Vorbericht
Gewinne der Großbanken im Rückwärtsgang

Wieder einmal hat das zweite Halbjahr seine Tücken für die deutschen Großbanken bereitgehalten. Die stark kapitalmarktabhängigen Institute weisen mehr oder weniger deutliche Ergebniseinbußen auf. Die Zahlen von Deutscher Bank und Commerzbank liegen vor, Dresdner und Hypo-Vereinsbank folgen heute und morgen.

HB FRANKFURT/M. Die starke Zuwendung zum Investment-Banking, das oftmals nahezu als Heilsbringer angesehen wird, birgt auch seine Tücken: In schlechten Kapitalmarktzeiten werden Börsengänge abgesagt und Emissionen auf die lange Bank geschoben. Währungen geraten ins Rutschen, Investoren halten sich mit Aufträgen zurück und die stark provisionsabhängigen Investment-Banken geraten in Schwierigkeiten. Diese Entwicklung hat sich bereits im dritten Quartal 2000 für die deutschen Großbanken angedeutet und verfestigt sich nun für das letzte Quartal des Geschäftsjahres.

"Über das Gesamtjahr rede ich erst, wenn das dritte und das vierte Quartal gelaufen sind", zeigte sich Deutsche Bank-Chef Rolf-E. Breuer noch im Sommer ungewohnt zurückhaltend für den deutschen Branchenprimus. Denn bereits 1999 hatte der Einbruch in den letzten beiden Quartalen den Banken die Ergebnisse verhagelt. Auch das Jahr-2000-Ergebnis der deutschen Großbanken zeigt im zweiten Halbjahr wiederum heftige Bremsspuren.

Allerdings ist das Ausmaß unterschiedlich. Die Deutsche Bank zum Beispiel hat die Turbulenzen im zweiten Halbjahr noch relativ gut verkraftet, konnte es sich sogar leisten, einige Sonderabschreibungen vorzunehmen. Der Jahresüberschuss lag mit 581 Mill. Euro nur um 10 Mill. Euro unter dem des dritten Quartals. Der Vorsteuergewinn ging aber im Vergleich zum Vorquartal um 20 % zurück und die Kosten stiegen erheblich an. Breuer führte das vergleichsweise gute Abschneiden der Deutschen Bank auf die nicht so starke Ausrichtung seine Instituts auf das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions) zurück.

Die Commerzbank dagegen hatte im vierten Quartal einen operativen Verlust in Höhe von 98 Mill. Euro auszuweisen. Provisionsüberschuss, Handelsergebnis und Finanzanlageergebnis brachen allesamt kräftig ein. Auch für das dritte Frankfurter Institut, die Dresdner Bank, wird mit einem Einbruch des Ergebnisses im vierten Quartal gerechnet. Heute werden die Zahlen vorgelegt. Analysten rechnen mit einem operativen Verlust von bis zu 300 Mill. Euro, da nicht davon auszugehen sei, dass sich die Dresdner dem Abwärtssog der Finanzmärkte entziehen konnte. Noch im November hatte Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz positive Stimmung verbreitet, indem er sagte, der Oktober sei besser gelaufen als erwartet.

Problematisch für die Dresdner scheint vor allem der starke Anstieg der Kosten auch im weiteren Jahresverlauf zu sein. Analysten von Julius Bär rechnen mit einer Verschlechterung der Aufwand-Ertrag-Relation in den kommenden Jahren auf rund 71 % in 2002 nach 64,8 % in 1999. Allerdings ist diese nur zum Teil auf das eigentliche Geschäft zurückzuführen. Denn die Dresdner schleppte rund 900 Mill. Euro an Sonderlasten durch das vergangene Jahr, die in Form von Bleibeprämien für die Investmentbanker der Dresdner Kleinwort Wasserstein aus der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank herrühren.

Daneben dürften sich auch die Probleme der Hypothekenbank-Tochter Deutsche Hyp belastend auswirken. Mit 615 Mill. Euro ist die Risikovorsorge der Deutschen Hyp rund 500 Mill. Euro höher als ursprünglich geplant. Die Aktie der Dresdner Bank beendete die letzte Woche relativ schwach und präsentierte sich gestern kaum verändert. "Da ist schon einiges vorweggenommen worden", sagte ein Händler.

Analysten erwarten für das vierte Quartal der HypoVereinsbank AG trotz sinkender Risikovorsorge einen um 20 Prozent niedrigeren Vorsteuergewinn von 419 Millionen Euro vor Steuern. Im ganzen Jahr 2000 wird der Gewinn nach den Prognosen jedoch fast zweieinhalbmal so hoch ausfallen wie in dem noch von Immobilienrisiken belasteten Jahr 1999. Skeptisch zeigen sich die Experten auch, ob die Münchner ihre selbst gesteckten Ziele - einen Bruttogewinn von mindestens 2,2 Mrd. Euro - erfüllen können. Allerdings werden zahlreiche außerordentliche Faktoren, wie der Verkauf des Anteils an der niederländischen Foreign & Colonial und die Konsolidierung der Bank Austria, erst im Jahr 2001 bilanzwirksam.

Die deutschen Großbanken reagieren auf die Entwicklungen mit einem Umbau ihrer Konzerne. Deutsche Bank und Commerzbank stellen sich künftig in zwei Einheiten - eine für das Investment-Banking und das Firmenkundengeschäft, die andere für Privatkunden und Vermögensverwaltung - den Herausforderungen des Marktes. Die Dresdner Bank wird ihre sechs Divisionen weiter autonomisieren und die Hypo-Vereinsbank bündelt ihr ertragsschwaches Hypothekenbankgeschäft in einer neuen Tochter. Die Restrukturierungsmassnahmen der deutschen Großbanken werden aber erst in den kommenden Jahren Verbesserungen auf der Ertragsseite bringen, meine die Experten. Im laufenden Jahr sei eher mit höheren Aufwendungen zu rechnen.

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