"Vorhersagen sind so schwierig wie lange nicht"
Greenspan erwartet keinen Ölpreis-Schock

Greenspan räumte aber ein, dass die Kriegsgefahr die Unsicherheit an den Märkten weltweit erhöht habe.

Reuters LONDON. Der Ölpreis werde im Zuge eines Militärschlags der USA gegen Irak wahrscheinlich nicht so stark steigen wie während des Golfkriegs Anfang der 90er Jahre, sagte Greenspan am Mittwoch nach einer Ansprache vor der Society of Business Economists in London. Zudem müsse ein Ölpreis-Schock heutzutage deutlich kräftiger ausfallen als damals, um sich negativ auf die Wirtschaft auszuwirken.

An den Finanzmärkten waren in den vergangenen Wochen Sorgen aufgekommen, ein Krieg im Irak könnte sich auf den gesamten Nahen Osten ausdehnen und zu Öl-Versorgungsengpässen führen. Diese Befürchtungen ließen den Ölpreis bereits auf ein Jahreshoch knapp unter 30 $ steigen. Auch die Fed hatte am Dienstag nach ihrer Zinssitzung vor gestiegenen geopolitischen Risiken für die US-Konjunktur gewarnt, den Leitzins aber unverändert bei 1,75 % belassen.

Greenspan räumte am Mittwoch ein, dass die Weltwirtschaft derzeit mit einer Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren zu kämpfen habe. Dies mache es außerordentlich schwierig, aussagekräftige Prognosen zu treffen. "Wir befinden uns in einer Zeit, in der Vorhersagen so schwierig sind wie lange nicht", erklärte der Fed-Chef, der am Donnerstag von der britischen Königin Elizabeth II. wegen seiner Verdienste um die Stabilität des globalen Finanzsystems zum Ehrenritter geschlagen werden soll.

Er sei sich aber sicher, dass die US-Wirtschaft nicht in eine erneute Rezession abgleiten werde, sagte Greenspan weiter. Die weltgrößte Volkswirtschaft erholt sich derzeit nur schleppend von der Rezession des vergangenen Jahres. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) annualisiert um 1,1 % gewachsen nach 5,0 % im ersten Vierteljahr.

Die Weltwirtschaft bezeichnete der einflussreichste Notenbanker der Welt als widerstandsfähig. Dies zeige insbesondere die Entwicklung der US-Konjunktur während der vergangenen zweieinhalb Jahre. "Trotz der Auswirkungen des Wertverlusts von acht Billionen $ am Aktienmarkt, des scharfen Rückgangs der Investitionen und natürlich der tragischen Ereignisse vom 11. September 2001 hat sich unsere Wirtschaft stabil gehalten.

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