Vormittagshandel
Euro mit deutlichen Kursgewinnen zum Dollar

Analysten erwarten eine weitere Erholung der Gemeinschaftswährung deutlich über der Marke von 0,88 $.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat am Montagmorgen weitere Kursgewinne gegen den $ erzielt und sein in Fernost erreichtes zwischenzeitliches Hoch überboten. Analysten erwarten eine weitere Erholung der Gemeinschaftswährung deutlich über der Marke von 0,88 $. Im Tokioter Handel hatte der Euro ein Hoch von 0,8804 $ erreicht und damit das Kursniveau vom 2. Oktober. "Im Moment spricht niemand vom Aufwärtspotenzial des Euro, das wirkt sich positiv aus, auch wenn die Händler der Erholung noch nicht so recht trauen", sagte Wolfram Hartmann vom Research-Unternehmen Cognitrend. Nun sei Platz bis zu Kursen von 0,8840 und 0,8865 $.

Der Euro notierte gegen 10.20 Uhr MEZ mit 0,8822/25 $. Zum Yen schwächte sich die Gemeinschaftswährung etwas ab und lag mit 0,9730 Yen rund einen halben Yen unter dem im Tokio erreichten Drei-Monats-Hoch von 97,90 Yen.

Abkühlung der US-Konjunktur

Der Euro hatte bereits in der vergangenen Woche rund fünf Prozent zum $ aufwerten können. Grund waren mehrere Wirtschaftsdaten, die auf eine merkliche Abkühlung der Konjunktur in den USA schließen ließen. Unter anderem deswegen waren auch die US-Aktienmärkte mehrmals kräftig eingebrochen. Kapital wurde daraufhin in den USA in sichere Staatsanleihen umgeschichtet, aber auch aus dem Dollar-Raum aus Sorge vor Kursverlusten abgezogen. In Japan schichteten Anleger Kapital in europäische und amerikanische Staatsanleihen um.

Volkswirte warnten jedoch, die Aufwärtsbewegung des Euro könne schnell wieder ins Gegenteil umschlagen, sollten einige US-Konjunkturdaten doch wieder für ein anhaltend robustes Wachstum sprechen oder die derzeit vermutete "Wachstumsdelle" in der Euro-Zone länger anhalten. "Von einer Trendwende beim Euro kann man noch nicht sprechen. Die Kursgewinne sind mit Vorischt zu genießen, auch wenn es erste Anzeichen für einen höheren Kapitalzufluss in die Euro-Zoen gibt", sagte etwa der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner.

Günstiges Umfeld für Erholung des Euro

Analyst Hartmann von Cognitrend, einem Unternehmen das verhaltensorientierte Kapitalmarktanalyse betreibt, sieht derzeit ein günstiges marktpsychologisches Umfeld für eine anhaltende Erholung des Euro. Dass derzeit noch keine Euphorie über die Aufwärtsbewegung der Währung ausgebrochen sei, wirke positiv, da solche Beschwörungen am Markt eine Trotzreaktion und Euro-Verkäufe auslösen könne. Von den Marktpositionen her gebe es derzeit kaum Euro-Verkäufer. Der Europäischen Zentralbank (EZB) rät Hartmann zum Stillhalten. "Der Markt hat jetzt die Chance, sich am eigenen Schopf herauszuziehen", sagte er. Sollte die EZB erneut am Devisenmarkt intervenieren, könne sie kurzfristig die Kurserholung zwar beschleunigen. Zugleich fordere sie jedoch wieder die Spekulanten heraus. Die Markterwartung würde sich dann wieder aufwärts richten und es komme häufiger zu Gewinnmitnahmen.

Nach Ansicht von Steve Wesiak, technischer Analyst von ABN Amro, wäre der Kursanstieg der Gemeinschaftswährung vorbei, sollte sie unter 0,8750 $ sinken. Sollte der Euro erneute die 88-Cent-Hürde dauerhaft nehmen, erwartet er einen Kursanstieg bis auf 0,8890 $.

Yen unter Druck

Der Yen stand weiter unter Druck wegen Zweifeln an der wirtschaftlichen Erholung Japans und der anhaltenden politischen Unsicherheiten. Das Bruttoinlandsprodukt in Japan erhöhte sich im dritten Quartal nach Angaben der Wirtschaftsplanungsbehörde um 0,2 % im Vergleich zum Vorquartal. Dies entspricht einer Jahresrate von 1,0 %. Die Daten fielen so aus wie von den Finanzmärkten erwartet und lösten deshalb keine stärkeren Kursbewegungen aus. Analysten zufolge bleiben die Märkte skeptisch und fürchten, dass das Wachstum in Japan nach einem leichten Aufschwung in diesem Jahr bereits wieder zum Stillstand gekommen ist. Gegen 10.20 Uhr MEZ notierte der $ mit 110,90/95 Yen. Damit setzte sich die japanische Währung etwas von ihrem am Freitag erreichten 15-Monats-Tief von 112,05 Yen pro $ ab.

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