Archiv
Vorfreude bei Klinsmann - Ballack warnt vor Hurra-Stil

Es kommen die Besten der Besten, doch für Jürgen Klinsmann ist der Rekord-Weltmeister Brasilien der ideale Auftaktgegner für den Aufbruch zu neuen Ufern.

dpa BERLIN. Es kommen die Besten der Besten, doch für Jürgen Klinsmann ist der Rekord-Weltmeister Brasilien der ideale Auftaktgegner für den Aufbruch zu neuen Ufern.

"Ich wünsche mir für meine Heimpremiere nichts mehr, als dass die Mannschaft mit ihrer Art zu spielen bei den Fans ankommt. Wenn der Funke überspringt, werden wir einen tollen Fußballabend erleben", sagte der neue Bundestrainer und schürte 24 Stunden vor dem Anpfiff des Fußball-Klassikers im ausverkauften Berliner Olympiastadion die Vorfreude: "Ich bin total davon überzeugt, dass es eine Bombenstimmung wird."

Beim Abschlusstraining in der umgebauten Arena von 1936 machten Klinsmann & Co erstmals mit jener Stätte Bekanntschaft, die sie in 22 Monaten als Weltmeister verlassen wollen. "Endlich können wir in diesem wundervollen neuen Stadion spielen. Da prickelt es", meinte Klinsmann, der in Einzelgesprächen nach und nach jene informierte, die gegen Brasilien auflaufen dürfen. Ihnen gab er mit auf den Weg, keine Angst vor großen Namen zu zeigen und wie schon beim 3:1-Sieg in Österreich mit Power-Fußball dagegen zu halten.

"Wir wollen aggressiv in die Zweikämpfe gehen, einen offensiven Rhythmus finden und die Räume eng machen. Wenn wir diese Dinge beherzigen, tut sich jeder Gegner auf der Welt schwer", versicherte der 40-Jährige, der sich sichtlich darum bemühte, die eigenen Reihen und vor allem die Verlegenheits-Abwehr um Frank Baumann und Frank Fahrenhorst stark zu reden. "Die Situation ist super, es ist toll, gegen solche Leute zu spielen", meinte er über das Duell der Bremer Innenverteidiger gegen Brasiliens Weltklasse-Sturmduo Ronaldo und Adriano. "Natürlich habe ich Respekt vor solch einer Mannschaft, aber ich mache sie nicht noch größer. Letztendlich kochen auch diese Leute nur mit Wasser", betonte Klinsmann.

Im Gegensatz zum scheinbar grenzenlos euphorischen Coach spielt bei seinen Führungskräften eine gehörige Portion Skepsis mit, ob der gegen die zweitklassigen Österreicher praktizierte Hurra-Stil auch gegen einen Kontrahenten vom Format Brasiliens aufgehen wird. "Er will das von uns sehen und er verlangt es. In wieweit es funktioniert, wird man sehen", meinte der neue Kapitän Michael Ballack über Klinsmanns Vorgabe und warnte: "Mit Brasilien kommt ein anderes Kaliber auf uns zu."

Der Rekord-Weltmeister trainierte nach dem 3:1-Sieg über Bolivien in der südamerikanischen WM-Qualifikation in bester Laune im Olympiastadion. Trainer Carlos Alberto Parreira kündigte an, er werde auch gegen die deutsche Mannschaft seine erste Elf ins Rennen schicken. "Die haben gegen Bolivien ihre Pflichtaufgabe erfüllt. Sie sprühen vor Lebensfreude und guter Stimmung", meinte Klinsmann.

Der Trainer will eine Formation ins Rennen schicken, die seine offensive Grundeinstellung unterstreicht. Vor der unerfahrenen Vierer-Abwehrkette soll Torsten Frings die Kreise von Brasiliens "Zauberer" Ronaldinho vom FC Barcelona einengen. Zur Seite stehen ihm in Ballack, Bernd Schneider und Sebastian Deisler gleich drei Mittelfeld-Spieler, die ihre Vorzüge in der Offensive haben.

Die Rückkehr Deislers nach einjähriger Länderspiel-Abstinenz wollte Klinsmann zwar offiziell noch nicht bestätigen. Doch das Zeugnis, das er dem 24-jährigen Münchner nach fünf gemeinsamen Trainingstagen ausstellte, spricht für die Stammelf: "Er ist gut drauf, hat Spaß beim Training und außerhalb. Es ist einfach schön zu sehen, dass er sich wohlfühlt." Im Angriff gelten der gebürtige Brasilianer Kevin Kuranyi und Gerald Asamoah als erste Wahl.

Ob sie die seit vier Jahren anhaltende "schwarze Serie" gegen große Nationalmannschaften im elften Anlauf beenden können, bleibt abzuwarten. Auch die Bilanz gegen Brasilien macht nicht gerade Mut. In 18 Länderspielen gab es lediglich drei Siege, zuletzt im November 1993 beim 2:1 in Köln. Danach folgten drei Niederlagen, die schmerzlichste war das 0:2 vor gut zwei Jahren im WM-Finale von Yokohama. Ein Mutmacher ist dagegen die Berliner Bilanz der DFB-Auswahl. Die letzten neun Spiele in der Hauptstadt beendete die deutsche Mannschaft nach regulärer Spielzeit ohne Niederlage. Die letzte Niederlage liegt bereits 31 Jahre zurück - der Gegner damals hieß Brasilien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%