Vorgänger hoch erfreut: Jutta Limbach neue Präsidentin des Goethe-Instituts

Vorgänger hoch erfreut
Jutta Limbach neue Präsidentin des Goethe-Instituts

Mit der Juristin Jutta Limbach wird erstmals eine Frau an der Spitze des Goethe-Instituts stehen. Das zwölfköpfige Präsidium des Goethe-Instituts Inter Nationes wählte am Donnerstag die 67 Jahre alte Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts zur Nachfolgerin von Hilmar Hoffmann (76), der nach neunjähriger Amtszeit nicht mehr kandidierte.

dpa MÜNCHEN. Limbachs Amtszeit als Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts läuft offiziell am 31. März aus. Ihr neues Amt als Chefin des Goethe-Instituts wird sie am 1. Mai übernehmen.

Zu Vize-Präsidenten wurden Volker Doppelfeld (Aufsichtsratschef BMW) und Klaus-Dieter Lehmann (Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz) gewählt. Zusammen mit dem amtierenden Generalsekretär Joachim-Felix Leonhard und den insgesamt vierköpfigen Vorstand werden sie das neue Führungsteam des Goethe-Instituts Inter Nationes bilden.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) begrüßte die Wahl von Jutta Limbach. Sie sei auf Grund ihrer langen Erfahrung im politischen und öffentlichen Bereich hervorragend geeignet, die erfolgreiche Arbeit des Goethe-Instituts fortzuführen. Fischer dankte ausdrücklich dem scheidenden Präsidenten Hoffmann, "der seit 1993 in diesem Amt auch in Zeiten knapper Mittel Großartiges geleistet hat". Das Goethe-Institut sei ein wichtiger Bestandteil der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Auch Hoffmann zeigte sich von seiner Nachfolgerin hoch erfreut: "Mit Jutta Limbach haben wir einen erstklassigen Griff getan. Als höchste Richterin des Landes und zupackende Politikerin wird sie den Berliner Sparkommissaren sicher gut Paroli bieten können." Hoffmann, der am Freitag von Bundespräsident Johannes Rau offiziell verabschiedet wird, hatte sich immer vehement gegen den Berliner Sparkurs gewehrt. Neben den Erfolgen etwa beim Aufbau der Institute in Mittel- und Osteuropa hätten vor allem die starken Mittelkürzungen und der damit verbundene Zwang zum Rückzug von vielen Standorten zu Rückschlägen geführte, bemängelte er. In einem dpa-Gespräch forderte Hoffmann, die auswärtige Kulturpolitik zur Säule Numero eins der Außenpolitik zu machen.

Generalsekretär Leonhard betonte das hohe fachliche Ansehen der neuen Präsidentin: "Frau Limbach ist eine ausgewiesene Expertin in einem Schlüsselthema unseres Hauses, nämlich in Menschenrechtsfragen. Ihre Wahl darf getrost auch als inhaltlich-politisches Signal verstanden werden."

Die am 27. März 1934 geborene Berlinerin begann ihre erste Karriere 1971 mit ihrer Berufung als Rechtsprofessorin an die Freie Universität - zu einer Zeit, als die juristischen Fakultäten noch fest in Männerhand waren. In den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte die Sozialdemokratin schließlich 1989, als sie zur Berliner Justizsenatorin ernannt wurde - kurz bevor der Fall der Mauer gerade in Berlin eine Reihe schwieriger juristischer Probleme aufwarf. Limbach setze sich damals entschieden für eine strafrechtliche Verfolgung der DDR-Regierungskriminalität ein.

Eines ihrer Lieblingsthemen blieb auch in Karlsruhe, wo sie seit 1994 an der Spitze des obersten deutschen Gerichts steht, die Gleichberechtigung der Frauen. Doch bei aller Sympathie für eine gezielte Frauenförderung hat Limbach, die selbst drei Kinder großgezogen hat, eines immer wieder deutlich gemacht: "Ohne Selbstbehauptungswillen kommt eine Frau in unserer Gesellschaft nicht voran." Als erste Frau an der Spitze der größten Mittlerorganisation für auswärtige Kulturpolitik wird Jutta Limbach ihre eigene Einschätzung schon bald umsetzen können.

Das seit 50 Jahre bestehende Goethe-Institut verfügt für seine 140 Einrichtungen in 76 Staaten über einen Etat in Höhe von rund 250 Mill. Euro (487 Mill. DM), wovon 66 Mill. Euro (130 Mill. DM) durch Eigeneinnahmen aufgebracht werden. Vor einem Jahr fusionierte das Goethe-Institut mit dem ebenfalls vom Bund geförderten Kulturverein Inter Nationes.

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