Vorerst keine Aufstockung der Mitsubishi-Beteiligung
Daimler prüft höheren Hyundai-Anteil

Der Autohersteller Daimler-Chrysler wird in Asien möglicherweise bald eine weitere Karte ausspielen. Seit wenigen Wochen hält der deutsch-amerikanische Konzern die Option in den Händen, seine Anteile am koreanischen Partner Hyundai und dem japanischen Autobauer Mitsubishi aufzustocken.

HB FRANKFURT. Doch nach Angaben aus Unternehmenskreisen werde Daimler die Möglichkeit in nächster Zeit nur bei den Koreanern prüfen. "Hyundai werden wir uns demnächst anschauen", sagte ein hochrangiger Manager des Konzerns am Rande der IAA. Mitsubishi sei dagegen vorerst kein Thema.

Daimler-Chrysler würde damit seine Position in Fernost weiter ausbauen. In Asien muss der Konzern dringend wachsen. 25 % des Konzernumsatzes sollen eines Tages aus Asien kommen, derzeit liegt die Quote noch im einstelligen Prozentbereich. "Wenn Daimler in Asien wachsen will, müssen sie wohl den Anteil an Hyundai erhöhen", sagte ein Auto-Analyst. Eine Aufstockung um 5 % sei allerdings "keine so große Sache".

Bislang hält Daimler-Chrysler 10,5 % an der Hyundai Motor Group und verfügt seit Anfang dieses Monats über die Möglichkeit, ihre Beteiligung weiter auf 15,5 % aufzustocken. Hyundai hat sich zu einem lohnenden Investment für die Stuttgarter entwickelt. Die Wachstumsraten der Koreaner sind ansehnlich. Vor allem ein kräftiges Exportwachstum verhalf dem Hyundai-Konzern im zweiten Quartal zu einem Gewinnsprung um 86 % auf rund 428 Mill. Euro netto. Auch in der zweiten Jahreshälfte wird der Gewinn nach Ansicht vieler Analysten weiter wachsen, obwohl das Unternehmen jüngst durch einen langwierigen Streik erhebliche Produktionsausfälle hinnehmen musste.

Noch seien zwar keine entsprechenden Signale aus Stuttgart gekommen, betonte ein Hyundai-Manager. Eine Aufstockung der Daim ler-Anteile könnte jedoch ein profitables Geschäft sein.

Eine Aussicht, die Mitsubishi Motors dem Chef von Daimler Jürgen Schrempp dagegen momentan nicht bieten kann. Daimler-Chrysler hält zwar rund 37,1 % an dem viertgrößten japanischen Autohersteller und besitzt das Recht, seit Anfang des Monats diese Beteiligung zu erhöhen.

Im Gegensatz zu den hochprofitablen Koreanern schleppt Mitsubishi-Chef Rolf Eckrodt aber noch immer einen immensen Schuldenberg von insgesamt rund 6 Mrd. Euro vor sich her. Eine rasche Übernahme der Japaner würde das Rating des Stuttgarter Autokonzerns verderben, da Daimler-Chrysler den hochverschuldete Hersteller in der Konzernbilanz konsolidieren müsste. Schrempp hat deshalb längst intern klar gemacht, dass weitere Schritte bei Mitsubishi erst anstehen, wenn deren "Bilanz und operatives Ergebnis okay sind".

Der Zeitpunkt einer Übernahme hängt damit wesentlich vom Erfolg der Sanierungsarbeit von Eckrodt ab, glauben Analysten. Doch die musste gerade erst wieder einen Rückschlag hinnehmen: Im laufenden Jahr wird Mitsubishi Motors wegen zunehmender fauler Kredite in Nordamerika hinter seinen ursprünglichen Gewinnzielen zurückbleiben. Die mangelnde Zahlungsmoral der überwiegend jungen US-Kundschaft und der Absatzeinbruch in den USA machten Mitsubishi einen Strich durch die Erfolgsrechnung: Das operative Ergebnis werde auf 60 Mrd. Yen (rund 440 Mill. Euro) von 83 Mrd. Yen ein Jahr zuvor zurückgehen, musste das Unternehmen im Juli einräumen.

Eckrodt reagierte zwar bereits und wechselte die Spitze der US-Finanzierungstochter und des Nordamerika-Geschäfts aus. Doch Experten glauben, dass sich die geschäftliche Trendwende bei Mitsubishi wegen der faulen Darlehen um mehr als zwei Jahre verzögern könnte.

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