Vorgeschmack auf die dritte Mobilfunkgeneration
Mobilfunkgesellschaft TIM startet in das mobile Internet

TIM hat an diesem Wochenende, nach einer langen Phase technischer Experimente, einen Feldversuch mit 200 Kunden gestartet.

Handelsblatt ROM. "Über UMTS redet hier zurzeit niemand. GPRS ist für uns das wichtigste Thema." Beim mit über 21 Millionen Kunden größten Mobilfunkbetreiber Europas, Telecom Italia Mobile (TIM), gibt man sich angesichts der Möglichkeiten des neuen Netzstandards GPRS (General Packed Radio Service) fast schon euphorisch. Denn viele der Leistungen, die gemeinhin mit der dritten Generation der Mobiltelefonie, also UMTS, in Verbindung gebracht werden, kann man mit GPRS heute bereits haben.

TIM hat an diesem Wochenende, nach einer langen Phase technischer Experimente, einen Feldversuch mit 200 Kunden gestartet. Sie werden in den kommenden zwei bis drei Monaten das neue Netz testen, wovon man sich Aufschluss über das Nutzungsverhalten erhofft. Auf den Massenmarkt sollen die Super-Handies Ende des Jahres geworfen werden. Bereits davor versprechen die Konkurrenten Omnitel und Wind die neuen Angebote unters Volk zu bringen, wobei Omnitel sich zunächst auf Geschäftskunden konzentrieren will.

Mit GPRS können bis zu 170 kbit pro Sekunde transportiert werden

Was kann man sich also von GPRS erwarten? Zunächst einmal einen schnellen mobilen Internetzugang. Während die Übertragungsrate von Daten beim derzeit aktuellen GSM-Netz höchstens 9,6 Kilobit pro Sekunde beträgt, kann man mit GPRS bis zu 170 kbit pro Sekunde transportieren. Im Normalbetrieb, so TIM, werden es etwa 50 kbit pro Sekunde sein - eine Geschwindigkeit wie im ISDN-Netz. Das bedeutet: der mobile Internet-Zugang ist nicht mehr langsamer als bei einem Computer, der an das Festnetz angeschlossen ist. Die ewigen Wartezeiten bei Wap-Handies, die Daten per GSM-Netz übertragen, gehören dann der Vergangenheit an. Daneben kann GPRS noch mehr. Bei herkömmlichen Handies ist es nicht möglich, neben einem Telefongespräch auch im Internet zu surfen, weil pro Gerät nur ein Übertragungskanal zur Verfügung steht. Bei GPRS-Telefonen kann man dagegen parallel sprechen und surfen. Deshalb beurteilt man bei TIM das GPRS als Evolution der zweiten Mobilfunkgeneration auf dem Weg zur dritten. "Wir werden jetzt viele Informationen über die künftige Nutzung der UMTS-Netze bekommen", so eine Unternehmenssprecherin.

Unklar ist bislang, wie hoch die Rechnungen für die neuen Verträge ausfallen werden. Fest steht nur, dass die Gebühren künftig nicht mehr auf Basis der Verbindungszeiten berechnet werden, sondern auf Basis der Menge der übertragenen Daten. "Wir müssen die Technologie noch zwei Monate testen, um zu wissen, wie eine sinnvolle Tarifstruktur aussehen kann." TIM erhofft sich, wie die anderen Mobilfunkbetreiber auch, durch das starke Wachstum im Datentransfer die Preissenkungen für Gesprächsgebühren ausgleichen zu können.

Bereits ohne GPRS scheint das dem Unternehmen recht gut zu gelingen. Im ersten Halbjahr legte der Umsatz für so genannte Mehrwertdienste (Datentransfer, E-mails, SMS) um 192,4 % auf umgerechnet 270 Mill. DM zu. Damit machen sie bereits 3,75 % des gesamten Geschäfts aus. Dieser Anteil soll bis 2002 auf 16 % steigen. Technische Partner von TIM für den GPRS-Netzaufbau sind Ericsson und Siemens. Beim Handy handelt es sich um ein Motorola Timeport 260, das für GPRS entwickelt wurde.

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