Vorläufiger Tiefpunkt
Jan Ullrich: Labiles Genie, Tour-Spezialist und "Netter Junge"

Jan Ullrich schrieb im Juli 1997 ein Kapitel deutsche Sportgeschichte, das ihn zum Boris Becker des Radsports werden ließ. Der gebürtige Rostocker ging als damals 23-Jähriger mit dem ersten Sieg eines deutschen Radprofis bei der Tour de France in die Annalen ein.

dpa BERLIN. Einer Wiederholung dieses Triumphes fuhr der im DDR- Sport-System groß gewordene Ullrich seitdem vergeblich hinterher. Immer wieder machten ihm gesundheitliche Probleme oder Stürze einen Strich durch die Rechnung. Vier zweite Plätze bei der Tour 1996, 1998, 2000 und 2001 belegen aber, dass ihm kein Rennen so liegt wie die Frankreich-Rundfahrt, die er in diesem Jahr wie 1999 absagen musste.

Daneben produzierte Ullrich, der 1993 in Oslo Amateur-Weltmeister geworden war, auch andere Erfolge fast wie am Fließband. 1999 holte er sich bei seinem Debüt auf Anhieb den Sieg bei der Spanien- Rundfahrt. Im Anschluss wurde er in Treviso zum ersten Mal Zeitfahr- Weltmeister. 2000 revanchierte er sich im Anschluss an seine Tour- Demütigung durch Lance Armstrong (USA) durch den Olympiasieg in Sydney. Im Vorjahr holte Ullrich, der ohne Vater aufgewachsen war, in Lissabon zum zweiten Mal den WM-Titel im Zeitfahren.

Sein Triumph von 1997 hatte den inzwischen in Merdingen im Schwarzwald ansässigen Radprofi zum Werbe-Millionär werden lassen. Sein Image als "netter Junge von Nebenan" bekam am 1. Mai 2002 Risse, als ihm nach einer Alkoholfahrt mit Fahrerflucht durch Freiburg der Führerschein abgenommen wurde. Der Frust wegen seiner Knie-Probleme, die ihn zur diesjährigen Tour-Absage gezwungen hätten, seien für diesen Blackout verantwortlich gewesen, hieß es aus der Ullrich- Umgebung.

2002 markiert den vorläufigen Tiefpunkt seiner siebenjährigen Profi-Karriere. Er werde in diesem Jahr wegen seiner Knie-Beschwerden kaum noch Rennen bestreiten können, hieß es am Mittwoch aus Telekom - Kreisen. Damit hätte es Ullrich, der in diesem Jahr mit seiner Lebensgefährtin Gaby ein Haus in Merdingen bezog, lediglich auf zehn Wettkampf-Tage bei der Katar-Rundfahrt im Januar gebracht. Im kommenden Jahr läuft sein hoch dotierter Vertrag bei Telekom aus. Dem Bonner Kommunikations-Riesen wird seit Neuestem eine gewisse Radsport-Müdigkeit nachgesagt.

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