Vorgezogene Aufträge sollen vor Schließung bewahren
Schröder versucht sich als Job-Retter

Der Kanzler lässt sich einmal mehr als Retter von bedrohten Arbeitsplätzen feiern. Ammendorf scheint gesichert - durch Aufträge der Bahn, auf die Schröder offenbar "sanften" Druck ausgeübt hat.

bag/ek/gof/ink/huh DÜSSELDORF. Mit Großaufträgen der Deutschen Bahn soll das in Bedrängnis geratene Waggonbauwerk Halle-Ammendorf vor der Schließung gerettet werden. In Gewerkschaftskreisen hieß es, Bundeskanzler Gerhard Schröder habe massiven Druck auf Bahn-Chef Hartmut Mehdorn ausgeübt, um den zum kanadischen Bombardier-Konzern gehörenden Standort zu sichern. "Der Kanzler hat die Bahn geprügelt", sagte der IG-Metall-Chef von Berlin, Brandenburg und Sachsen, Hasso Düvel, dem Handelsblatt. Aus dem Kanzleramt hieß es dagegen, Mehdorn habe sich geweigert, feste Zusagen über Auftragsvergaben zu machen.

Die Bahn werde "etliche Aufträge" vorziehen, die bis 2006 erteilt werden sollten, so Düvel, zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Bombardier/DWA. Unter dieser Voraussetzung könne sich die Lage in Ammendorf bis 2004 wieder stabilisieren. Allerdings sei in diesem Jahr mit Kurzarbeit zu rechnen. Eine Sprecherin der kanadischen Bombardier-Zentrale sagte jedoch, trotz der Rettung des Standorts würden in diesem Jahr bis zu 20 % der insgesamt 900 Ammendorfer Arbeitsplätze abgebaut.

Schröder hat bisher stets beste Erfahrungen mit spektakulären Rettungsaktionen dieser Art gemacht: Im November 1999 ließ er sich als Retter des wankenden Bauriesen Philipp Holzmann AG feiern: Seine Umfragewerte stiegen daraufhin steil an. Im Januar 1998, damals noch als niedersächsischer Ministerpräsident, stoppte Schröder den Verkauf der Preussag-Stahlsparte - heute Salzgitter AG - an den österreichischen Voest-Alpine-Konzern. Demoskopen gehen davon aus, dass dieser Coup entscheidend für den überragenden Wahlsieg Schröders in Niedersachsen gewesen ist, der ihm den Weg zur Kanzlerkandidatur der SPD ebnete. In Berlin wird vermutet, dass Schröders Intervention in Ammendorf vor dem Hintergrund der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im April, die als wichtiger Stimmungstest für die Bundestagswahl gilt, zu sehen ist.

Bei der Bahn hieß es gestern, bei dem Treffen zwischen Mehdorn und Schröder sei "nichts Unsittliches und nichts EU-Widriges" vereinbart worden. Gleichwohl erklärte ein Bombardier-Sprecher, der Konzern erwarte in jedem Fall "ein großes Auftragsvolumen" aus dem im vergangenen Dezember angekündigten 10 Milliarden Euro schweren Investitionsprogramm der Bahn zur Erneuerung des Fahrzeugparks. Mit Rücksicht auf laufende Verhandlungen könne er aber keine Einzelheiten nennen.

Bei den Wettbewerbern des Verkehrstechnik-Riesen wird die politische Rettungsaktion mit großer Skepsis aufgenommen. Man werde die Auftragsvergabe der Bahn sehr kritisch beobachten, hieß es. Ein Top-Manager sprach von einem "Skandal": In den Standort seien bereits vergeblich Milliardenbeträge zur Rettung der Arbeitsplätze geflossen, doch zu erwarten sei nur ein "Tod auf Raten".

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