Vorbereitungen laufen auf Hochtouren
Riester Rente: Versicherer erwarten reiche Ernte

Auf die Versicherungsbranche wartet das größte Geschäft aller Zeiten: Das Geschäft mit der Riester Rente. Die Vorbereitungen der Versicherungskonzerne laufen auf Hochtouren. Die Allianz schmiedet gemeinsam mit der Dresdner Bank den weltweit drittgrößten Finanzkonzern. Die Axa Colonia gründete eigens für den boomenden Riester-Markt eine Bank, und auch die Universa erwartet ein florierendes Neugeschäft.

DÜSSELDORF. Auf den Hauptversammlungen und Bilanzpressekonferenzen der drei Versicherungskonzerne Allianz, Axa Colonia und Universa berichteten die Vorstandschefs am Dienstag über den Stand der Vorbereitungen. Besonders Allianzchef Schulte-Noelle geriet über das Rentengeschäft der Zukunft ins Schwärmen. Wichtig ist für ihn die noch ausstehenden Fusions-Zustimmung der Dresdner Aktionäre.

Allianz und Dresdner: Riester-Produkte für 20 Millionen Kunden

Durch die Übernahme der Dresdner Bank enteht der weltweit drittgößte Finanzkonzern, der nach der Genehmigung der EU-Kommission Vermögen in Höhe von einer Billionen Euro verwalten wird. Im Riesters Rentenmarkt will sich die Allianz gemeinsam mit der Dresdner Bank als Allfinanzkonzern positionieren. Denn, "mit dem Zusammenschluss reagiert die Allianz auf die Rentenreform in Deutschland", erklärte Schulte-Noelle. "Die Riester-Rente schafft einen riesigen Markt für private Altersvorsorgeprodukte." Die 20 Millionen Kunden von Allianz und Dresdner Bank könnten künftig Versicherung, Vermögensaufbau und Altersvorsorge aus einer Hand bekommen.

Gemeinsam hätten Allianz und Dresdner eine noch bessere Ausgangsposition, um die Chancen zu nutzen, die sich böten. "Und die sind enorm", sagte Schulte-Noelle. Bei Fonds erwarte die Allianz bis 2004 ein jährliches Durchschnittswachstum von 17 Prozent. Anlagen in Aktien würden voraussichtlich um 14 Prozent, Lebensversicherungen um neun Prozent steigen. "Und das ist konservativ gerechnet."

Am stärksten werden die Deutschen in Fonds investieren, ist sich der Allianzchef sicher. Weil Fonds meist über die Banken vertrieben werden, "brauchen wir den vollen Zugriff auf die Bankfilialen", so Schulte-Noelle weiter. Nach der Übernahme erwarte er eine Verdreifachung des Lebensversicherungsgeschäfts über die Dresdner Bank". Zudem blieben die hohen Gewinne beim Verkauf von Lebensversicherungen über den Banktresen künftig im Konzern. Abgelaufene Lebensversicherungen würden künftig weniger an der Allianz vorbei wieder investiert werden.

Finanzvorstand Paul Achleitner berichtete, dass das bis Freitag befristete Tauschangebot an die Aktionäre bisher gut angenommen worden sei. In den letzten zwei Tagen rechne er noch einmal mit einem starken Ansturm. Das Ergebnis werde nächste Woche bekannt gegeben. Nach einer Umfrage der "Süddeutschen Zeitung" bei Banken haben bis zu 90 % der Aktionäre das Angebot bereits genutzt.

Axa Colonia macht Vorsorge "zum herausragenden Geschäftsfeld"

Der Versicherungskonzern Axa Colonia besitzt bereits seit Januar 2001 eine eigene Bank. Das Kreditinstitut wurde von der Frankfurter Bo­den­kreditbank und von der däni­schen Nykre­dit A/S erworben. Mit diesem Schritt sei das Geschäft mit Altervorsorge-Produkten schnell und deutlich gestärkt worden, teilte Axa-Chef Claus-Michael Dill auf der Hauptversammlung mit. Das Vorsor­gegeschäft werde in den nächsten Jahren der Wachstumsmotor im Versiche­rungs- und Finanzdienstleistungsbereich sein und soll nach den Worten von Dill bei der Axa Colonia "zum herausragenden Geschäftsfeld" ausgebaut werden. Im heiß umkämpften Riester-Markt ist Kundenbindung auch für Axa das zentrale Element. Diese werde mit der Axa Bank "als Plattform erreicht", da der Konzern seine Angebote durch Investment- und Finanzprodukte ergänzt habe.

Seit dem 1. Juli betreibe die Axa Bank eine Depotadministration. Die von der Versicherung vertriebenen Investmenfondanteile könnten somit nun auch in einem Depot bei der Axa Bank verwaltet werden. In wenigen Wochen werde die Axa Bank auch die Vermögensverwaltung auf Fondsbasis für Privarkunden aufnehmen, berichtete Dill. Der Konzern biete Le­bens- und Rentenversicherungen, Investmentfonds, Bankprodukte, Bausparen, be­triebliche Altersversorgungs­formen und private Krankenversicherungen gleichwertig neben­einander an. Für die Riestersche Rentenreform habe der Konzern schnell und aktuell Angebote ent­wickelt. Der Konzern registriere im Vertrieb täglich großes Interesse an Produkten. So seien zwei "Riester-Fähige"-Produkte entworfen worden, die seit Mai angeboten würden.

Universa rechnet mit starkem Zuwach im "Neugeschäft"

Auch die Universa Versicherung erwartet durch Riester-Rente vor allem einen starken Zuwach im Neugeschäft, sagte Universa-Vorstand.Axel Meder im Gespräch mit Handelsblatt.com. Hier sei das Unternehmen auf der Suche anch neuen Partnerschaften mit Banken. Der bisherige Vertrieb von Vorsorgeprodukten über Bank-Kooperationen werde im Gegensatz zu der neuen Geschäftsstrukturrierung der Allianz und der Axa aber beibehalten. Für Übernahmen fehlten der Universa die finanziellen Mittel. Dennoch rechne das Unternehmen durch die Riester-Rente mit einem Zuwachs des Neugeschäftsvolumens in Höhe von 50 %, so Meder weiter. Für die Rentenreform habe der Konzern schnell und aktuell Angebote ent­wickelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%