Vorschläge zur Lösung des Problems sind zahlreich
Schlagwort vom "Fachkräftemangel" beherrscht die Hannover-Messe

Zur Hannover Messe haben "Alt" und "Neu" ein gemeinsames Thema gefunden: "Der globalisierte Wettbewerb ist ein einziger Kampf um die Talente", bringt Jenoptik-Vorstand Lothar Späth die Erfahrung beider Branchen auf den Punkt.

dpa HANNOVER. Wie Hund und Katze schienen sich Vertreter von «old economy» und «new economy» oft gegenüber zu stehen. Doch zur Hannover Messe haben «Alt» und «Neu» ein gemeinsames Thema gefunden: Das Schlagwort vom «Fachkräftemangel» beherrscht die Industrie-Messe ebenso wie wenige Wochen zuvor schon die CeBIT an gleicher Stelle.

«Wir laufen sehenden Auges in die Wissensgesellschaft hinein», pflichtet Deutschlands IBM-Chef Erwin Staudt dem ehemaligen Ministerpräsidenten in Hannover am Rande der Industrie-Messe bei. «Die richtigen Antreiber der Wirtschaft sind unsere Ingenieure.» Der Präsident des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), Dietmar Harting, nennt eine «Halbwertszeit des Wissens» von fünf Jahren. In dieser Frist sei die Hälfte des erworbenen Wissens veraltet und nicht mehr effektiv nutzbar. «Das bedeutet, dass die Menschen in einem Arbeitsleben vier bis fünf Mal ihr Wissen komplett erneuern müssen.»

Harting eröffnet angesichts dieser Tatsache die politische Diskussion: «Da taucht automatisch die Frage der Finanzierung auf: Muss der Aus- oder Weiterzubildende sich nicht auch an den Kosten beteiligen?» fragt er in einer Diskussionsrunde zum Messeauftakt. BDI-Präsident Michael Rogowski schlägt vor, Arbeitnehmer zum Beispiel über den Zugriff auf Arbeitszeitkonten zur Kasse zu bitten. Schließlich gebe es ein «massives Eigeninteresse». An den Universitäten seien «Marktsteuerungsinstrumente» wie Studiengebühren oder Eingangsprüfungen für Hochschulen vonnöten.

"Qualifizierungsreserve bei Arbeitnehmern über 45 Jahren."

Niedersachsens Ministerpräsident Siegmar Gabriel (SPD) will jedoch den Schwarzen Peter für die Misere nicht allein der Politik zuschieben lassen. «Wir brauchen die Unterstützung der Wirtschaft», fordert er, beispielsweise in Form von Berufsakademien oder bei der Ausstattung der Bildungseinrichtungen. Auch sei das Motto «Trau keinem über 40» in mancher Unternehmensleitung ungerecht und völlig unwirtschaftlich: «Wir haben eine große Qualifizierungsreserve bei Arbeitnehmern über 45 Jahren.» Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) unterstützt ihn.

Insgesamt ist auf der Hannover Messe rund um den Komplex Bildung das Wort «wir» wesentlich öfter zu hören als das abweisende «ihr». Der Verband Deutscher Maschinen- und Ablagebau (VDMA) gesteht ein, dass die eigenen Mitglieder in den vergangenen Jahren zu wenig Hochschulabsolventen übernommen und so mit zum aktuellen Mangel beigetragen haben. Späth macht große Lücken gerade in den Führungsetagen aus: «Ohne Hilfe seiner Sekretärin kann doch mancher nicht mal seine E-Mail lesen.»

Vorschläge zur Lösung der Probleme gibt es zahlreiche: Der BDI will stärker für naturwissenschaftliche Fächer werben und die Schulen modernisieren, der VDMA setzt sich für eine Green-Card für ausländische Studierende ein - Anregungen, die so oder so ähnlich bereits von den Verbandsvertretern auf der CeBIT zu hören waren. Unbestritten ist aber nur die grundsätzliche Aussage des Bundeskanzlers: «Wir müssen schneller werden in der Bildungspolitik.»

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