Vorläufige Tiefpunkt einer Krankengeschichte
Rückfall eines Hoffnungsträgers

Bayern-Star Sebastian Deisler begibt sich vor dem wichtigen Champions League-Spiel-Spiel in Turin wieder in psychiatrische Behandlung.

MÜNCHEN. Uli Hoeneß hatte eine düstere Vorahnung, seit einigen Wochen schon. Er habe gespürt, dass es Sebastian Deisler wieder schlechter gehe, sagte der Manager am Montagabend in Turin, wo sich der FC Bayern auf das heutige Champions-League-Spiel gegen Juventus (20.45 Uhr, Sat.1) vorbereitet. "Vor zwei Wochen habe ich ihn angesprochen, aber da hat er gesagt, da ist nichts. Ich bin kein Professor, aber bei dieser Krankheit muss man mit Rückschlägen rechnen." Zu einem solchen ist es nun gekommen. Gestern Nachmittag flog Deisler allein nach München zurück, um sich erneut bei Professor Florian Holsboer in Behandlung zu begeben. Schon im November letzten Jahres hatte sich Deisler bei Holsboer in der Psychiatrie des Max-Planck-Institutes für längere Zeit wegen Depressionen einer Therapie unterzogen. Gleich nach der Ankunft in Turin hatte er Hoeneß und Trainer Felix Magath über seine neuerlichen Beschwerden informiert. Die Mannschaft erfuhr erst beim Abschlusstraining im Stadion delle Alpi von Deislers Rückschlag.

Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer Krankengeschichte, die im August noch beendet schien. Beim Endspiel um den Ligapokal war es, als Deisler in überragender Weise zurück in die Mannschaft des FC Bayern gefunden hatte. Mit zwei Toren und einer Vorlage beim 3:2 gegen Bremen begeisterte Deisler die Zuschauer dermaßen, dass selbst die Fans des Gegners besorgt aufschrien, als sich Deisler nach einem Foul am Boden wand. Die kollektive Besorgtheit, die Deisler damals zuteil wurde, hatte sich jedoch schnell verflüchtigt. Der Nationalspieler war flugs in den schonungslosen Alltag der Hochdruckkammer Bundesliga zurückgekehrt; die anfängliche Freude über seine Rückkehr und wohlwollende Einschätzung seines Schaffens wich einer neutralen Bewertung.

Zu Saisonbeginn fiel diese noch äußerst positiv aus. Nach einigen ansprechenden Auftritten berief Teamchef Jürgen Klinsmann den Mittelfeldspieler in die Nationalmannschaft.

Einer, der die neue Euphorie von Beginn an nicht teilen mochte, war sein Trainer: Schon nach jenem Ligapokal-Endspiel in Mainz begegnete Felix Magath der allgemeinen Verzückung vergleichsweise reserviert. Als Deisler eine Woche später beim Bundesliga-Auftakt in Hamburg ein Tor erzielte, weigerte sich Magath in den Jubelchor einzustimmen und wies stattdessen auf Deislers Eigennützigkeit hin: Er hatte in der ersten Halbzeit aufs Tor geschossen, anstatt einen besser postierten Teamkollegen zu bedienen.

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