Vorbereitungen für drohende Zahlungsunfähigkeit
Mobilcom-Aufsichtsrat tritt überraschend zusammen

Der Aufsichtsrat des angeschlagenen Mobilfunkanbieters Mobilcom ist am Dienstag überraschend zusammengetreten. Aus Finanzkreisen verlautete, dass dabei Vorbereitungen für den Fall der Zahlungsunfähigkeit getroffen werden sollten.

Reuters HAMBURG. Entgegen Erwartungen aus Unternehmenskreisen trat Mobilcom an diesem Dienstag noch nicht den Gang zum Insolvenzgericht an. Bei einer Insolvenz stehen 5000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch sagte, das Kontrollgremium solle über den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen Hauptaktionär und Unternehmensgründer Gerhard Schmid und der Bundesregierung in Kenntnis gesetzt werden. Weder Aufsichtsratschef Klaus Ripken noch Vorstandschef Thorsten Grenz wollten am Rande der Sitzung Angaben zur Tagesordnung des Treffens machen. Grenz sagte der Nachrichtenagentur Reuters lediglich: "Wir glauben an ein gutes Ende." Er bekräftigte die Aussage des Unternehmenssprechers, Mobilcom werde am Dienstag definitiv nicht Insolvenz anmelden. Ripken sagte auf die Frage, ob eine Insolvenz noch verhindert werden könne: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Mobilcom kann nur durch ein bereits mit Anteilseigner France Telecom, Lieferanten, Banken und der Bundesregierung ausgehandeltes Finanzpaket in Milliardenumfang vor der Insolvenz gerettet werden, wenn Schmid seine Anteile auf einen Treuhänder überträgt. Allerdings wird die Rettung des Büdelsdorfer Unternehmens wegen der weiterhin fehlenden Einigung zwischen Schmid und der Bundesregierung über die Treuhänderschaft immer schwieriger. Am Freitag läuft zudem eine von den Banken bereits mehrfach verlängerte Frist zur Begleichung von 4,7 Milliarden Euro UMTS-Krediten aus. Der Kurs der Mobilcom-Aktie sackte wegen der weiter ungewissen Zukunft des Unternehmens ab.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte am Dienstag auf die Frage, ob es ein Einlenken oder ein Ergebnis in den Verhandlungen gebe, dies sei nicht der Fall. Zugleich lehnte Clement erneut die ihm von Schmid angetragene Vermittlerrolle in den Verhandlungen ab und forderte den Mobilcom-Gründer stattdessen zum Kompromiss auf. "Herr Schmid muss sich entscheiden. Die Zeit wird immer enger - viel enger, als sie im Moment ist, kann sie gar nicht mehr werden."

Eine Sprecherin des Mobilcom-Gründers sagte zum Verhandlungsstand am Nachmittag, die Gespräche würden zwischen allen Beteiligten in verschiedenen Kombinationen weiter geführt. "Man müht sich weiter", sagte sie.

Das Eintreten der Zahlungsunfähigkeit war bereits in der vergangenen Woche erwartet worden, doch konnte Mobilcom einen Insolvenzantrag bisher vermeiden. Als Grund dafür nannte Quaritsch erneut sparsames Wirtschaften. Unumstritten ist aber, dass Mobilcom das Geld langsam ausgeht. Die Büdelsdorfer Firma zehrt nach wie vor von einer ihr im September von der Bundesregierung vermittelten Soforthilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) von 50 Millionen Euro, benötigt aber dringend neue Liquiditätszufuhr.

In der Belegschaft nahm nach Angaben der Belegschaftsvertretung die aggressive Stimmung gegen Schmid zu. Ein Betriebsratsmitglied sagte: "Wenn Schmid nicht unterschreibt, kleben an seinen Händen 5000 Arbeitsplätze. Börsianer erklärten das Absacken der Mobilcom-Aktie am Dienstag mit der zunehmenden Angst vieler Anleger vor einer Insolvenz. Bislang hätten die Investoren darauf spekuliert, dass die Mobilcom-Rettung zu Stande komme. Diese Hoffnung schwinde inzwischen allerdings, sagte Klaus Baumann von SES Research in Hamburg. Die Frage sei nun, ob beim Eintreten der Insolvenz die bereits ausgehandelte Gesamtlösung für Mobilcom in Gefahr gerate. Die am Neuen Markt notierte Mobilcom-Aktie verlor 5,5 Prozent auf 3,94 Euro.

Im Rahmen der milliardenschweren Rettungsaktion soll Mobilcom durch France Telecom weitgehend entschuldet werden und von mehreren Banken einen Überbrückungskredit von 162 Millionen Euro erhalten, um sein Kerngeschäft im Festnetz zu sanieren sowie den Stellenabbau zu finanzieren. Über die Übernahme von rund sieben Milliarden UMTS-Schulden hinaus ist France Telecom dem von der Bundesregierung als Vermittler eingesetzten ehemaligen Thyssen-Chef Dieter Vogel zufolge bereit, die Kosten für das Einfrieren der UMTS-Aktivitäten zu übernehmen. Diese Kosten werden auf 200 bis 300 Millionen Euro geschätzt.

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