Vorbeugen ist besser als heilen
Verluste von heute können bald bares Geld wert sein

Der kluge Anleger sorgt vor. Es ist abzusehen, dass der Fiskus der Steuerhinterziehung durch nicht deklarierte Spekulationsgewinne nicht mehr lange tatenlos zusieht. Wohl dem, dessen Spekulationsgewinne dann steuerfrei bleiben, weil er mit Verlustvorträgen vorgebaut hat. Wenn nicht jetzt, wann dann?

rrl DÜSSELDORF. Beispiel Deutsche Telekom: Wer am Jahresanfang einstieg, hat bei Kursen um 20 Euro rund zwölf Euro eingebüßt. Dass damit ein Tiefpunkt vor einer Kurserholung erreicht sein könnte, spricht nicht gegen den Verkauf, sondern dafür - wenn die deutsche Volksaktie sofort wieder gekauft wird. Wer so handelt, baut Verlustvorträge auf und ist wieder am möglichen Kursgewinn beteiligt. "Kein Gestaltungsmissbrauch", bringt Stephan Rahmen, Steuerexperte von HSBC Trinkaus, auf den Punkt, worüber sich Bankenvertreter und Finanzverwaltung mittlerweile einig sind. Der Trick gewinnt zusätzlichen Charme durch das Halbeinkünfteverfahren. Für die Deutsche Telekom wie für alle deutschen Aktien fließen die Verluste in diesem Jahr noch voll in einen Verlustvortrag ein. Ein Spekulationsgewinn im nächsten Jahr, mit welcher Aktie auch immer, wird nur zur Hälfte gegengerechnet.

Die Strategie, eine Aktie zurückzukaufen, macht allerdings nur Sinn, wenn man von ihrem Kurspotenzial überzeugt ist. Sonst gilt die alte Weisheit: Verluste begrenzen. Denn das Trostpflaster Verlustvortrag gleicht die tatsächlichen Verluste niemals aus. Nicht vergessen: Bei Kauf und Verkauf von Aktien fallen Gebühren an.

Übrigens: Die Spekulationsfrist für Bonusaktien aus dem zweiten Börsengang der Telekom endet am 30.8.01. Als Anschaffungswert ist von 43,40 Euro auszugehen. Doch wer exakt die Differenz zwischen 43,40 Euro und dem Kurs am Verkaufstag als Verlust realisieren will, muss nachweisen, dass er diese Bonusaktien und keine anderen Telekomaktien verkauft hat. Das dürfte schwer fallen. Verluste können nämlich nur für Papiere geltend gemacht werden, die sicher innerhalb der Spekulationsfrist verkauft wurden. Werden Papiere aus mehreren Tranchen verkauft, wird der Verlust auf Basis des Durchschnittskaufkurses gebildet.

Ein Rechenbeispiel:

Und so rechnet das Finanzamt: Kauf von 100 xy-Aktien am 1.8.00 zu 100 Euro, einen Monat später weiterer 50 zu 120 Euro und am 1.10. nochmals 50 zu 140 Euro. Am 20.8.01 werden 150 xy-Aktien zu 50 Euro verkauft. Steuerliche Verluste können nur für 50 Aktien geltend gemacht werden. Der Durchschnittskaufkurs beträgt 130 Euro, der Verlust 4 000 Euro (50 x 80 Euro). Wären die ersten Aktien am 25.8.00 gekauft worden, betrüge der Verlust 17 250 Euro (150 x Durchschnittskurs 115). Die Rechnung: (100 x 100 + 50 x 120 + 50 x 140) : 200 = 115.



Einen Ausweg gibt es. Wer Aktien eines Unternehmens zu unterschiedlichen Terminen und Kursen kauft, verteilt sie auf mehrere Depots und kann damit immer Datum und Kurs exakt abgrenzen. Allerdings lohnt sich der hohe Aufwand nur bei großen Tranchen, denn für die Depotverwaltung fallen häufig Mindestgebühren an.

Ein Blick ins Depot zeigt: Verluste hat es in sehr vielen Märkten gegeben. Wo Aktienindizes in die Tiefe rauschten, zogen sie Indexzertifikate und indexnahe anlegende Fonds gleich mit. Nemax-50-Zertifikate und an diesem Index orientierte Fonds büßten seit Jahresbeginn um die 60 Prozent ihres Wertes ein. Wer zur gleichen Zeit auf Biotech-Fonds setzte, liegt um 30 Prozent daneben. Internet-Fonds-Zeichner wären darüber glücklich, beklagen doch manche 70 Prozent Wertverlust.

Getroffen hat es auch Investoren in Argentinien-Anleihen - beispielsweise mit rund 20 Prozent Minus für einen in D-Mark aufgelegten, 2003 fälligen Neun-Prozenter. Verlustbringer waren auch High-Yield-Fonds. Sie bescherten ihnen mit hochverzinslichen Unternehmensanleihen seit Januar bis zu 20 Prozent Verlust.

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