Vorjahr war sehr erfolgreich
Weniger Videospiele unter dem Weihnachtsbaum

Nachdem das Weihnachtsgeschäft 2000 überdurchschnittlich erfolgreich gewesen ist, präsentieren die großen Konsolenhersteller zwar Neuerscheinungen, sparen den deutschen Markt aber vorerst aus. Uhren- und Schmuckbranche hofft auf Weihnachten

rtr FRANKFURT. Auch in diesem Jahr werden zum Christfest wieder Rennen gewonnen, Gegner gejagt, Punkte gesammelt, Siedlungen gegründet oder Monster vernichtet. Videospiele gehören zu den häufigsten Geschenken der Deutschen an Weihnachten. Experten glauben aber nicht daran, dass die Branche in diesem Jahr an die Erfolge des vergangenen anknüpfen kann. Denn einerseits sei das Weihnachtsgeschäft 2000 wegen des Verkaufes der Playstation-2 von Sony überdurchschnittlich erfolgreich gewesen. Und andererseits bringen die großen Konsolenhersteller zwar Neuerscheinungen, sparen den deutschen Markt dabei aber vorerst aus.

"Insgesamt werden die Bundesbürger in diesem Jahr wohl 1,5 Mrd. DM für Videokonsolen ausgeben, sagt Ronald Schäfer, Geschäftsführer des Verbandes der Unterhaltungssoftware Deutschland (VUD). "Im vergangenen waren es noch zwei Mrd. DM." Damit sei das Jahr 2000 besonders erfolgreich gewesen. In den Jahren davor habe der Hardware-Umsatz durchschnittlich bei 1,7 bis 1,8 Mrd. DM gelegen.

"Der Erfolg des Jahres 2000 lag vor allem an der Playstation-2, die im November neu auf den Markt kam", sagt Schröder. In diesem Jahr werde ein solcher Konsolen-Knüller auf den Ladentischen und unter den Weihnachtsbäumen fehlen. Die Konkurrenten von Sony werden in Deutschland in diesem Jahr keine Konsolen mehr auf den Markt bringen. Sony will diese Lücke nutzen und den Verkauf der Playstation2 in Deutschland noch einmal ordentlich in Schwung bringen. Anfang Oktober senkte das Unternehmen den Preis der Konsole um 200 auf 599 DM. "Am Tag der Preissenkung sind allein 30 000 Exemplare über den Ladentisch gegangen - immerhin fünf Prozent dessen, was wir in diesem Jahr verkauft haben wollen", sagt Manfred Gerdes, Geschäftsführer der deutschen Sony-Tochter Sony Computer Entertainment.

Sonys Vorteil: Die Konkurrenz bringt zwar Produkte auf den Markt, die von den Videospielfans mit Ungeduld erwartet werden und damit gut fürs Weihnachtsgeschäft geeignet sind. Aber in Deutschland kommen die neuen Konsolen erst im Frühjahr auf den Markt.

Gamecube von Nintendo

Eines der neuen Produkte ist der Gamecube von Nintendo. In Japan hat der Verkauf der Konsole bereits begonnen - nach Unternehmensangaben mit großem Erfolg. Im November sollen die USA folgen, dort soll der Gamecube 199 Dollar kosten. Erst im Frühjahr erscheint das Gerät in Europa.

Das zweite neue Modell ist die XBox von Microsoft. Auch der US-Konzern wird den heimischen Markt zuerst bedienen. Voraussichtlich am 15. November wird die X-Box zum Preis von 299 Dollar erstmals in den USA verkauft, nachdem der Start ursprünglich eine Woche früher geplant war. Microsoft geht davon aus, allein am ersten Tag 700 000 X-Boxen zu verkaufen. Im Februar soll dann Japan folgen, und erst zu Ostern Europa. Hier soll die X-Box 479 ? kosten.

Nach Angaben des Verbandes VUD werden in deutschen Haushalten derzeit fünf bis sechs Mill. Konsolen, bei denen spezielle Kleincomputer über den Videokanal an das Fernsehen angeschlossen werden, benutzt. Diesen Markt teilen sich Sony und Nintendo mit 70 bzw. 30 %. Hinzu kämen noch die acht Mill. tragbaren Gameboys von Nintendo - preiswerter als die Geräte für den Heimgebrauch und deswegen eines der Lieblingsspielzeuge von Schülern etwa in Bussen, U-Bahnen und Klassenzimmern. Insgesamt haben alle Konsolen-Produzenten in Deutschland noch Wachstums-Chancen. Denn Deutschland ist nach Angaben eines Microsoft-Sprechers Videospiel-Entwicklungsland. Nur zwölf Prozent der Haushalte verfügen über Videokonsolen. Durchschnittlich seien es in Europa aber 20 und in den USA bereits 40 %.

Frische Software

Eines aber wird das Weihnachtsgeschäft bringen: frische Software. Nintendo, Sony und Microsoft präsentieren neue Spiele für ihre Hardware. Und daneben kommen spezialisierte Softwarefirmen wie Electronic Arts, Activision und Take Two mit neuen Produkten auf den Markt.

Dabei wurden den Angaben zufolge aber viele der Spiele von solchen Szenen befreit, die einen Bezug auf die Anschläge in den USA vom 11. September hergestellt werden könnte. Microsoft will für die X-Box in den USA zudem eine Kontrollfunktion einbauen, mit der Eltern unerwünschte oder gewalttätige Spiele verhindern können. Zudem teilte Microsoft mit, aus der neuen Version seines Computer-Spiels Flight-Simulator die beiden Türme des World Trade Centers herausgenommen zu haben. Andere Spiele sind erst gar nicht erschienen. Sony etwa strich das geplante Spiel Twisted Metal Black von der Liste der geplanten Neuerscheinungen. "Zu mystisch, zuviel Gewalt, zu düster", sagt Geschäftsführer Gerdes.

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