Vorlage der Jahresbilanz verschoben
MyTravel hofft auf Bankenhilfe

Der hoch verschuldete britische Reisekonzern MyTravel verhandelt mit 20 Banken über eine rettende Kreditlinie. Eine Lösung scheint in Sicht. Doch der Mutterkonzern der deutschen FTI hat viel Vertrauen verspielt.

LONDON. Der finanziell schwer angeschlagene britische Reisekonzern MyTravel Plc., bekannt unter seinem früheren Namen Airtours, steht kurz vor einer Einigung mit den Banken. Das zweitgrößte Reiseunternehmen Europas könnte möglicherweise schon heute eine Verlängerung der bis März 2003 laufenden Kreditlinie in Höhe von 250 Mill. £ bekannt geben, hieß es gestern in unternehmensnahen Kreisen. Auf jeden Fall solle noch in dieser Woche eine Lösung gefunden werden. Dafür fehlen nur noch wenige Unterschriften der rund 20 verhandelnden Kreditgeber, zu denen auch Deutsche Bank und Bank of America gehören. MyTravel ist mit rund 1,5 Mrd. Pfund verschuldet. Erwartet wird in London, dass der Konzern bald einen neuen Finanzchef präsentiert. Zudem wird über den Verkauf von Geschäftsteilen spekuliert. Zu MyTravel gehört unter anderem die deutsche Tochtergesellschaft FTI Touristik, die in den vergangenen Jahren hohe Verluste auftürmte. Der von den Briten einst geförderte Expansionskurs endete in tiefroten Zahlen und in der Schließung der eigenen Fluglinie Fly FTI. Der Reiseveranstalter mit Sitz in München will nach radikalem Sparprogramm 2003 wieder in die schwarzen Zahlen kommen. Eine MyTravel-Sprecherin wollte gestern zur Zukunft von FTI keine Stellung nehmen. Firmengründer und Chairman David Crossland hatte den deutschen Markt früher stets als wichtiges Kerngeschäft bezeichnet.

Die Bekanntgabe der MyTravel-Jahresergebnisse war gestern in London wegen der laufenden Bankengespräche abgesagt worden. Sobald eine Einigung mit den Banken erzielt sei, werde der Konzern die Bilanz vorlegen, hieß es. Erwartet wird für das letzte Geschäftsjahr (Ende September) ein heftiger Gewinneinbruch der Briten.

Die gesamte Reisebranche leidet wegen der Konjunkturflaute und der anhaltenden Terrorangst unter Buchungsrückgängen. Der deutsche Konkurrent Thomas Cook, eine gemeinsame Tochter von Lufthansa und Karstadt-Quelle, dürfte am Ende des Jahres einen Verlust nach Steuern von gut 100 Mill. Euro ausweisen. Besser hält sich allein Europas Marktführer Tui, der morgen Zahlen für das dritte Quartal vorlegen wird. Analysten gehen von einem vergleichsweise guten Ergebnis aus. Zwar wird der Umsatz den durchschnittlichen Prognosen zufolge unter dem Resultat des Vorjahresquartals liegen. Das operative Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) erwarten die von Reuters befragten Experten mit 496 Mill. Euro hingegen knapp über dem Vorjahreswert. "TUI hat ganz offensichtlich weniger Probleme als andere", sagte Christian Obst, Touristik-Analyst der Hypo-Vereinsbank. Das Modell, mit der Marke TUI auf Qualität zu setzen, habe funktioniert.

MyTravel indes kämpft neben der Flaute vor allem mit Bilanz- und Kommunikationsproblemen: Der Aktienkurs der Briten war nach der dritten Gewinnwarnung innerhalb weniger Monate um mehr als 80 % eingebrochen. Firmenchef Tim Byrne verlor seinen Posten Mitte Oktober an Peter McHugh. David Jardine gilt nur noch als Finanzchef auf Abruf, nachdem in der Bilanz von MyTravel schwere Buchungsfehler entdeckt wurden. Das Papier, noch vor einem Monat mehr als ein Pfund wert, notiert inzwischen nur noch bei rund 30 Pence. Dabei hatte sich der Kurs in den vergangenen Tagen bereits leicht erholt, nachdem sich Spekulationen auf eine Pleite als voreilig erwiesen. Es gebe Licht am Ende des Tunnels, sagte ein Londoner Analyst. Mit einer neuen Kreditlinie könne dem Konzern der Neustart gelingen. Anleger sind allerdings nach wie vor beunruhigt darüber, dass MyTravel mit einer weiteren Bilanzüberraschung aufwarten könnte.

Darüber hinaus gibt es Marktgerüchte, dass der Konzern einige seiner Touristikmarken verkaufen könnte. Die beiden Online-Rivalen Lastminute.com und Ebookers haben bereits Interesse an den Konzernmarken Bridge und Cresta angemeldet. Die Veranstalter bieten Spezialurlaube und Wochenendtrips an und würden nach Einschätzung von Marktexperten gut zu den expandierenden Internetanbietern passen.

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