. Bin Laden, dem die Taliban Gastrecht gewähren, wird von den USA als Hauptverdächtiger für die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon bei Washington am 11. September genannt. Bush hatte am Donnerstagabend in einer Rede vor dem Kongress die Taliban nachdrücklich aufgefordert, Bin Laden und alle Anführer seiner Organisation El Kaeda auszuliefern. Andernfalls würde sie dasselbe Schicksal ereilen wie die Bin-Laden-Gruppe.

Widersprüchliche Berichte der Taliban-Regierung über einen Flugzeug-Abschuss im Norden des Landes sorgten am Samstag für Verwirrung. Der Botschafter der Taliban im pakistanischen Islamabad, Mullah Abdul Saleem Saeef, sagte Reuters, es handele sich um ein unbemanntes Flugzeug, das offenbar Luftaufnahmen gemacht habe. Nach Angaben des Informationsministeriums in Kabul wurde ein Hubschrauber der im Norden operierenden Opposition abgeschossen. Dies dementierte ein Sprecher der Nordallianz.

Wie aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete, widersetzt sich die Regierung in Riad dem Wunsch der USA, auf dem saudiarabischen Luftwaffenstützpunkt "Prinz Sultan" eine Kommando-Zentrale für einen Militärangriff einzurichten. Dadurch seien die US-Militärplaner gezwungen, die Zentrale in einem anderen Land einzurichten. Saudi-Arabien und Pakistan sind die einzigen Länder weltweit, die die Taliban-Regierung in Kabul anerkennen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die die Regierung bislang auch anerkannt hatten, brachen die diplomatischen Beziehungen zur Taliban-Regierung ab. Die VAE begründeten ihre Entscheidung mit der Weigerung der Taliban, Bin Laden auszuliefern.

Pakistan will nach Angaben des Außenministeriums in Islamabad seine Beziehungen zu Afghanistan aufrechterhalten. Pakistan drängte die Taliban, die schwierige Situation zu überdenken und Bin Laden einem Gericht zu übergeben, wie es der UNO-Sicherheitsrat bereits vor den Anschlägen verlangt hatte.

Solana sagte der italienischen Tageszeitung "La Repubblica", die NATO-Erklärung zur Beistandsverpflichtung nach den Anschlägen in den USA sei eine solidarische Handlung gewesen. Er rechne aber nicht damit, dass die Beistandsklausel vollständig angewandt werde. Es werde eine abgestimmte Auswahl von Zielen geben, als Teil ausgewählter Operationen. "Einige Länder werden sich daran beteiligen, aber nicht alle", fügte Solana hinzu. Die EU hatte am Freitag auf einem Sondergipfel ihre Solidarität mit den USA untermauert. Vergeltungsschläge der USA gegen die Urheber der Anschläge vom 11. September bezeichnete der Gipfel in einer Erklärung als legitim.

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